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Freitag, 23. April 2021

Outdoorprofi oder Pflegefall?

Weserbergland (13.11.2017). Wie jeden Herbst klingelt beim Naturschutzbund das Telefon noch öfter als sonst: „Viele Anrufer sind besorgt“, berichtet Britta Raabe aus der NABU-Regionalgeschäftsstelle Weserbergland, „sie haben Igel gefunden, die untergewichtig oder krank scheinen“. Viele dieser Tiere haben aber schlichtweg ein banales und dennoch lebensbedrohliches Problem, denn sie finden keinen igelgerechten Unterschlupf. „Im Hinblick auf Igel herrscht in weiten Teilen der Bevölkerung eine gut gemeinte, aber letzten Endes doch gefährliche Einsammelmentalität und Vermenschlichung“, sagt die Naturschützerin.

„Selbst in der Zeit, in welcher der Igel ausreichend Nahrung findet, wird so manches Tier eingesammelt und ins Haus genommen – was zu seinem Tod führen kann. Und was übrigens auch gegen Naturschutzrecht verstößt, denn nur verletzte oder kranke Wildtiere dürfen ausnahmsweise und auch nur bis zu ihrer Genesung in Obhut genommen werden“, berichtet Raabe weiter und führt aus: „Wenn es um seinen konkreten Schutz geht, zeigen sich viele Igelinteressierte leider uninformiert“. Das gilt sowohl für seine Lebensraumansprüche als auch für sein Winterquartier.

Denn so mancher Igelfreund gestaltet seinen Garten völlig igelfeindlich, mit nagelscherenkurzem Rasen und immergrünen Exoten, so dass der Stachelritter keine Nahrung findet, und zusätzlich ohne jeden Unterschlupf für die Igelmutter und ihre Jungen – und eben auch ohne Winterquartier. Wer Igel fit für den Winter machen will, sollte daher seinen Garten fit für Igel machen, denn naturnahe Gärten sind für die stacheligen Tiere wichtige Lebensräume. Das ideale Winterquartier besteht aus einem Haufen aus totem Holz, Reisig und Laub. Wer Tieren einen dauerhaften Platz bieten möchte, kann den Reisighaufen mit einer Basis aus Feldsteinen versehen.

Ab Oktober wird das Nahrungsangebot für Igel deutlich knapper; die Alttiere beginnen ihr Winternest zu bauen und Jungigel versuchen noch weiter an Gewicht zuzulegen. Ihre Winterquartiere suchen die Igel bei anhaltenden Bodentemperaturen um null Grad auf. Schutz gegen Kälte finden sie in Erdmulden, unter Hecken oder eben in Totholzhaufen. Neben einer naturnahen Gestaltung des Gartens ist es eine leicht zu bauende „Igelburg“, die dem stacheligen Säugetier enorm helfen würde – in ihr können kleine Igel ungefährdet das Licht der Welt erblicken und die Tiere den Winter gut überstehen. Dieses Winterquartier sollte an einem trockenen Platz – jedoch nie in einer Senke – aufgestellt und mit Reisig und Laub überdeckt werden. Die Igel werden selbst Halme und Laub hineinschieben, um die Igelburg auszukleiden. Wenn sie richtig gebaut wird, können Katzen nicht hineingelangen und den Igel verletzten, in seiner Ruhe stören oder gar töten.

Der Igelbestand in Deutschland scheint, wie in weiten Teilen Europas, stark rückläufig zu sein – auch aufgrund der Ausräumung der Landschaft und des Flächenverbrauchs, der auch innerorts immer mehr naturnahe Flächen „frisst“.

Außerdem kommen Problemstellen und andere, oft tödliche Fallen für den Igel hinzu. Sei es der nicht abgedeckte Lüftungsschacht, die freie Kellertreppe, der offene Bordsteingully oder der Kunstteich mit seinen steilen Kanten und fehlendem Ausstiegsbrett – „all dies sind Todesfallen für Igel, sie haben keine Chance zu entkommen und verenden elendig“, berichtet Raabe. Neuerdings sind Zäune in Mode gekommen, die so dicht sind, dass Igel keine Chance haben, hindurch zu schlüpfen – so wird ihr Lebensraum zusätzlich verringert.

Besonders fatal sind allerdings naturferne Gärten, in denen lediglich exotische Grüngewächse wachsen, aber heimische Sträucher, Stauden oder Wildpflanzen fehlen. Hier regiert für den Igel „Schmalhans Küchenmeister“, denn Nahrung finden sie hier nicht.

Und dort gibt es auch keine Chance, kleine Igel zur Welt zu bringen oder gar den Winter zu überstehen. „Deshalb sollte jetzt nicht gezögert werden, rechtzeitig vor Beginn der kalten Jahreszeit eine Igelburg zu bauen“, ruft die Naturschützerin auf. Ein Igelheim sollte in keinem Garten fehlen, denn der Igel bedarf der Unterstützung. „Wir hoffen, das noch vor dem Winter viele solcher Igelunterkünfte angelegt oder gebaut werden“ sagt Raabe, die in der NABU-Regionalgeschäftsstelle Weserbergland entsprechende Baupläne – auch zum Versand – bereit hält und außerdem extra viele Tipps und Tricks zum Thema auf der neuen Website www.nabu-weserbergland.de/naturschutztipps/igel  eingestellt hat. 

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