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Mittwoch, 12. Mai 2021

Einem faszinierenden Tier ein Denkmal gesetzt

Seine Fotos beeindrucken einmal mehr: Jürgen Borris ist Mitautor des soeben erschienenen Buches „Der Rothirsch – Ein Mythos im Revier“

Neuhaus (20.09.16). Termingerecht zur Brunftzeit des Rotwildes, ist ein neues Fotobuch mit herausragenden Aufnahmen des Natur- und Tierfotografen Jürgen Borris aus Neuhaus erschienen: „Der Rothirsch – Ein Mythos im Revier“. Borris „bejagt“ das Rotwild seit gut 16 Jahren intensiv mit der Kamera, sein „Revier“ ist dabei vor allem der heimische Solling. In der Brunftzeit der Hirsche befindet sich auch der Neuhäuser im Ausnahmezustand, dann zieht es ihn zum Fotografieren nach draußen. Mit immer wieder faszinierenden Ergebnissen und seltenen Aufnahmen kehrt er zurück. Jürgen Borris ist Mitautor des im Stuttgarter Verlag Müller Rüschlikon erschienenen Buches, das er zusammen mit seinem Freund und Kollegen aus der Fotografenvereinigung „Blende 4“, Willi Rolfes, bebildert hat. Den fundierten Text hat Tobias Böckermann, Redakteur der Neuen Osnabrücker Zeitung, beigesteuert.

Rotwild ist die bevorzugte Tierart für das Gespann Borris-Rolfes, beide gehören zu den renommierten Wildtierfotografen der Szene. Während Rolfes am liebsten in Dänemark und Holland in Großgattern fotografiert, hat Jürgen Borris den Ehrgeiz und Anspruch, in der freien deutschen Wildbahn sein Handwerk zu verrichten. Für ihn macht das den besonderen Reiz aus: „Durch angepasstes Verhalten den Tieren nahe zu kommen.“ Seine bevorzugten Fotoreviere sind der Solling und die Heide, wo ihm zuletzt auch spektakuläre Porträts frei lebender Wölfe gelangen. Borris’ Foto, das einen Wolf mit gerissenem Frischling im Fang zeigt, hat soeben den Fotowettbewerb der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung gewonnen (siehe Titelseite). Das Eisvogel-Foto seines Freundes Willi Rolfes wurde mit dem dritten Preis ausgezeichnet.

Für die Fertigstellung des Buches „Der Rothirsch“ (ISBN 978-3-275-02077-5), 180 Seiten stark und in hervorragender Druckqualität, haben die drei Autoren rund eineinhalb Jahre eng zusammengearbeitet. Das ausgewählte Fotomaterial Borris’ stammt aus zehn Jahren Wildtierfotografie. Es setzt dem Rothirsch, jener Tiertart mit so spannenden Eigenschaften, ein fotografisches und literarisches Denkmal: der Abwurf des Geweihs im Februar/März, das enorme Knochenwachstum bis Juli, die Hirschbrunft im September als spektakuläres Naturschauspiel, die ungeheuren Sinnesleistungen. Das Buch zeigt nicht nur „schöne Bilder“ von Hirschen, es hinterfragt auch kritisch seine Lebensumstände und die Rolle des Menschen: Der Rothirsch, lange Zeit größter heimischer Landsäuger, musste als Symbol des Adels ebenso herhalten wie als Inbegriff des Jungbäume verbeißenden oder schälenden Schädlings. Er ist in
Reservate gezwungen und wird der Trophäenjagd ausgesetzt.

Auch diesen Aspekt darzustellen, ist Jürgen Borris, selbst Jäger, wichtig: „Der Rothirsch ist gerade wieder enormem Jagddruck ausgesetzt. Insbesondere im Solling wird Druck gemacht, und das sorgt für oft zweifelhafte Jagdpraxen, die dieser Tierart nicht gerecht werden, sondern nur der Jagdfreude dienen.“ Man könne mitunter den Eindruck gewinnen, „nur ein toter Hirsch sei ein guter Hirsch“. Das vorliegende Buch spricht eine deutliche andere Sprache, es hofiert den in Unfreiheit, stattdessen in „Rotwildbezirken“ lebenden „König ohne Reich“ (denn als Steppentier ist der Wald für ihn als Lebensraum nur zweite Wahl), es ist ein Statement gegen die Trophäenjagd, ohne das Thema Jagd auszuklammern oder zu verteufeln: Ein Kapitel widmet sich der Bewegungsjagd im Solling.

Dieses Buch will ein Buch für Jäger und Fachkundige, aber ebenso für den Natur- und Tierliebhaber sein. Es versteht und spricht auch die Jägersprache, es widmet sich auch Mythologie und Biologie dieser faszinierenden Tierart, seinem Sozialverhalten, Lebensraum und ökologischer Bedeutung. Ein Kapitel informiert, wo man Rotwild aus nächster Nähe betrachten kann. Diese Fotos von Jürgen Borris und Willi Rolfes kann man nur staunend betrachten, sich an ihnen berauschen und erfreuen. Sie lassen – in Reihe zwischen zwei Buchdeckeln –  allenfalls erahnen, wie viel Geduld und Zeit und welch’ große Portion handwerkliches Können notwendig waren, um   sie mit nach Hause zu bringen. Sie verlangen Achtung, Respekt und Demut ab – den Fotografen ebenso wie dem stolzen Geweihträger. (spe)

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