Weiter zum Inhalt
Dienstag, 18. Mai 2021

Gedenkstein erinnert an Absturz 1979

Zeitzeugen erinnern sich an das Unglück am Ith / Gedenkfeier geplant

Eschershausen/Ith (22.04.17). Es war Freitag, 8. Juni 1979, gegen 14 Uhr, als ein Hubschrauber der Bundeswehr beim rund 400 Meter hohen Rothenstein auf den Ith abstürzte. Der mit drei Bundeswehrsoldaten besetzte Verbindungs- und Mehrzweckhubschrauber vom Typ Aerospatiale SE 3130 – Alouette II war auf dem Weg von Celle-Wietzenbruch nach Fritzlar und hatte gerade einmal eine Flugstrecke von rund 80 Kilometern zurückgelegt. Zeitzeuge Heinz Weidemann, damals „Spieß“ im Panzerartilleriebataillon 15 in Stadtoldendorf, kann sich noch gut an das Wochenende erinnern: „Wir mussten mit einem Zug Soldaten die Absturzstelle absichern und bewachen. Das fiel manch einem Soldaten nicht leicht.“

Augenzeugenberichten zufolge befand sich der Hubschrauber auf direktem Kurs und in etwa 100 Metern Höhe, als von der Alouette ein kreischendes Geräusch zu hören war und sie mit einer hinter sich her ziehenden Rauchfahne hinter den Baumwipfeln verschwand. Aufgrund der geringen Höhe gelang es dem Piloten nicht mehr, eine Autorotation (Abschalten der Rotorblätter und Übergehen in ein selbstständiges Drehen) durchzuführen. Die einmotorige Maschine stürzte wegen eines Turbinenschadens und des damit verbundenen Ausfalls der Turbine auf eine Lichtung und explodierte. Wenig später trafen zwei Segelflieger mit einem Seilschleppfahrzeug an der Unglücksstelle ein, konnten aber wegen der großen Hitze weder die Besatzung bergen noch den Brand löschen. Die Alouette II brannte vollständig aus.

Neben dem 25-jährigen Piloten, Oberfeldwebel Klaus Masson von der inzwischen aufgelösten Heeresfliegerstaffel 12 (Niederstetten), starben in den Trümmern auch Oberleutnant Reinhold Drescher (27), der eine Ehefrau mit fünf Kindern hinterließ, sowie der 1937 geborene Oberstleutnant Ernst-August Rust. Dieser hinterließ eine Ehefrau und zwei Söhne. Der Zufall wollte es, dass Rust, dessen Großeltern in Holzen wohnten, die Ithwiesen, auf denen er zu Tode kam, wie seine Westentasche kannte, hatte er doch dort als Kind oft und gern gespielt.

Oberstleutnant Rust war der Kommandeur des Panzergrenadierbataillons 352 in Mellrichstadt und befand sich zusammen mit seinem S2-Offizier (Oberleutnant Drescher war zuständig für Militärische Sicherheit), auf dem Rückflug vom der Dienstaufsicht bei der 4. und 5. Kompanie des Bataillons, die sich auf dem Truppenübungsplatz Putlos an der Ostsee aufhielten. Die geplante Rückflugroute nach Fritzlar führte von Putlos nach einer Zwischenlandung in Celle direkt über die Kammlage des Ith.

„Fromm handelt, wer die Toten ehrt.“ Getreu diesem Motto errichtete acht Jahre nach dem Absturz des Hubschraubers die dem Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e.V. angehörende Reservistenkameradschaft Eschershausen für die bei diesem Unfall Getöteten einen Gedenkstein. Initiator war der damalige Feldwebel d.R. (der Reserve) Hans-Jürgen Heinzel. „Für einen am 21.3.1972 in der Nähe von Stadtoldendorf abgestürzten Senkrechtstarter und eine am 8.11.1982 im Wald bei Neuhaus abgestürzte Phantom F-4 wurden Gedenksteine errichtet. Nur nicht für die drei Kameraden in der Alouette. Das wollte ich ändern“, erinnert sich der Eschershäuser.

Um seine Idee in die Tat umsetzen zu können, hatte Hans-Jürgen Heinzel in dem damaligen Kommandeur des Panzerartilleriebataillons 15 aus Stadtoldendorf, Oberstleutnant Ernst-Dieter Wehmeyer, einen wohlwollenden Unterstützer gefunden. Insgesamt zwei Jahre dauerte die Planungs- und Genehmigungsphase, den Gedenkstein am Wegesrand auf den Ithwiesen errichten zu können. „Allerdings ließ das damals zuständige Amt für Liegenschaften dies dann nicht zu“, kann der heutige Stabsfeldwebel d.R. noch anhand von Unterlagen belegen. Hilfe erhielt er aber von dem damaligen Revierförster Willi Ohm. Dieser erteilte ihm die Genehmigung, knapp 100 Meter vom Weg entfernt die geplante Gedenkstätte im Wald zu errichten. Einen passenden Stein aus dem damaligen Zementwerk in der Nähe von Dielmissen hatte der Reservist Heinzel mit Hilfe der Stadtoldendorfer Artilleristen an seinen endgültigen Bestimmungsort bringen können. Ein Hinweisschild am Wegesrand verweist heute auf den Weg dorthin. An der feierlichen Einweihung der Gedenkstätte am 10. September 1987 nahmen nicht nur örtliche Politiker und die nächsten Angehörigen der Verunglückten teil, sondern auch Abordnungen der Einheiten aus Mellrichstadt und Fritzlar.

Das Panzerartilleriebataillon 15 fühlte sich damals in der Verantwortung und übernahm die Patenschaft für die Gedenkstätte. Als Oberstleutnant Wehmeyer dann wenige Monate später erfuhr, dass Unbekannte den Gedenkstein umgestoßen und schwer beschädigt hatten, sagte Wehmeyer sofort die Hilfe der Bundeswehr zu. Und so wurde auch die Grünanlage um den Stein herum von den Soldaten damals wieder in Ordnung gebracht.

Im letzten Jahr stiftete die Witwe von Oberstleutnant Ernst-August Rust, Frau Erika Rust, am ehemaligen Bundeswehrstandort Mellrichstadt eine bronzene Erinnerungstafel für die im Dienst verstorbenen Soldaten des Panzergrenadierbataillons 352.  In alter Verbundenheit fuhr eine Abordnung der Reservistenkameradschaft Eschershausen nach Mellrichstadt und sorgte für einen dem Anlass entsprechenden Rahmen bei den Feierlichkeiten, an denen auch die Hinterbliebenen von Oberleutnant Drescher teilnahmen.

In diesem Jahr, am 23. September, wird an der 30 Jahre alten Gedenkstätte auf dem Ith, die zur Ruhe und Besinnung einladen soll, eine Gedenkfeier stattfinden, Dann erwartet die Reservistenkameradschaft Eschershausen auch Angehörige der Familien Drescher und Rust. Außerdem hat die Beauftragte Angelegenheiten für Hinterbliebene im Bundesministerium der Verteidigung,  Ministerialrätin Susanne Bruns, ihr Erscheinen zugesagt. (Reinhard Borchers)

Kontakt

Telefon: 05531/9304-0
E-Mail: info@tah.de

 

Öffnungszeiten
Montag bis Freitag:
8.00 bis 16.00 Uhr
Samstag:
8.00 bis 11.00 Uhr