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Donnerstag, 17. Juni 2021

Warm, nass und nur wenig Sonnenschein

Das Wetter im Jahr 2017: Ab Jahresmitte dominieren Wolken mit viel Regen / Nur fünf wärmere Jahre seit Messbeginn

Kreis Holzminden (15.01.18). Mit einer Mitteltemperatur von 10,2 Grad Celcius landete das Jahr 2017 an der DWD-Station in Bevern exakt auf dem Niveau des Vorjahres und schloss damit um 0,8 Grad wärmer ab als im Mittel der Jahre 1981 bis 2010. Zum ersten Mal in der Messreihe Bevern/Holzminden ab 1934 gab es damit vier Jahre in Folge oberhalb der Zehn-Grad-Marke. Aufgrund eines markanten Anstiegs der Niederschläge ab Mitte Juni wurde mit 935,5 Millimetern erstmals seit 2007 wieder der Klimamittelwert von 840 Millimetern überschritten, während außergewöhnliche Trübnis ab September für eine defizitäre Sonnenscheinbilanz von nur 1.310 Stunden sorgte. Das waren nicht nur zehn Prozent unterhalb des 30-Jahres-Mittels, sondern auch über 200 Stunden (!) weniger als noch 2016.

An der privaten Station in Silberborn lag die Jahrestemperatur mit 8,2 Grad Celsius ebenfalls 0,8 Grad über dem dortigen 30-Jahres-Mittel und mit 1.151 Millimetern fiel etwas mehr Niederschlag (2,8 Prozent) als im Durchschnitt von 1981 bis 2010. Das Minus beim Sonnenschein bewegt sich in vergleichbarer Größenordnung wie im Wesertal, für beide Standorte wurden die Werte aus den umliegenden Hauptamt-Stationen des DWD interpoliert.

Dabei hatte das Jahr noch ganz anders begonnen: Recht trocken, kalt und sehr sonnig präsentierte sich der Januar, der mit einer Mitteltemperatur von minus 1,0 Grad in Bevern der kälteste Wintermonat seit Februar 2012 war. Die tiefsten Temperaturen des Jahres wurden am Morgen des 6. Januar gemessen, auf zwei Metern über Grund sanken die Werte auf minus 10,3 Grad in Bevern und auf minus 14,8 Grad im Silberborner Kurgarten. Dort auf 428 Metern Höhe konnte sich ab dem 2. Januar eine Schneedecke ausbilden, die zur Monatsmitte auf stattliche 35 Zentimeter anwuchs und erst Mitte Februar nach 47 Tagen komplett getaut war, während in Bevern nur an sieben Tagen morgens dünner Schnee gemeldet wurde, der nicht über eine Höhe von zwei Zentimetern hinauskam.

 Mehr Schnee gab es an den drei jeweils etwas unter 300 Meter gelegenen Niederschlagsstationen des DWD in der Nordhälfte des Kreises in Polle, Ottenstein und Eimen-Vorwohle, wo sich jeweils ab 13. Januar eine Schneedecke gebildet hatte. Ursache für die höchst unterschiedliche Schneebilanz im Kreis waren die ergiebigen Niederschläge am zweiten Januarwochenende, die im Tal als Regen und Schneeregen fielen, mit zunehmender Höhe in Schnee übergingen und dort aufgrund der nachfolgend kalten Witterung für eine weiße Winterlandschaft ab etwa 250 Metern Höhe sorgten, die sich bis in die ersten Februartage halten konnte.

Der Februar brachte bereits ab Monatsmitte häufig zweistellige Höchstwerte und eine im Verlauf stürmische Westlage, bei der die Böen von Tief „Thomas“ am 23. und 24. Spitzenwerte von knapp 100 km/h erreichten. Die für die Jahreszeit deutlich zu warme Witterung konnte sich rund acht Wochen lang bis zum Ende der ersten Aprildekade halten und sorgte für ein frühes Erwachen der Natur sowie den zweitwärmsten März in der Region seit Messbeginn 1934, an dessen Ende die Tageshöchstwerte in Bevern mehrfach über die 20-Grad-Marke anstiegen. Die Quittung präsentierte der April mit einer Umstellung auf nördliche Wetterlagen ab der zweiten Dekade: Späte Fröste setzten der ungewöhnlich weit fortgeschrittenen Natur in den Niederungen vor allem in der Nacht zum 20. stark zu, wobei die Schäden bei uns nicht so eklatant ausfielen wie im Südwesten der Republik, wo die Frostschäden an den Obstblüten gebietsweise zu einem kompletten Ausfall der Ernte führten.

