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Montag, 01. März 2021

Haarmann, ein klangvoller Name beiderseits der Weser?

Teil 2 der Familiengeschichte der Haarmanns

Holzminden (24.10.16). Wilhelm (II) Haarmann hatte in der Anfangszeit der Firma schwer zu kämpfen. Seine baulichen Vorstellungen beinhalteten wahrscheinlich erhebliche Schwierigkeiten sowohl in Holzminden wie in Höxter, wohin er 1891/92 zog. Er wollte in beiden Städte etwas „bauen“, was die Stadtverordneten – aus welchen Gründen auch immer - ablehnten. Aus der Zeit um 1890 geht die Familien-Sage, dass Wilhelm (II) sein Wohnhaus, später eine staatliche Villa in Höxter, in Holzminden nicht dort bauen durfte, wo er es sich wünschte. Leider ist ein möglicher Weise geplanter Standort in Holzminden nur spekulativ im Vergleich zum realisierten Villen-Bau in Höxter zu untersuchen. Eine andere Familien-Sage spricht von einem nicht erwünschten Krankenhausstandort in Holzminden. In Höxter soll er eine Schule, für die das Grundstück von ihm schon erworben gewesen sein soll, ebenfalls nicht am von ihm geplanten Standort durchgesetzt haben. Ja, Wilhelm (II) Haarmann war durch Studienzeit unter anderem in Berlin oder durch seine Reisen nach Frankreich, England und Amerika zur Knüpfung wirtschaftlicher Kontakte in baulicher Hinsicht sicher in seinen Vorstellungen beeinflusst; dies im Gegensatz zu einigen Vertretern in Stadt und Landkreis. Allerdings hatte die Entscheidung in bauliche Fragen bis 1905 der Landkreis. Erst 1905 wurden, mit Stadtbaurat Scherman, bauliche Maßnahmen von der Stadt Holzminden selbst entschieden.

Sohn Wilhelm (III) wurde 1931, nach dem Tod des Vaters, letzter GeschäftsfĂĽhrer der Chemischen Fabrik. Sein Bruder Reinhold blieb als Forscher in der Firma. Die Familien gaben 1953/54 den Besitz ab und verkauften alle Anteile an die Farbenfabriken Bayer AG. 

Die Tochter von Wilhelm (II) Haarmann, Luise Haarmann (1878/1975) heiratete in Höxter den Heinrich Hermann Ernst August Schröder (1867/1937). So entstand eine neue Linie, die sich eher in Westfalen ausbreitete.

Zwei Familienmitglieder sind ausgewandert: Carl Wilhelm Haarmann (1855/1898), Bruder von Wilhelm (II), ging wohl um 1886 nach Texas.

Kurt Haarmann (1886/nach 1968), Sohn von Wilhelm (II) Haarmanns Bruder Otto Haarmann um 1920 nach Chile ausgewandert. Beiden Spuren konnte zwischenzeitlich im Internet nachgegangen werden.

Weibliche Familienmitglieder haben sich oft sozialen Aufgaben gestellt oder waren die Seele der groĂźen Familien.

Die Ehefrau von Wilhelm (III) Haarmann (1877/1962) soll aus Gründen ihrer Herkunftsgeschichte hier heraus gehoben werden. Schon ihr Vorname „Wobeta“ ließ aufhorchen. Mit vollem Namen hieß sie Anna Wobeta Isenberg (1885/1963). Ihr Geburtsort überraschte noch mehr: Lihue/Kauai, eine Hawaii Insel. Ihr Vater, Carl Isenberg, aus dem Raum Dransfeld kommend, war aus Landwirtschaftlichen Interessen in die Plantagenwirtschaft von Hawaii gewechselt. Mit gutem Geld kehrte er zurück, kaufte eine Töpferei in Duingen, heiratet dort und ging dann wieder nach Hawaii. Nach dem Tod seiner ersten Ehefrau kehrte mit einem Teil seiner Kinder zurück. In Holzminden erwarb er die „weiße“ Villa in der Wallstraße (2014 residierte dort Christian Kauffmann).

Soweit einige Hinweise zu den Personen.

