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Samstag, 27. Februar 2021

Haarmann, ein klangvoller Name beiderseits der Weser?

Teil 1 der Familiengeschichte der Haarmanns

Holzminden (17.10.16). Haarmann-Platz? Haarmann? Eine wichtige Einzelpersönlichkeit? Lohnt sich die Beschäftigung mit dem Namen Haarmann in Holzminden noch? Ist das nicht alles schon vergessen? Kann sich einer noch vorstellen, dass sich eigentlich viele Personen mit dem Namen Haarmann dahinter verbergen könnten? Eine Suche bei Kretschmer, in der Holzmindener Stadtgeschichte, bringt wenige Erkenntnisse.

In der Literatur des „Heimat- und Geschichtsverein für Landkreis und Stadt Holzminden (HGV)“ findet man schon mehr Beiträge, so über die Administration der Solling Steinbrüche von Werner Jahns. Und dann ist da ja am Haarmannplatz noch die Bauschule, wie sie in Holzminden genannt wird (richtig: Baugewerkschule – heute HAWK) mit ihren Festschriften.

Viele wirtschaftliche Unternehmungen im Braunschweigischen Holzminden (und vor 1922 in Altendorf) und einige andere  in der Region sind eng mit dem Namen Haarmann verbunden! Ihre Gründer sind alle aus der großen Familie der Haarmanns. Sehr schnell vermisst man jedoch eine Übersicht über die tatsächlichen verwandtschaftlichen Verbindungen der Gründer und ihrer Familien. Grund genug, sich mit den unsichtbaren und sichtbaren Spuren der Familien zu beschäftigen. Im Herbst 2014 konnte ein vervielfältigtes Manuskript „Auf den Spuren der Familien Haarmann in der weiteren Region Holzminden – Ein Beitrag zur Stadtgeschichte in  lexikalischer Form“ (200 Seiten mit Zeichnungen und Abbildungen) vorgestellt werden. Die Spuren der Familien Haarmann reichen, für viele sicher überraschend, auch in den Raum Höxter!

Die ersten Familien mit dem Namen Haarmann tauchen im 17. Jahrhundert auf

Aber der Reihe nach, mit einer Vorbemerkung: Um den Lesern einen einfacheren Zugang zu den Familienzweigen zu ermöglichen, sind bei einem Vornamen „Wilhelm“ in Klammern römische Zahlen beigegeben.

In der Region Holzminden tauchen erste Familien mit dem Namen Haarmann im 17. Jahrhundert auf. Ihre Vornamen: Cunrad, Nikolaus (1692/1758), Christian (1732/1812) oder Christoph Haarmann (1762/1842). Alle waren im Forstbereich im Herzogtum Braunschweig tätig. Mit den Söhnen von Christoph Haarmann, Friedrich Ludwig und Heinrich Wilhelm (I) hörte die enge Bindung an den Forstbereich langsam auf.

Aber die Haarmann‘schen Kenntnisse der Herzoglich-Braunschweiger Forst-Reviere führte zum aktiven Tätigkeitsbereich der „Administration der Solling Steinbrüche“. Nach vorheriger gutachterlicher Tätigkeit wurde das Unternehmen privatwirtschaftlich aufzogen (Werner Jahns in den Jahrbüchern des HGV). Seine Grundstücksflächen lagen um die Mitte des 19. Jahrhunderts nahe an der Weser in Holzminden aber auch in Altendorf (Steinhöfe)! Die 1865 eröffnete Eisenbahnstrecke sollte, wie die Weser, für den Transport der Sandsteine genutzt werden. Christoph Haarmann baute das Unternehmen mit den Söhnen Friedrich Ludwig, Heinrich Wilhelm (I) und Fritz (Ernst Friedrich) aus. Heinrich Wilhelm (I) Haarmann (1802/1884); folgte dem Vater in der Leitung nach. Er war der oft zitierte Obercommissär Haarmann.

Material der Sandsteinbrüche wurden im Außen- und Innenbereich der Häuser eingesetzt. Wen wundert es da noch, wenn unterschiedliche Qualität der jeweiligen Bauausführungen ein anderes Mitglied der großen Familien Haarmann zu Bildungsinvestitionen anregte. Der ältere Bruder von Heinrich Wilhelm (I), Friedrich Ludwig Haarmann (1798/1864), entwickelte 1831 die Baugewerkschule in Holzminden zur Ertüchtigung des Handwerks; dies war später auch Ausgangspunkt für die entsprechende Einrichtung im nahen, preußischen Höxter (1855/64).

