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Samstag, 06. März 2021

Wein Kap, Schwager und Kösel in der Stadtgeschichte

Die Obere Straße – Schlagader der Stadt Holzminden in verschiedenen Jahrzehnten

Holzminden (18.04.16). Wein Kap, Schwager und Kösel – wie kommt es zur Verbindung dieser drei Namen in einem Beitrag zur Stadt- und Baugeschichte Holzmindens? Alle drei Unternehmungen starteten ihre geschäftliche Entwicklung zu unterschiedlichen Zeiten in Holzminden. Sie haben ihre Ladenstandorte jedoch im Laufe von Jahren oder Jahrzehnten im Stadtgebiet verlagert und sich rund um die Straßenkreuzung Obere Straße/Tünneckenhagen/Oberbachstraße konzentriert. Dazu gehörte früher auch die Müller’sche Buchhandlung (heute Brillenfachgeschäft). Diese Standortverlagerungen haben im Zeitablauf die Nutzungsstrukturen des Marktplatzes beeinflusst.

War die Obere Straße immer eine wichtige Ader der Stadt Holzminden in den verschiedenen Jahrzehnten und zog daher besondere Geschäfte an? Dieser stadtgeschichtlich interessanten Aufgabe spürte Wolfram Grohs nach. Die Ergebnisse sind in einer kleinen Broschüre zusammengefasst. Ausgangspunkt der Spurensuche waren im Herbst 2014 ein Vortrag von Ralf Schwager im Kreis der „Alten Holzmindener“, über die Geschichte „Schwager in Holzminden“ und Gespräche mit Ernst Kösel über eine Jubiläums-Festschrift des Hauses Kösel.

Hier seien einige Aspekte der Spurensuche kurz angerissen: Anfang 2016 eröffnete „Wein Kap“ im heute dreigeschossigen Eckhaus Obere Straße Nummer 3/Tünneckenhagen das vom Markt verlagerte Geschäft. Beim Umbau dieses Hause, Ende 2015 (zuletzt Schlecker), hat man versucht, alte Baustrukturen wieder sichtbar zu machen. Das unmotivierte, breite, horizontale Band unterhalb der Balkenköpfe wurde entfernt. Alte Aufnahmen dokumentieren, dass dieses Haus bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts ursprünglich viergeschossig gewesen war. Es steht übrigens in unmittelbarer Nachbarschaft zum Geburtshaus von Friedrich Ludwig Haarmann, dem Gründer der Baugewerkschule.

Mehrere seiner Besitzer hatten dieses Eckhaus schon früher umgebaut, bewohnt und waren ihrem Geschäft nachgegangen. Ende des 19. Jahrhunderts hatte der damalige Eigentümer Böhme zum Beispiel im Erdgeschoss drei kleine Läden mit je etwa 3.50 Metern Breite zur Straße und geringer Ladenhöhe einbauen lassen (unter anderem Tabak, Kaffeemagazin). Werner Jahns wies darauf hin, dass ein „Eschmann“ vom Marktplatz in Holzminden dieses Eckhaus um die Jahrtausendwende zum 20. Jahrhundert erworben hatte. Er entfernte ein Vollgeschoss zur Vergrößerung der Ladenhöhe im Erdgeschoss, wie dies die Schaufensterfront von „Wein Kap“ heute wieder verdeutlicht.

Der TAH hat schon mehrfach über dieses baugeschichtlich interessante Haus berichtet. Die Spurensuche stellt es nun in einen anderen Zusammenhang.

Werner Schwager kam 1949 aus Thüringen und begann genau in diesem Eckhaus (Eschmann) Obere Straße Nummer 3/Tünneckenhagen seine Geschäfte mit dem „Textilhaus Schwager“. Bis zum heutigen, bekannten Kaufhausbau Schwager dienten aber noch mehrere einzelne Gebäude den sich erweiternden Geschäften der Familie Schwager. Im Zuge der im Zeitverlauf folgenden, verschiedenen Baumaßnahmen verschwanden jedoch einige andere Unternehmungen aus dem Stadtbild.

Familie Kösel begann schon 1899 ihr Geschäft an der Weserbrücke in einem übernommenen Geschäftslokal und Wohnhaus. Dr. Christian Leiber hatte kürzlich über Ausgrabungsfunde des abgerissenen „Weserkaufhauses Kösel“ bei den „Alten Holzmindenern“ berichtet und einen Werbeteller der Frühzeit mit dem Bild des Hauses vorgestellt. Nach dem Ersten Weltkrieg fand die Familie einen weiteren, neuen Standort am anderen Ende der Oberen Straße und gab später den Standort an der Weserbrücke auf.

Dem „Eschmann“-Eckhaus gegenüber, im Westen, dehnt sich heute der große Komplex des „Kaufhauses Kösel“ aus und „schnürt“ das ehemalige Ladengeschäft der Müller‘schen Buchhandlung ein (heute ein Brillenfachgeschäft). Auch dieses Unternehmen hatte in der Frühzeit einen Standort am Marktplatz.

Bei der Spurensuche ergaben sich so Einblicke in die genutzten Baustrukturen der Ladengeschäfte, aber auch in die wirtschaftlichen, familiären und verkehrstechnischen Vernetzungen über ein etwas größeres Stadtgebiet. So stieß der Autor auch auf die Namen „Geschwister Grün“, die „Schauburg“, das „UT“, „Kaudel“, zwei Hotelgebäude, alte Bauernhäuser und andere kleine Einzelhandelsgeschäfte. Diese Namen sind alle aufs Engste mit der Geschichte der beiden großen Kaufhäuser und damit mit der Stadtentwicklung von Holzminden verbunden.

Natürlich wird die unterschiedliche verkehrliche Funktion der Oberen Straße behandelt. Auch die Hafenbahn wird in die Spurensuche einbezogen. Könnte die Wiedereröffnung der Oberen Straße für den Autoverkehr aber etwas an der morgigen Bedeutung dieser Straße und ihrer Geschäfte ändern? Die angerissene Teilgeschichte der Oberen Straße und die Konzentration der in der Spurensuche behandelten Geschäfte im östlichen Teil des Verkehrsweges ermöglicht vielleicht eine differenziertere Beurteilung, wenn man dabei die vergangenen politischen Entscheidungen über sonstige Gewerbeflächen in der Stadt Holzminden und die sich ändernden Marktchancen unter Einbezug der kommenden Entwicklungen des Online-Shoppings weiter hinterfragt und beleuchtet.

„Die Obere Straße – Schlagader der Stadt Holzminden in verschiedenen Jahrzehnten – eine Auswahl von Geschäften“ (gebundenes, kopiertes Manuskript, 49 Seiten, Zeichnungen, 78 Bilder, Index) ist beim Autor erhältlich.   Dr. Ing. Wolfram Grohs

 

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