NatĂĽrlich hatten Haarmann – Familien entsprechende GrundstĂĽcke in der Region erworben, bebaut. Die GrundstĂĽckspolitik der Haarmanns war von groĂźem Einfluss in der Stadt Holzminden.  Heute sind die frĂĽheren GrundstĂĽcke der Haarmanns nur noch ĂĽber die Geschichte der räumlichen Stadtentwicklung zuzuordnen.

In der Stadtpolitik waren Familienmitglieder der Haarmanns oder Mitarbeiter der Firmen vertreten. Sie wurden auch in der Stadtverordneten Versammlung und in der gesellschaftlichen Einrichtung des Klubs tätig. So konnten direkte lokale Informationen beschafft aber auch konkrete Einflüsse versucht werden. Dies geht so weit, wie Seeliger schreibt, dass ein Magistratsposten für Wilhelm (III) Haarmann geschaffen wurde, nachdem die Stadt Geld von Wilhelm (II) Haarmann für den Bau einer Garnison/Kaserne zugesagt erhielt.

Man pflegte lange Kontakte aus den eigenen Ausbildungs- und Berufsphasen. Eine rege Heiratspolitik ist nicht zu ĂĽbersehen. So kommen auch zwei weibliche Geschwisterpaare in den Familien vor.

Es gibt heute noch eine Reihe von baulichen Spuren: Dies sind unter anderem die Gräber von Familien. Die ältesten sind im Bereich des 1883 aufgegebenen Friedhofs an der Fürstenberger Straße. Das Grabgebäude ist heute im Erdboden fast gänzlich verschwunden.

Ab 1884 findet sich auf dem Friedhof an der Allersheimer Straße die oftmals erweiterte große Grabanlage, die nicht nur die Leiter der Baugewerkschule und ihrer Angehörigen enthält sondern auch andere Persönlichkeiten. Es sind aber auch noch Einzelgräber von Familienmitgliedern und die Grabanlage Isenberg zu finden. Die Arbeit gibt dazu näheren Aufschluss.

Schließlich muss das Ehrengrab vom Ehrenbürger Dr. Wilhelm (II) Haarmann auf dem Friedhof in Höxter genannt werden.

Ein eiserner Torbogen in der Neuen Straße gibt noch heute kleine Erinnerungen an die Familien: Dort ist nicht nur ein vereinfachtes Familienwappen (Löwe mit Hammer) zu erkennen, sondern auch ein Kreis mit ineinander verwobenem „H“ und „W“. Symbolisiert diese Kombination „Heinrich Wilhelm“ oder „Wilhelm (III) Haarmann“. Die Jahreszahl 1905 markiert die Heirat von Wilhlem (III) Haarmann und Anna Wobeta Isenberg und wahrscheinlich das Einzugsdatum in das Haus. Ein weiteres geschmücktes Kreisemblem enthält mit der Jahreszahl 1857, das Kaufdatum des Hauses durch Heinrich (I) Wilhelm Haarmann.

Soweit einige Aspekte aus den Spuren der Familien Haarmann in der Region beiderseits der Weser.

Mitte des 20. Jahrhunderts sind keine Familienmitglieder mit Namen „Haarmann“ mehr in Holzminden. Gleichzeitig sind alle früheren Aktivtitäten in andere Hände übergegangen (Chem. Fabrik im eine AG mit neuem Namen), Baugewerkschule umgewandelt in HAWK oder verschwunden: Solling Steinbrüche.

Nachkommen mit anderen Namen leben aber noch im Bundesgebiet. Sie haben die Arbeit ĂĽber die Spuren der Haarmann-Familien mit ihrem Wissen und ihren Unterlagen in dankenswerter Weise unterstĂĽtzt.

Dieser kleine Abriss wichtiger Personen und ihrer Aktivitäten in der Stadtgeschichte von Holzminden und Höxter wollte Zusammenhänge aufzeigen und Vergangenes von Bedeutung für die Städte und ihre Entwicklung nur andeuten. Der Gedanke einer kursorischen Zusammenfassung entstand durch zwei Vorträge bei den „Alten Holzmindenern“ einer Gruppierung, die sich Erinnerungen zur Geschichte der Stadt in Holzminden zuwendet und in der vhs Höxter-Marienmünster, dort wohnte und lebte Wilhelm (II) Haarmann. Gleichzeitig gab es dort auch einen Bürgermeister mit Namen Haarmann (Verwandtschaft nicht wahrscheinlich). (Wolfram Grohs)

 

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