Dieser unterkühlte Witterungsabschnitt dauerte noch bis zum Ende der ersten Maidekade, bevor das Pendel mit einer rund sechs Wochen andauernden deutlich überdurchschnittlich warmen Phase wieder zur anderen Seite ausschlug. Nun dominierten häufig Südwestlagen, so dass es nach Monatsmitte die ersten freibadtauglichen Tage gab und am 17. in Bevern der erste offizielle Sommertag und am 29. mit 32,0 Grad der erste heiße Tag des Jahres gemessen wurde, den Silberborn mit 29,6 Grad nur knapp verfehlte. Noch wärmer war es im Mai an beiden Orten bisher nur einmal am 28. Mai 2005. Wie schon der vorausgegangene Winter fiel auch das meteorologische Frühjahr deutlich zu trocken aus, doch sollte die Trendwende beim Regen nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Auch der Juni zeigte sich in den ersten drei Wochen sehr warm, sonnig und zunächst auch noch trocken, bevor am Abend des 15. über 32 Millimeter Regen in nur zwei Stunden an der Beveraner Station vom Himmel pladderten – ein Bild, an das man sich in den kommenden Wochen gewöhnen musste. Zwar drehte der Frühsommer in der dritten Juniwoche erst einmal richtig auf und ließ die Temperaturen am 22. in Bevern und Silberborn auf die Jahreshöchstwerte von 33,8 beziehungsweise 30,6 Grad steigen, doch mit der anschließenden Kaltfront schaltete der noch junge Sommer gleich mehrere Gänge hinunter, so dass der Höhepunkt schon zu Ferienbeginn überschritten war und sich ein zwar noch recht warmer, aber sehr unbeständiger, extrem nasser und sonnenscheinarmer Hochsommer anschloss, der nur noch einen heißen Tag am 19. Juli brachte, so dass die Anzahl von Hitzetagen 2017 mit lediglich vier klar unterdurchschnittlich blieb, während die Anzahl der Sommertage mit 37 im Rahmen des langjährigen Mittels landete.

„Der Rest war nicht mehr zu gebrauchen“

Etwas zugespitzt kann man die Bilanz des Sommers rückblickend auf die Gewitter am Abend des 22. Juni frei nach Wilhelm Busch ziehen: Dort sah man seine Trümmer rauchen, der Rest war nicht mehr zu gebrauchen – jedenfalls für alle, die auf eine längere Schönwetterphase gehofft hatten. Die Einsatzkräfte im Kreis hingegen bekamen in den folgenden Wochen jede Menge zu tun, über die Regenkapriolen im Juli hatten wir seinerzeit ausführlich berichtet, daher sollen hier nur noch einmal die wichtigsten Ereignisse genannt werden: Am Mittag des 10. Juli setzte ein Wolkenbruch mit bis zu 35 mm innerhalb einer Stunde Teile des Gewerbegebietes Bülte inklusive des Kaufland-Marktes unter Wasser und am 24. und 25. Juli schüttete Tief „Alfred“ Rekordregenmengen über dem Kreis aus, die zu neuen Monatsrekorden an den Stationen Bevern (209,9 mm) und Vorwohle (248,8 mm) führten. Und damit nicht genug: Am 10. und 11. August folgte nochmaliger Dauerregen, bei dem die Mengen zwar nicht mehr so hoch ausfielen, am Ende stand jedoch der zweitnasseste Sommer in der Region nach 1956.

Zwar brachte die zweite Augusthälfte mit einigen heiteren und trockenen Tagen noch einen recht versöhnlichen Abschluss des Sommers, eine Verlängerung bis weit in den September hinein blieb anders als noch 2016 aber aus, im Gegenteil: Wie schon 2015 hatte es der Herbst sehr eilig und dominierte weite Teile der Septemberwitterung. So fiel der erste Herbstmonat recht kühl und vor allem deutlich zu trüb aus, der Oktober war dann warm und bis auf eine kurze heitere Phase zur Monatsmitte ebenfalls sonnenscheinarm, bevor November und Dezember jeweils zu den trübsten Monaten seit Messbeginn zählten und ein außergewöhnlich tristes zweites Halbjahr, in dem es zudem genauso viel regnete wie im gesamten Jahr 2016, abrundeten.

Der insgesamt milde Dezember brachte den höher gelegenen Ortschaften im Kreis mehrere Schneedeckentage, in den Tieflagen reichte es hingegen nur zu Wintergastspielen von ein paar Stunden an den ersten beiden Adventssonntagen.

Außergewöhnlich niedrig war die Anzahl von nur fünf Frosttagen im zweiten Halbjahr in Bevern, damit wurde der historische Tiefstwert der Reihe aus dem Jahr 1974 eingestellt. Das Wetterjahr 2017 endete schließlich mit neuen Temperaturrekorden zu Silvester.

In der bundesweiten Jahresauswertung sticht hervor, dass abgesehen vom Kahlen Asten, dem Brocken und Braunlage keine DWD-Station noch weniger Sonnenschein registrierte als die beiden uns nächstgelegenen Standorte in Lügde und Alfeld. Damit war die Region Ostwestfalen/Weserbergland/Leinetal der trübste tiefer gelegene Landstrich Deutschlands im Jahr 2017. (Jürgen Höneke)

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