Friedrich Ludwig Haarmann war vielfältig literarisch tätig. Er wollte den in Holzminden entwickelten „Deutschen Fuß“ als neues metrisches Maß einführen und mit seinen Brüdern auch Schiffe bauen.

Aus einem Labor im Schwerspat-Schuppen entsteht die Vanillin-Fabrik

Gustav Ludwig Friedrich Wilhelm (II) Haarmann, der Chemie studiert hatte, erhielt von seinem Vater, dem Mitbegründer der Administration Heinrich Wilhelm (I) Haarmann, erste Räumlichkeiten zur Einrichtung eines Labors zur Verfügung; einen Schwerspat-Schuppen am Wasserzulauf zu den Teichen. Später entstand daraus die Vanillin Fabrik Dr. Wilhelm Haarmann.

Daneben gab es aber auch die Gründung einer Töpferei, einer Glasurfabrik oder der Lenne-Vorwohler  Asphaltfabrik L. Haarmann & Co durch Mitglieder der Familien. Jedes der hier genannten Unternehmen hat seine hohe Zeit gehabt.

Die Bedeutung der Familien für die Stadt Holzminden (mit Altendorf) wollen die folgenden Absätze kurz anreißen: Dem Begründer der zuerst privaten Baugewerkschule, Friedrich Ludwig Haarmann, ist – heute noch sichtbar – ein Denkmal am Beginn der Böntalstraße in der unmittelbaren Nähe der Bauschule gewidmet. Aus seiner siebenköpfigen Kinderschar folgte ihm der älteste Sohn Gustav (18926/1891) in der Leitung der Baugewerkschule. Anschließend übernahm Enkel Ludwig die Leitung und gab die Schule in die Hände der Stadt Holzminden. Während das Geburtshaus Friedrich Ludwigs in der Oberen Straße verschwunden ist – etwa dort wo sich heute „Arko“ befindet – haben seine Nachfolger ihre Häuser entlang des nördlichen Ufers des unteren Teiches oder in der Bismarckstraße errichtet. So baute auch der Arzt Dr. Carl Haarmann eine Villa, die in Holzminden noch als Villa Roses bezeichnet worden ist (nach dem Abriss später Nord/LB). Auch der sogenannte Casinobau der 1930er Jahre war eine Haarmann Villa, die mehrfach gravierende Umbauten erlebte. Nach Osten schloss sich die Verwaltung der Administration der Solling Steinbrüche an (später Kauffmanns Villa/-Garten). In den beiden zuletzt genannten Häusern residierten die Schwestern Heine. Ihr gegenseitiger Besuchsweg über die heutige Ernst-Auguststraße war sehr kurz – die Gartentür ist auch heute noch zu erkennen.

Ein erstes Photo einer Familien existiert aus der Zeit um 1875 von Heinrich Wilhelm (I) Haarmann (1802/1884), seiner Ehefrau Luise Seulcke und ihren sieben Kindern mit schon vorhandenen Partnern (Foto 1). Die Familie konnte sich so etwas leisten.

Sein Sohn, Wilhelm (II) Haarmann (1847/1931), war wohl der nach außen wirtschaftlich stärkste Vertreter der Haarmann Sippe und ein ausgesprochener Großbürger. Als Begründer der Vanillinfabrik ließ er die Familie bereits um 1900 durch einen Künstler verewigen. Wen wundert es da, dass Wilhelm (II) auch ein Wappen entwerfen, einen Stammbaum anfertigen ließ (gedruckt bei Serong in Höxter) und Bestecke mit dem Wappen damit ausprägen lassen konnte. Auch eine Taufschale existiert, bis heute in Benutzung. Das Wappen kann in vereinfachter Form noch heute im Torbogen des Hauses Neue Straße Nr. 13 in Holzminden  erkannt werden. Wahrscheinlich signalisiert der Löwe mit dem Hammer die Administration der Solling Steinbrüche, der quasi privatwirtschaftliche Start der Familien, die Emanzipation von der Herzoglichen Verwaltung. (Wolfram Grohs)            Fortsetzung folgt

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