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Dienstag, 18. Mai 2021

Die Omnibusgeschichte in der Stadt Holzminden

Kreisarchivar Hermann Ahrens referierte vor den Alten Holzmindenern

Holzminden (20.08.18). „Ich wusste gar nicht, dass Omnibusse so interessant sein können.“ Mit diesen Worten dankte Ditmar Fischer dem Vortragenden am Schluss der Veranstaltung. Kreisarchivar Hermann Ahrens sprach in der Vortragsreihe der Alten Holzmindener über die Omnibusgeschichte in der Stadt Holzminden.

98 Jahre sind vergangen, seit das erste Postauto den regelmäßigen Liniendienst zwischen Holzminden und Bodenwerder aufgenommen hat.   Vorher (1893) wurde ein pferdebespannter Bus zwischen Holzminden und Golmbach eingerichtet, mit zwei Stunden Fahrzeit. Zwischen 1900 und 1920 konnten Personen in der Postkutsche zwischen Holzminden, Bevern und Forst und Polle mitfahren. Im Jahre 1927 wurde die KVG-Betriebsstelle Holzminden mit einer Omnibuslinie nach Neuhaus eingerichtet (Linie 57). Es folgte 1929 die Linie 56 von Stadtoldendorf nach Brunkensen, und im Jahre 1930 kam noch die Verbindung Höxter-Neuhaus (Linie 58) hinzu. Die Omnibusse waren an der Fürstenberger Straße in Holzminden abgestellt, auf einem Gelände, auf dem heute das Autohaus Engin steht.

In den Jahren des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg meldeten viele Privatunternehmer und vor allen die Post Ansprüche auf Verkehrslinien der KVG an. Die KVG zog sich aus Holzminden zurück und übergab ihre Linien an die Post und an ein Privatunternehmen.

Die Bundesregierung entschloss sich 1980, Busdienste des Bundes in einem Konzern mit 18 regionalen Gesellschaften zusammenzuführen und somit ein öffentlich-rechtliches Kontrastmodell zu erproben. Nach Gründung der GBB (Geschäftsbereich Bahnbus Braunschweig) wurde am 1. Dezember 1982 die Betriebsstelle Holzminden neu gegründet und damit die Selbstständigkeit im Busbereich zurückerlangt. Die Schiene wurde „mit Mann und Maus“ nach Altenbeken verlagert.

Am 1. Oktober 1983 war es dann soweit: Die längst fällige Zuordnung der Postbusse zur Bahn wurde vollzogen. Insgesamt wurden 20 Busse an die an die GBB Außenstelle Holzminden abgegeben Das Postkennzeichen „BP“ wurde gegen „DB“ ausgetauscht. Hermann Ahrens: „Morgens fuhren die Busse noch bei der Post vom Hof und am Abend kehrten sie auf den Betriebshof der Bahnbus-Betriebsstelle Holzminden zurück. In der Nacht wurden die alten Postkennzeichen gegen die der GBB DB gewechselt, neue Drucker aufgebaut, die Post-Fahrer neu eingewiesen, Wechselgeld und andere Unterlagen zum Dienstgebrauch wurden ausgegeben. Und am anderen Morgen ging es für diese Kollegen unter neuer Flagge wieder weiter.“ Durch die Zusammenlegung der beiden Unternehmen war eine Betriebsstelle mit 23 Bussen entstanden. Am 1. November 1989 erfolgte schließlich die Überleitung des GBB in die Regional-Bus-Braunschweig (RBB).

Im Jahr 2000 wurde vom Rat  die Einführung des Stadtbusses beschlossen und im November in Betrieb genommen.

Private Unternehmen

Oskar Belser gründete vor dem Zweiten Weltkrieg sein Unternehmen. Wahrscheinlich ist sein Omnibusbetrieb aus einer Reparaturwerkstatt für Autos und Motorräder hervorgegangen. Ein Omnibus gehörte bereits in dieser Zeit zum Fahrzeugbestand, vertraut man dem alten Kopfbögen der Firma. 1946 richtete Belser eine eigene Linie von Holzminden über Rühle nach Bodenwerder ein. Diese Linienverbindung wurde Anfang der 50er Jahre von der Post übernommen. Fortan beschränkte sich Belser auf den Gelegenheitsverkehr.

1946 bekam Karl Bohn, aus Pommern vertriebener und in Holzminden neu startender Busunternehmer, die Konzession für die Einrichtung der Linie Holzminden-Eschershausen-Godenau. Die beantragte Konzession für einen Stadtverkehr in Holzminden wurde 1951 abgelehnt. Karl Bohns Omnibusse liefen in den 50er Jahren unter dem Logo „Reisedienst Weserbergland“. Mitte der 60er Jahre setzte mit der Automobilisierung eine starke Zunahme des Individualverkehrs ein, der private Omnibusverkehr wurde immer unwirtschaftlicher. Familie Bohn sah keine Perspektive mehr und gab den Omnibusbetrieb 1970 auf.

1964 eröffnete Willi Ostermann einen Omnibusbetrieb. Ihm gelang es damit, in Holzminden die Lücke zu schließen, die der Konkurs des Omnibusbetriebes Belser geöffnet hatte. Kurz danach fuhr Ostermann schon im Auftrag der Post. Ende 1965 waren bereits drei Fahrzeuge für Ostermann unterwegs, 1972 sechs. 1973 wurde eine Fahrzeughalle mit vier Stellplätzen und angrenzendem Büro errichtet. Zwischen 1976 und 1980 wurde der Fuhrpark von neun auf dreizehn Fahrzeuge erweitert, 1991 ein neuer Betriebshof an der Nordstraße bezogen. 1996 war Ostermann mit 16 Omnibussen das größte private Omnibusunternehmen im Landkreis Holzminden.

Karl-Heinz Bohn, Sohn des Firmeninhabers Karl Bohn, bedankte sich bei Hermann Ahrens für den sehr guten Vortrag und für die Aufarbeitung dieses Themas. Und Ditmar Fischer überreichte ihm als Dankeschön zwei von ihm gestaltete Erinnerungsblätter, „125 Jahre Bahnhof Holzminden“ und „60 Jahre Bundeswehr in Holzminden“.

Das nächste Treffen der Alten Holzmindener ist am Mittwoch, 10. Oktober, um 14 Uhr im Gemeindesaal der Michaeliskirche. Dann wird der Traditionsbeauftragte der Pionierkameradschaft Holzminden, Gerhard Wolf, zum Thema „Holzminden als Garnisonsstadt von 1913 bis heute“ berichten. Weitere Informationen erteilt Ditmar Fischer unter der Telefonnummer 05531/
4550 oder per E-Mail an alte-holzmindener@web.de.

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