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Dienstag, 18. Mai 2021

Wo der Pfeffer wächst

Besuch des Projektes „Rettet den Regenwald“ in Costa Rica

Holenberg (03.07.17). Die ehemaligen Forstleute  Manfred Seidel aus Holenberg und Uwe Stein aus Grimmerfeld bei Fredelsloh unterstützen seit Längerem das Projekt „Rettet den Regenwald“ in Costa Rica, das von dem Ehepaar Werner und Astrid Klar aus Wien betrieben wird. Zum Kennenlernen der örtlichen Gegebenheiten und der Menschen vor Ort sind sie jetzt für zwei Wochen nach Mittelamerika gereist.

Neben der Familie Klar betreiben mehrere Einzelpersonen aus Österreich und Deutschland sowie die Universität Wien mit der Tropenstation La Gamba Projekte zur Rettung und Wiederaufforstung des teilweise zerstörten Regenwaldes. Der Küstenstreifen im Süden von Costa Rica, Provinz Puntarenas am Pazifischen Ozean, war lange Zeit Hauptanbaugebiet von Bananen für Amerikaner.

Bedingt durch eine Krankheit, die inzwischen bekämpft werden konnte, gab es vor rund 40 Jahren politische Bestrebungen des kommunistischen Nicaragua, seinen Einfluss ins Nachbarland zu transferieren. Daraufhin stellten die Amerikaner sofort den Anbau der Bananen im Küstenstreifen entlang des Pan Amerika Highway, der weiter nach Panama führt, mit seiner guten Infrastruktur (Hafen Wohngebäude, Schulen, Geschäfte, Banken, Hotels) ein.  Tausende Bananen-Arbeiter waren von heute auf morgen arbeitslos. Die Regierung reagierte schnell, um Unruhen zu vermeiden, und schenkte den Arbeitern je 30 bis 40 Aker (rund 20 bis 30 Hektar) Regenwald zur freien Verfügung. Daraufhin begann eine beispiellose Abholzung des Regenwaldes mit allen seinen Folgen. Die ehemaligen Bananen-Plantagen wurden mit eintönigen kilometerlangen Palmöl-Plantagen und teilweise Teakholz-Plantagen ersetzt. Die Palmöl-Produktion ist ein wichtiger Devisenbringer in dem Land ohne wesentliche Industrie, wobei das Palmöl in Richtung Europa verbracht wird und dem Benzin E 10 beigemischt wird.

Die den ehemaligen Bananen-Arbeitern gehörenden Regenwaldflächen mit gigantischen Baumriesen und einem fast undurchdringlichen mehrschichtigen Bewuchs mit fast 200 Baumarten fielen nun der Motorsäge zum Opfer. Wobei die Bäume in dem unwegsamen Gelände an Ort und Stelle nach dem Fällen mit überdimensionalen Motorsägen der Marke Stihl in Abschnitte zersägt und zu Brettern verarbeitet wurden. Die Bretter wurden dann per Hand oder Pferd zu geeigneten Wegen getragen und zur weiteren Verwendung abtransportiert und verkauft.

Der durch Abholzung zerstörte Streifen  beträgt etwa sieben Kilometer und steigt vom Meeresspiegel bis auf eine Höhe von 750 Meter an. Der darüber hinaus bis zu ei ner Höhe von 1.500 Metern noch vorhandene Regenwald ist unwegsames, steil ansteigendes Gelände und vorsorglich von der Regierung unter Schutz gestellt. Bei einem Niederschlag von 4.000 bis 6.000 Millimeter in der Regenzeit fehlt durch die Abholzung der Tropenbäume und Zerstörung der Begleitflora die Schwammwirkung des Bodens, sodass der Regen sturzflutartig ins Tal fließt und nur noch minimal vom Boden gespeichert werden kann. Das führt zu Bodenerosion und Bodenabbrüchen mit kurzzeitigen Überschwemmungen. Der Sickerwasser-Speicher des intakten Regenwaldes beträgt weit über 100 Millimeter/pro Quadratmeter, der des abgeholzten Regenwaldes nur noch acht Millimeter im Jahr.

Das hat zur Folge, dass die vom Berg kommenden Flüsse in den abgeholzten Waldgebieten (Primärwald) nur noch periodisch reichlich Wasser in der Regenzeit führen und danach nur noch als Rinnsale vorhanden sind. Hier macht sich der durch Menschen verursachte Klimawandel mit auch uns bekannten Wetterveränderungen wie Starkregen und Trockenperioden bemerkbar.

