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Montag, 01. März 2021

Verwaltung und Justiz im Schatten der Homburg

475 Jahre Amtshof Wickensen / Wandel vom Amt zum kulturellen Mittelpunkt

Wickensen (04.09.17). Wenn man heute Einwohner der Samtgemeinde Eschershausen- Stadtoldendorf danach befragt, wer in den vergangenen Jahrhunderten maßgeblich fĂŒr die Entwicklung der Orte in der Ithbörde verantwortlich war, hört man sehr hĂ€ufig die Namen der Edelherren von der Homburg. Und damit liegen die Befragten nicht falsch. Doch genauso prĂ€gend, wenn nicht gar mehr, waren die AmtmĂ€nner zu Wickensen. Über Jahrhunderte hinweg lenkten sie die Geschicke in der östlichen Ithbörde bis hin zu den Toren Hamelns. Ein guter Grund also, im 475. Jahr seines Bestehens, einen Blick auf die Geschichte des historischen Amtshofes in Wickensen zu werfen.

AnnĂ€hernd 300 Jahre bestimmten die Edelherren von der Homburg, dabei immer in Konkurrenz zu den Eversteiner Grafen, die politische und wirtschaftliche Entwicklung im Weserraum. Mit großer Zielstrebigkeit und Akribie verfolgten sie den Ausbau ihrer Herrschaft. Im Gegensatz zu den Eversteinern gelang es den Homburgern dabei, ein wohlgeordnetes, mittelalterliches Kleinterritorium mit einer ausgeprĂ€gten Ämterverfassung zu errichten, so der ehemalige Stadtarchivar Wilhelm Mundt in seinem Buch zur Raabestadt Eschershausen. Als die Edelherren der Homburg Ende des 12.Jahrhunderts auf Grund von Kin-derlosigkeit ausstarben und die Homburg an die Herzöge von Braunschweig fiel, nutzten diese die gut funktionierende politische und wirtschaftliche Ordnung und setzten einen Amtmann auf der Homburg ein. Die Arbeit von dort aus wurde jedoch immer mĂŒhsamer. Die Hohe Burg, wie die Homburg auch genannt wurde, hatte ihre militĂ€rische Bedeutung lĂ€ngst verloren und verfiel baulich immer mehr.

So entschieden sich die Herzöge von Braunschweig im Jahr1535 das Amt nach Wickensen zu verlegen. Herzog Heinrich der JĂŒngere schließlich war es, der 1542 das neue Amtshaus in Wickensen errichten ließ. Ein Großteil des damals verwendeten Baumaterials stammte dabei von der Homburg, die zwischenzeitlich noch weiter verfallen war. Der erste Amtmann, der seinen Dienst in Wickensen versah, war der adelige Wilken Klenke, der Bruder des Erbauers der HĂ€melschen Burg. Das ganze Areal in Wickensen, im Volksmund als Schloss bezeichnet, bestand bald aus mehreren GebĂ€uden, darunter auch einem GerichtsgebĂ€ude. Alles war von einem Wassergraben umgeben und konnte nur ĂŒber eine ZugbrĂŒcke und durch ein Torhaus betreten werden. Zahlreiche AmtmĂ€nner versahen in Laufe der Jahrzehnte dort ihren Dienst und nicht immer ging es dabei in ihrem Wirkungsbereich harmonisch zu. Immer wieder gab es auch Streitigkeiten, unter anderem mit der aufstrebenden BĂŒrgerschaft Eschershausens. Nichts desto trotz ist auch die positive Entwicklung Eschershausens untrennbar mit dem Wirken der AmtmĂ€nner in Wickensen verbunden. Des Weiteren entstammen dem Hause Wickensen nicht nur AmtmĂ€nner. Auch Pastoren versahen ihren Dienst in den Ortschaften des Amtsbereiches.

1552 wurde der Amtshof im Verlauf der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen dem Grafen Vollrad von Mansfeld und dem Herzogtum Braunschweig-WolfenbĂŒttel schwer verwĂŒstet. Damals gelang es, die SchĂ€den schnell zu beseitigen. Dennoch nagte der Zahn der Zeit an den GemĂ€uern, so dass 1785 eine vollstĂ€ndige Renovierung der GebĂ€ude erfolgen musste. Bereits 1814 wurde Wickensen dann zu einer landwirtschaftlichen DomĂ€ne, die von PĂ€chtern geleitet wurde. Da es auf dem Areal fortan keine staatlichen, administrativen Ämter mehr gab, wurden 1936 die baufĂ€llige Kornbrennerei und das JustizgebĂ€ude abgebrochen. Nachdem das Gut 1956 aufgesiedelt und die LĂ€ndereien verkauft wurden, erwarb Familie SchĂŒĂŸler im Jahr 1987 das Herrenhaus, den Park und den angrenzenden Wald. In unzĂ€hligen Arbeitsstunden und mit großer Hingabe wurde das gesamte Anwesen von Familie SchĂŒĂŸler aufwendig restauriert und unter Denkmalschutz gestellt. Somit bleibt der Nachwelt zumindest ein Teil des ehemaligen Amtshofes erhalten. Aktuell entwickelt sich das historische Amtshaus zu einem kulturellen Mittelpunkt in der Ithbörde. Seit Jahren organisiert Renate SchĂŒĂŸler, anfangs noch gemeinsam mit Maike Weiß, die Reihe der kleinen Wickenser Konzerte. Dort haben ausgezeichnete KĂŒnstler die Gelegenheit, ihre Werke prĂ€sentieren zu können. Auch der Michaelimarkt, der in den ehemaligen WirtschaftsgebĂ€uden stattfindet und nur hochwertigstes Kunsthandwerk bietet, liegt der Hausherrin sehr am Herzen. Und das Konzept geht auf. Alle Veranstaltungen sind bestens besucht. Und so hat das ehemals so mĂ€chtige Amt Wickensen seine neue Bestimmung gefunden. Vom Amtssitz zum kulturellen Mittelpunkt.  (JĂŒrgen Bommer)

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