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Dienstag, 18. Mai 2021

Projektarbeit und Surfen in Jeffrey’s Bay

Eine junge Holzmindenerin berichtet aus ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr in Südafrika

Holzminden/Jeffrey's Bay (27.12.17). Liebe Familie, Freunde und Sponsoren, liebe Leser, hiermit melde ich mich nach etwas über drei Monaten aus dem sommerlichen Jeffrey’s Bay in Südafrika. Jeffrey’s Bay ist ein Ort am Indischen Ozean mit circa 40.000 Einwohnern. Die Stadt ist vor allem dafür bekannt, Surferhotspot zu sein, generell ist sie sehr jung und alternativ. Ich habe mich hier sehr gut eingelebt und fühle mich rundum wohl. Ich absolviere hier mein Freiwilliges Soziales Jahr über die Organisation „weltwärts“. Wir werden in verschiedenen Projekten eingesetzt.

Mit meinen drei Mitbewohnern Isabel, Philipp und Jasper teile ich eine kleine Wohnung in einer Gated Area namens Marina Martinique, man läuft ungefähr 30 Sekunden zum Strand. Um zur Arbeit zu gelangen, durchfahren wir täglich das Township namens Tokyo Sexwale (benannt nach einem südafrikanischen Politiker). Im Township leben die Menschen in sehr ärmlichen Verhältnissen, größtenteils handelt es sich um eine enge Aneinanderreihung von kleinen Wellblechhütten. Zunächst waren die freilaufenden Hunde, Schweine, Kühe und Ziegen und der viele Müll gewöhnungsbedürftig. Die offensichtliche Armut macht mir manchmal zu schaffen. Die Kriminalität im Township ist sehr hoch, weswegen wir lediglich mit dem Auto und verschlossenen Fenstern und Türen hindurch fahren. Meine Mitbewohner Isabel und Phi-lipp arbeiten an der Pellsrus Primary School, einer Grundschule in Jeffrey’s Bay, die die meisten der Kinder des Townships besuchen.

Täglich fahre ich mit meinem Projektpartner Jasper mit dem Projektauto in den Nachbarort Humansdorp. Dort arbeiten wir an der St. Patrick’s Primary School, einer Grundschule im Township. Jasper und ich gestalten dort Sportstunden, die es ohne die Freiwilligenarbeit an dieser Schule nicht geben würde. Am Nachmittag bieten Jasper und ich Fußballtraining für Mädchen und Jungen an, außerdem Leichtathletik.

Die Arbeit bereitet mir großen Spaß. Besonders zu Beginn war die Arbeit mit den Kindern der Klassenstufen 1-7 sehr herausfordernd. Die Kinder kommen aus teils sehr schwierigen Verhältnissen und zum Beispiel Krankheiten wie ADHS bleiben unbehandelt. Leichte geistige oder körperliche Behinderung sehen wir ebenfalls relativ häufig. Hinzu kommt die Sprachbarriere, die mir aber aufgrund von Fortschritten im Sprechen und Verstehen von Afrikaans immer weniger im Weg steht. Durch den oft sehr ungesunden Lebensstil sind viele der Kinder übergewichtig und unsportlich. An der St. Patrick’s wird auf Afrikaans unterrichtet, viele der Kinder sprechen untereinander jedoch Xhosa. Schnell haben wir uns auf die Kinder einstellen können, und die Sportstunden laufen mittlerweile sehr gut. Den Großteil der Kinder habe ich schnell ins Herz geschlossen. Auch das Lehrerkollegium hat uns mit offenen Armen empfangen, und zu einigen Lehrern sind Freundschaften entstanden.

Jasper und ich haben bereits einige Projekte realisieren können. So haben wir aus Holz und einem Netz zwei Fußballtore für die Schule gebaut und ein Fußballturnier mit Transport und Verpflegung an der Pellsrus Primary School organisiert, das den Kindern großen Spaß bereitet hat. Momentan arbeiten wir außerdem an einem Schulgarten. Die Schule hat uns dafür ein großzügiges Areal zur Verfügung gestellt. Schüler und Lehrer ernähren sich sehr ungesund, zum Frühstück gibt es nicht selten Chips oder Süßigkeiten, welche an der Schule in der Pause gegen wenig Geld verkauft werden. Ein Ziel des Schulgartenprojektes ist es somit, das Bewusstsein der Kinder für gesunde Ernährung zu schärfen. Wir werden im Garten Gemüse anpflanzen und haben bereits einen Kompost aus Palmenästen gebaut. Zudem werden wir eine Regenrinne anbringen und zielen damit auch auf den Nachhaltigkeitsgedanken ab. Wir werden das Gemüse mit den Kindern ernten und kochen, wenn es soweit ist.

Am Donnerstagnachmittag geht es mit meinen drei Mitfreiwilligen in die nahe gelegene Farmer Community Mondplaas. Dort treffen wir uns mit Kindern im Alter von 3 bis 18 und treiben mit ihnen Sport, spielen, malen oder basteln. Grundsätzlich beschäftigen wir uns einfach mit ihnen und sorgen für etwas Abwechslung und Spaß. Meine Kleidungsstücke- und Spielsachenspenden habe ich dorthin gebracht. Die Kinder stammen ebenfalls aus sehr ärmlichen Verhältnissen. Ich mag dieses Projekt sehr gern. Die Kinder freuen sich über unser Kommen und warten darauf den gesamten Donnerstag. Im Januar machen wir mit ihnen einen Ausflug zu einem Fluss, um dort zu grillen. Ins Leben gerufen wurde dieses Projekt von einem Community Developer, der die dort lebenden Familien unterstützt.

An den freien Nachmittagen arbeiten wir zudem im Joshua Project. Dieses Projekt wurde ebenfalls von dem oben genannten Community Developer gegründet. Hierbei handelt es sich um eine Tageseinrichtung für Straßenkinder. Die Kinder im Alter von fünf bis 18 bekommen hier eine warme Mahlzeit, Kleidung und können duschen. Es handelt sich um Kinder, die nicht in die Schule gehen können, viele von ihnen sind geistig eingeschränkt. Sie bekommen vormittags dort Unterricht. Ziel ist es, ihnen einen Weg in ein geregeltes Leben zu zeigen. Außerdem soll ihnen ein Ort geboten werden, an dem sie willkommen sind und man sich um sie kümmert. Wir beschäftigen uns dort mit den Kindern, bieten Sportaktivitäten an, helfen in der Küche und wo wir gebraucht werden. Ein wirklich tolles Projekt, welches hoffentlich ins „weltwärts“-Programm integriert wird, damit auch zukünftige Freiwilligengenerationen ein Teil davon sein können.

Die Arbeit hier in Jeffrey’s Bay lastet mich aus und erscheint mir sehr sinnvoll. Ich möchte mich ganz herzlich bei allen Spendern und meiner Familie bedanken, die mir dies und alle Projekte bis jetzt ermöglicht haben. Selbstverständlich werde ich weiterhin motiviert arbeiten und hoffentlich noch einiges auf die Beine stellen können.

Das Leben hier gefällt mir sehr gut, ich habe bereits viele nette Menschen kennengelernt und werde stetig besser im Surfen. Besonders gefällt mir hier die Offenheit der Menschen. Ich mag es, dass sich alle grüßen und Smalltalk mit der Supermarkt-Kassiererin normal ist, egal wie lang die Schlange ist. Nächste Woche geht es in den Urlaub in die Drakensberge!

Ganz herzliche Grüße aus Südafrika, Paula.  (Paula Lange)

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