Der Bauingenieur Werner Klar aus Wien bekam als Wasserbau-Spezialist von der SES Organisation (Senior Experten Service) den Auftrag, dort für die Tropenstation La Gamba der Uni Wien die Trinkwasserversorgung aufzubauen. Erschüttert von der Vernichtung des Regenwaldes, wollte er helfen, zumal seitens der Österreicher schon Waldflächen zur Wiederaufforstung aufgekauft wurden. So kaufte er mit seiner Frau vor zwölf Jahren rund 25 Hektar Fläche des zerstörten Regenwaldes und baute dort eine Finca mit dem Namen La Virgen in unwegsamem Gelände mit einer Schotterstraße, die jedem Fahrzeug das letzte abverlangt, Besucherhaus und Wärterhaus aus Holz mit Schindeldach. Für die Wasserversorgung wurde eine 80 Höhenmeter hohe Quelle nahe eines kleinen Bergflusses mit einem Rohrsystem für die Finca und sechs weitere Eingeborenen-Häuser gebaut. Daneben eine zweite Wasserleitung für eine einfache Wasser-Turbine. Es wird soviel Strom erzeugt, dass noch weitere Gebäude der Urbevölkerung erstmals neben Wasser auch Strom bekommen.

Daran beteiligte sich die Deutsche Botschaft in San Jose mit 4.000 Euro. Das sprach sich in der Umgebung sehr schnell herum, so dass mehrere Gemeinden baten, auch Wasser und Strom zu bekommen. So sind in den zwölf Jahren ihres Wirkens mehrere Dörfer mit Wasser und Strom versorgt worden. Für die Wiederaufforstung des zerstörten Regenwaldes werden Pflanzen in Gewächshäusern gezogen, bevor sie ausgepflanzt werden. Das geschieht mithilfe von Regenwurm-Kompost, der auf der Finca La Virgen erzeugt wird. Jeder kleinen Regenwald-Pflanze wird eine Starthilfe aus Regenwurm- Dünger beigegeben mit fast 100 Prozent Anwuchs-Erfolg.

Pro Monat wird eine Tonne Regenwurm-Dünger erzeugt und verkauft. Vom Erlös werden drei Mitarbeiter bezahlt. Ferner wird Pfeffer, ähnlich einer Zwischenfrucht für die Einkommensverbesserung der Mitarbeiter, zwischen den Regenwaldpflanzen angebaut und verkauft. Das Einkommen beträgt zwischen 300  und 500 Euro im Monat.

Wir beiden Forstleute konnten uns bei unserem 14-tägigen Aufenthalt von der Wiederaufforstung des Regenwaldes mit einer enormen Wuchsleistung durch das tropische Klima von bis zu 40 Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit von bis zu 80 Prozent informieren.

Leider sind das nur kleine Schritte. Deshalb wird um private Spenden gebeten, die direkt in das Projekt fließen. Ein nächster Schritt ist der Ankauf einer Nachbarparzelle von 40 Hektar.

Was bewegt Menschen, die ein geruhsames Leben als Rentner in Wien führen könnten, sich dieser Aufgabe zu stellen, dort Zeit und privates Geld zu investieren. Herr Klar hat mit seiner Frau bisher 19 Auslandseinsätze geleitet, spricht Spanisch, Portugiesisch und Englisch.

Jeden Tag konnten wir die auf der Finca wachsenden Bananen und andere tropische Früchte genießen, und vom Frühstücksplatz die vielfach vorkommenden  Vogelarten vom Tucan über Papageien und Kolibris bis zu 50 Arten Tangaren bewundern. Die Finca wird von den beiden frei herumlaufenden Hunden bewacht, die uns sofort als Hausgäste angenommen haben. Drei leichte Pferde spenden für den Kompost den Dünger, werden für Traglasten eingesetzt und beweiden die umliegenden Wiesen.

Neben der Tropenstation La Gamba besuchten wir ein Indianer-Reservat, badeten im Pazifischen Ozean bei Heradura, kamen vorbei an Cartago, besichtigten den tätigen Vulkan Irazu, überfuhren den höchsten Pass mit 3.600 Höhenmetern.

Um dann noch für eine Woche zu Verwandten nach Texas zu fliegen, um dann mit vielen Eindrücken und Mückenstichen die Heimreise anzutreten.

Wer das Projekt unterstützen möchte, kann sich unter www.fincalavirgencr.com informieren. (Manfred Seidel)

Kontakt

Telefon: 05531/9304-0
E-Mail: info@tah.de

 

Öffnungszeiten
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