Weiter zum Inhalt
Mittwoch, 24. Februar 2021

Am Burgberg fliegen Osterhasen!

Insekten-Experte Rolf Drüke aus Bevern verbringt viele Nächte beobachtend und fotografierend auf seiner „Versuchsfläche“

Bevern (15.04.17). Er soll bunte Eier (bevorzugt aus Schokolade) an alle kleinen und auch größeren Kinder verteilen und dabei so fix auf den Beinen sein, dass ihn beim Eier-Verstecken kein menschliches Auge erblickt. Das weiß jeder. Aber wer hat schon davon gehört, dass der Osterhase fliegen kann? Und zwar aus eigener Kraft, mit Hilfe eigener Flügel – und nicht mit Rentier-Hilfe wie Kollege Weihnachtsmann! In Bevern lebt ein Mann, der diese Behauptung bezeugen kann, weil er den Osterhasen tatsächlich schon fliegend gesehen hat: Rolf Drüke. Der kann über die Zeile „Am Burgberg fliegen Osterhasen“ zwar schmunzeln, aber eigentlich dreht es sich bei seinem Besuch in der TAH-Redaktion um das durchaus ernst zu nehmende Gesamtergebnis seines großen „Feldversuches“ auf einer kleinen Wiesenfläche am Burgberg. Dabei gingen dem Insekten-Experten nicht nur Osterhasen-(Falter) in die Falle, sondern noch 607 weitere Arten...

So lange er denken kann, faszinieren Rolf Drüke die Insekten – von den ganz kleinen bis zu den ganz großen. Diesem Hobby hat er stets viel Zeit gewidmet, doch erst jetzt im Ruhestand hat diese Beschäftigung regelrecht wissenschaftliche Züge angenommen. So stellte Rolf Drüke bereits von Mai bis Oktober 2015 einen selbst gebauten „Leuchtturm“ in seinem Garten in Bevern auf und prüfte jede Nacht, wer sich da auf dem Netz rund um die Lichtröhren eingefunden hatte. Bei dieser Kontrolle fotografierte er seine „Gäste“ auch, wobei er den feinen Gazestoff als Maßeinheit benutzte (fünf Maschen sind ein Zentimeter). Im folgenden Winter machte er sich daran, die Ergebnisse genau zu katalogisieren und zu dokumentieren – ordentlich „sortiert“ nach Faltern, Käfern, Spinnen und anderen Insektenfamilien. Entstanden ist ein dicker „Wälzer“, den Drüke der Unteren Naturschutzbehörde zur Verfügung stellte. Auch der TAH berichtete seinerzeit über Drükes Forschungsarbeit.

Jetzt liegt ein zweites dickes Buch vor. Denn Rolf Drüke hat natürlich auch den Sommer 2016 nicht ungenutzt verstreichen lassen. Diesmal reizte ihn die Insektenwelt am Burgberg. In Absprache und mit Erlaubnis von Michael Buschmann von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises fuhr der Beveraner mindestens einmal pro Woche nächtens auf eine Weide oberhalb des Osterfeuer-Platzes und baute hier seine „Licht-Falle“ auf. Und tatsächlich wurden erneut alle seine Erwartungen übertroffen. 662 Arten hatte er 2015 im eigenen Garten angetroffen – 608 waren es nun am Burgberg. Knapp 300 Arten fand er an beiden Standorten – insgesamt dokumentierte er in seinen beiden Forschungssommern 974 Arten! Davon ließen sich 366 nicht am Burgberg und 312 nicht im Drükeschen Garten blicken.

Besonderes Augenmerk legte der Hobby-Entomologe auch am Burgberg auf „seine“ Falter, denen er sich besonders intensiv widmet. So wurde er ja in den letzten Jahren auch zum Ansprechpartner für den TAH. Denn immer öfter schicken aufmerksame Leser Fotos einer besonderen Raupe oder eines ungewöhnlichen Falters ein mit der Frage: „Was ist das?“ Rolf Drüke konnte bisher immer eine Antwort geben.

Natürlich hat er auch die 608 Burgberg-Insekten identifiziert. Das stelle man sich als Laie nicht zu einfach vor. Da gibt es Falter, die sehen mit ihren weißen Flügeln und winzigen schwarzen Punkten auf Drükes Fotos allesamt gleich aus – und doch handelt es sich um zehn verschiedene Arten. Mal sind die Punkte wild verteilt, mal sitzen sie in Reih und Glied... Da ist der Osterhasen-Falter deutlich leichter zu erkennen. Schließlich sitzt ihm der Osterhase quasi auf den Flügeln!

Am häufigsten hat Drüke bei seinen nächtlichen Stippvisiten übrigens die „Hausmutter“, einen ziemlich großen Falter, angetroffen. Ein besonders seltenes Exemplar dagegen ist der Hartheu-Spanner. Er steht nicht nur ganz oben auf der Roten Liste der bedrohten Arten, er sollte am Burgberg-Hang eigentlich gar nicht vorkommen, weil er ganz andere Lebensbedingungen bevorzugt. Gut sind die Bedingungen eher für eine andere fotografierte Seltenheit, nämlich den Zahnspinner.

Rolf Drüke hat alles angeblitzt, was ihm vor das Objektiv geriet – sogar zwei neugierige Waschbären. Er räumt allerdings ein, dass seine „Volkszählung“ nur die Arten umfasst, die groß genug sind zum Fotografieren. Makroaufnahmen macht er nämlich nicht, so nah lassen ihn die Tierchen nicht ran... Für die ganz Kleinen gibt‘s übrigens auch keine Rote Liste, erklärt Drüke. Aber auch so verging kein Kontrolltag ohne etwas Neues. Sein Favorit ist übrigens keiner von den ganz großen Schwärmern. Er mag den Nachtschwalbenschwanz besonders gern.

Gefreut hat er sich stets auch über Begegnungen mit den Großen Leuchtkäfern oder den Zehn-Punkt-Marienkäfern (der seltene Sieben-Punkt-Käfer tauchte nicht auf), über Köcherfliegen, verschiedenen Wanzen (zum Beispiel die Ameisensichelwanze), über Sporn-, Ohren- oder Grüne Rebzikaden, über Schrecken, Schlupfwespen, Hornissen, Spinnen (darunter die unter Naturschutz stehende, 2,5 Zentimeter große Schwarze Tapezierspinne, die sich wie die Tarantel eine Höhle baut).

Ein Exemplar seiner Dokumentation bekommt wieder die Untere Naturschutzbehörde. Und auch diesmal lässt Rolf Drüke jeden Interessenten gern in das Buch hineinschauen oder steht für „Fachgespräche“ zur Verfügung (drueke-rolf@t-online.de).

Momentan wächst bei Rolf Drüke wohl schon wieder die Ungeduld: Mit jedem warmen Tag zieht es ihn hinaus. Aber wohin in diesem Jahr? Noch hat er sich nicht für ein Areal entschieden, aber es sollte sich schon von der Ortslage Beverns und dem Burgberg unterscheiden, um die Chance auf „neue“ Arten zu erhöhen.

Wer Lust hat, kann sich auch gern mit Rolf Drüke verabreden und ihn bei seinen nächtlichen Exkursionen begleiten (Zeitpunkt: So zwischen 22 und 3 Uhr).  (rei)

Kontakt

Telefon: 05531/9304-0
E-Mail: info@tah.de

 

Öffnungszeiten
Montag bis Freitag:
8.00 bis 16.00 Uhr
Samstag:
8.00 bis 11.00 Uhr