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Dienstag, 18. Mai 2021

Verwaltung und Justiz im Schatten der Homburg

475 Jahre Amtshof Wickensen / Wandel vom Amt zum kulturellen Mittelpunkt

Wickensen (04.09.17). Wenn man heute Einwohner der Samtgemeinde Eschershausen- Stadtoldendorf danach befragt, wer in den vergangenen Jahrhunderten maßgeblich für die Entwicklung der Orte in der Ithbörde verantwortlich war, hört man sehr häufig die Namen der Edelherren von der Homburg. Und damit liegen die Befragten nicht falsch. Doch genauso prägend, wenn nicht gar mehr, waren die Amtmänner zu Wickensen. Über Jahrhunderte hinweg lenkten sie die Geschicke in der östlichen Ithbörde bis hin zu den Toren Hamelns. Ein guter Grund also, im 475. Jahr seines Bestehens, einen Blick auf die Geschichte des historischen Amtshofes in Wickensen zu werfen.

Annähernd 300 Jahre bestimmten die Edelherren von der Homburg, dabei immer in Konkurrenz zu den Eversteiner Grafen, die politische und wirtschaftliche Entwicklung im Weserraum. Mit großer Zielstrebigkeit und Akribie verfolgten sie den Ausbau ihrer Herrschaft. Im Gegensatz zu den Eversteinern gelang es den Homburgern dabei, ein wohlgeordnetes, mittelalterliches Kleinterritorium mit einer ausgeprägten Ämterverfassung zu errichten, so der ehemalige Stadtarchivar Wilhelm Mundt in seinem Buch zur Raabestadt Eschershausen. Als die Edelherren der Homburg Ende des 12.Jahrhunderts auf Grund von Kin-derlosigkeit ausstarben und die Homburg an die Herzöge von Braunschweig fiel, nutzten diese die gut funktionierende politische und wirtschaftliche Ordnung und setzten einen Amtmann auf der Homburg ein. Die Arbeit von dort aus wurde jedoch immer mühsamer. Die Hohe Burg, wie die Homburg auch genannt wurde, hatte ihre militärische Bedeutung längst verloren und verfiel baulich immer mehr.

So entschieden sich die Herzöge von Braunschweig im Jahr1535 das Amt nach Wickensen zu verlegen. Herzog Heinrich der Jüngere schließlich war es, der 1542 das neue Amtshaus in Wickensen errichten ließ. Ein Großteil des damals verwendeten Baumaterials stammte dabei von der Homburg, die zwischenzeitlich noch weiter verfallen war. Der erste Amtmann, der seinen Dienst in Wickensen versah, war der adelige Wilken Klenke, der Bruder des Erbauers der Hämelschen Burg. Das ganze Areal in Wickensen, im Volksmund als Schloss bezeichnet, bestand bald aus mehreren Gebäuden, darunter auch einem Gerichtsgebäude. Alles war von einem Wassergraben umgeben und konnte nur über eine Zugbrücke und durch ein Torhaus betreten werden. Zahlreiche Amtmänner versahen in Laufe der Jahrzehnte dort ihren Dienst und nicht immer ging es dabei in ihrem Wirkungsbereich harmonisch zu. Immer wieder gab es auch Streitigkeiten, unter anderem mit der aufstrebenden Bürgerschaft Eschershausens. Nichts desto trotz ist auch die positive Entwicklung Eschershausens untrennbar mit dem Wirken der Amtmänner in Wickensen verbunden. Des Weiteren entstammen dem Hause Wickensen nicht nur Amtmänner. Auch Pastoren versahen ihren Dienst in den Ortschaften des Amtsbereiches.

1552 wurde der Amtshof im Verlauf der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen dem Grafen Vollrad von Mansfeld und dem Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel schwer verwüstet. Damals gelang es, die Schäden schnell zu beseitigen. Dennoch nagte der Zahn der Zeit an den Gemäuern, so dass 1785 eine vollständige Renovierung der Gebäude erfolgen musste. Bereits 1814 wurde Wickensen dann zu einer landwirtschaftlichen Domäne, die von Pächtern geleitet wurde. Da es auf dem Areal fortan keine staatlichen, administrativen Ämter mehr gab, wurden 1936 die baufällige Kornbrennerei und das Justizgebäude abgebrochen. Nachdem das Gut 1956 aufgesiedelt und die Ländereien verkauft wurden, erwarb Familie Schüßler im Jahr 1987 das Herrenhaus, den Park und den angrenzenden Wald. In unzähligen Arbeitsstunden und mit großer Hingabe wurde das gesamte Anwesen von Familie Schüßler aufwendig restauriert und unter Denkmalschutz gestellt. Somit bleibt der Nachwelt zumindest ein Teil des ehemaligen Amtshofes erhalten. Aktuell entwickelt sich das historische Amtshaus zu einem kulturellen Mittelpunkt in der Ithbörde. Seit Jahren organisiert Renate Schüßler, anfangs noch gemeinsam mit Maike Weiß, die Reihe der kleinen Wickenser Konzerte. Dort haben ausgezeichnete Künstler die Gelegenheit, ihre Werke präsentieren zu können. Auch der Michaelimarkt, der in den ehemaligen Wirtschaftsgebäuden stattfindet und nur hochwertigstes Kunsthandwerk bietet, liegt der Hausherrin sehr am Herzen. Und das Konzept geht auf. Alle Veranstaltungen sind bestens besucht. Und so hat das ehemals so mächtige Amt Wickensen seine neue Bestimmung gefunden. Vom Amtssitz zum kulturellen Mittelpunkt.  (Jürgen Bommer)

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