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Mittwoch, 12. Mai 2021

Kein Grund zur Panik

NABU-Naturtipp: Wespen sind friedlicher als allgemein gedacht

Weserbergland (24.07.17). Wer draußen Obstkuchen, Saft und Eis genießt, lockt mit den süßen Speisen oft ungebetene Gäste an – zumeist Wespen. „Ob der Sommer früh oder spät in die Gänge kommt, ob er lang und sonnig wird oder womöglich erst im September so richtig beginnt – auf eines ist immer Verlass: Zu Kuchen oder Eis im Freien gesellen sich alle Jahre wieder die uneingeladenen Gäste,“ sagt Britta Raabe vom Naturschutzbund Deutschland (NABU). „Somit ist der Ärger vorprogrammiert – manche Menschen schlagen nach den hungrigen, gelb-schwarzen Fliegern, um sie zu vertreiben, pusten sie womöglich an und erzählen dann gern noch Gruselgeschichten.“

Denn nach wie vor halten viele Menschen Wespen, Hummeln und Hornissen für gefährlich. Die Liste der Vorurteile ist lang und Aufklärung nicht nur nach Ansicht des NABU daher dringend notwendig, denn kaum eine Tiergruppe ruft so heftige Reaktionen hervor wie diese unter dem wissenschaftlichen Begriff „Hautflügler“ zusammengefassten Insekten. „Die Tatsache, dass nur wenige Menschen mit der Lebensweise von Wespen oder Hornissen vertraut sind, hat zur Bildung von Mythen und Vorurteilen beigetragen“, erklärt die Leiterin der Regionalgeschäftsstelle, die sich mit viel Aufklärungsarbeit dafür einsetzt, Vorurteile abzubauen und solche Wissenslücken zu schließen. „Nur so“, führt sie aus, „lässt  sich ein friedliches Miteinander erreichen“. Denn die staatenbildenden Hautflügler sind unerlässlich für ein intaktes Ökosystem und dienen so letztendlich auch den Menschen, nehmen sie doch die überaus wichtige Aufgabe der natürlichen Insektenbekämpfung wahr.

Doch leider sind auch diese Tiere selbst bedroht: Der drastische Rückgang der Insektenpopulationen, der sich zunehmend besorgniserregend in den letzten Jahren abzeichnet, betrifft auch diese ungeliebten Nützlinge. Daher ist eine unterschiedslose Bekämpfung aller Wespenarten ökologisch unsinnig und stellt zudem einen Verstoß gegen die in Deutschland geltenden Naturschutzbestimmungen dar.

Speziell Hornissen, Hummeln, Mittelwespen sowie alle Wildbienen sind nach Paragraf 42 des Bundesnaturschutzgesetzes besonders geschützt – in solchen Fällen schicken die meisten Unteren Naturschutzbehörden einen speziell ausgebildeten Wespen- und Hornissenberater zu Personen, die staatenbildende Hautflügler als Untermieter beherbergen.

Nicht alle der acht „typischen“, sozialen Faltenwespenarten Mitteleuropas mögen Süßes oder Fettiges: Normalerweise sind alle Wespenarten zunächst hauptsächlich Jäger, die ihre Brut in Form von erbeuteten Insekten mit Eiweißnahrung füttern. So stehen Fliegen, Mücken, kleine Raupen und viele andere Insektenarten auf ihrer Speisekarte.

Die fertig entwickelten Vollinsekten dagegen benötigen Kohlenhydrate, die sie – je nach Art – gern aus Baumsäften, Blütennektaren oder vom Honigtau der Blattläuse gewinnen. Nur die „Deutsche Wespe“ sowie die „Gemeine Wespe“ kommen gern an unseren Tisch, um kohlenhydratreiches Futter aufzunehmen. „Besonders zum Ende des Lebenszyklus des Wespenstaates werden uns dann die Tiere lästig,“ weiß Raabe, die von Ende Juli bis in den September hinein besonders viele Anrufe von naturinteressierten Personen in der Regionalgeschäftsstelle Weserbergland entgegennimmt.

Die meisten Arten können schon anhand der Nesthülle zugeordnet werden: So nisten die sogenannten „Dunkelhöhlennister“ Gemeine und Deutsche Wespe gern in Erdhöhlen oder anderen dunklen Hohlräumen. Die Nester dieser beiden Kurzkopfwespenarten haben eine lebhafte, meist gräuliche Oberflächenstruktur.  

Alle anderen Arten werden als „Freinister“ bezeichnet und finden sich gern in Hecken, im Geäst von Bäumen oder in hellen bis halbdunklen oberirdischen Hohlräumen wie Dachböden, Vogelnistkästen und Gartenlauben ein. Manchmal findet man auch Nester an den Außenseiten von Häusern in Fensternischen oder frei hängend unter Dachvorsprüngen.  Diese Nesthüllen sind sehr glatt und erinnern oft an mehrschichtiges Zeitungspapier.

„Letztlich sollten besonders die gut sichtbaren Nester der frei nistenden Arten geschont werden, sind sie doch sehr selten geworden,“ betont Raabe. So musste die „Mittlere Wespe“ bereits 1984 in die Roten Listen der bedrohten Tier- und Pflanzenarten aufgenommen werden.

„Übrigens wissen viele Menschen nichts mehr über den Lebenszyklus der Tiere,“ sagt Raabe. „Der Verlust an Artenkenntnis ist oft erschreckend und macht ein Zusammenleben mit den Hautflüglern für viele Menschen daher nicht einfacher.“

Dabei zeigt der Jahreszyklus aller sozialen, das heißt staatenbildenden Faltenwespenarten einen sehr ähnlichen Verlauf: Alle Wespenstaaten werden im Frühling von einer überwinternden Königin gegründet, die zunächst völlig selbstständig eine kleine Wabe baut und in die ersten Wabenzellen Eier ablegt. Daraus schlüpfen die kleinen Larven, die circa zwei Wochen mit erbeutetem Muskelfleisch von Insekten gefüttert werden, bis sie sich am Ende des Larvenstadiums einspinnen und verpuppen. Nach ungefähr zwei weiteren Wochen schlüpfen die sogenannten Arbeiterinnen, also unfruchtbare Weibchen, die hauptsächlich jagen und als Ammen für die nächsten Generationen von Larven fungieren.

Sie sorgen nun für den Auf- und Ausbau des Nestes, während die Königin im Nest bleibt und ausschließlich Eier legt. Im fortschreitenden Jahr werden dann auch größere Wabenzellen gebaut, und die ersten Jungköniginnen wachsen heran.

Im Spätsommer und Herbst fliegen diese mit den Männchen zum Hochzeitsflug aus und kehren nicht wieder ins Nest zurück. Die Jungköniginnen überwintern allein an frostsicheren Plätzen und beginnen im nächsten Jahr wiederum ein eigenes Nest. Das Ursprungsnest wird nach und nach absterben und im nächsten Jahr nicht wieder belegt werden – gleichwohl suchen die neuen Königinnen nach demselben Schema wie die Altkönigin einen neuen, geeigneten Nistplatz.  

 

Wer noch mehr wissen möchte, kann sich gern an die NABU Regionalgeschäftsstelle Weserbergland wenden: Unter 05751/5237 oder www.nabu-weserberland.de/naturschutztipps/Insekten hält man viele Informationen und die neue Informationsbroschüre „Bienen, Wespen und Hornissen“ für Interessierte bereit.

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