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Dienstag, 18. Mai 2021

Leben und arbeiten in einer anderen Welt

Paula Lange berichtet aus Südafrika von ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr, das langsam zu Ende geht

Südafrika/Holzminden (0408.18). Liebe Familie, Freunde, Sponsoren, liebe Leser, mir geht es prima hier in Jeffrey’s Bay, solange ich den Gedanken wegschiebe, dass meine letzten Wochen nun angebrochen sind. Natürlich freue ich mich auch auf meine Familie, meine Freunde und meinen Hund. Mit diesem Bericht möchte ich versuchen, einen Teil der Geschehnisse meiner letzten Monate in Südafrika zu beschreiben.

Im Dezember begannen die großen Sommerferien, und ich startete einen Roadtrip mit einer Freundin Richtung Drakensberge. Mit einem Leihwagen machten wir uns von Port Elizabeth zunächst auf den Weg nach Cintsa, in die Transkei. Von dort aus ging es weiter nach Port St. Johns und danach nach Underberg, einem Teil der Drakensberge. Mit einem öffentlichen Transportbus mit Allradantrieb fuhren wir den Sani Pass hinauf nach Lesotho. Nach zwölf Stunden Fahrt und der recht beschwerlichen Auffahrt erreichten wir am späten Nachmittag Lesotho, wo wir bei einer sehr herzlichen Familie spontan unterkamen. Dies war eine ganz besondere kulturelle Erfahrung, da die Familie ohne fließendes Wasser und Strom lebt und das gängige Fortbewegungsmittel im Dorf Pferde und Esel sind. Kein Internet, Handys tot, kein Auto. Die Familie und generell viele Menschen in den Dörfern Lesothos leben ein einfaches Landleben. Man versorgt sich selbst, hat sein Vieh und beackert seine Felder mit Pflug und Bullen. Die Wäsche wird im Fluss gewaschen. Letztendlich durften wir der Familie beim Bau eines neuen Strohhauses zur Hand gehen und ich durchstreifte die umliegenden Dörfer mit einem der Ponys, wobei ich von einigen Kindern aufgrund meiner weißen Hautfarbe ausgelacht wurde. Außerdem sind wir ständig gewandert, die Landschaft ist dort sehr spektakulär.

Nach einigen Tagen wurde es dann Zeit, nach Südafrika zurückzukehren, per Anhalter. Ein junger Mann nahm uns mit,  für umgerechnet fünf Euro pro Person. Zurück in Underberg ging es für uns weiter nach Central Berg, zum Weltkulturerbe, dem Amphitheathre in den Drakensbergen. Dort verbrachten wir einige Tage mit Wandern und fuhren dann weiter an die Küste, nach Port Shepstone. In Port Elizabeth verbrachten wir dann den Heiligen Abend mit circa 25 anderen Freiwilligen mit einem kleinen Grillfest.

Auf allen Reisen übernachteten wir in Backpackern, welche teils sehr besonders und preiswert sind. Ein Bett in einem Dorm kostet meistens umgerechnet zwischen sieben und zehn Euro. Man lernt viele Leute aus verschiedenen Ländern kennen.

Anfang Januar wurde es dann definitiv wieder Zeit für Alltag und Arbeit, die Schule geht nach den großen Ferien wieder los, und ich bin wirklich froh, die Kinder und Lehrer wiederzusehen. Man bat uns, den Fokus im neuen Jahr mehr auf Leichtathletik zu legen, da einige der umliegenden Schulen jedes Jahr im Januar und Februar Leichtahletik-Tage organisieren. Also starteten wir mit den zuvor ausgewählten Kindern das Training, zweimal die Woche um sieben Uhr morgens, einen Zwei-Kilometer-Lauf. Außerdem Weitsprung, Sprint und Kugelstoßen. Mit der Zeit bekamen wir ein kleines aber feines Team aus laufbegeisterten Kindern zusammen. Also fuhren wir mit den Kindern im Alter von sieben bis 16 Jahren zu verschiedenen Leichtathletik-Tagen. Einige von ihnen schnitten gut ab, sogar ohne Schuhe im Wettkampf gegen Kinder mit Sportschuhen an den Füßen!

Zudem haben wir das Volleyballprojekt mit den Mädchen aus den Klassenstufen sechs und sieben gestartet, welches sich auch recht gut entwickelt hat. Mit dem Leichtathletik-Team fokussieren wir uns nun auf Langstreckenlauf, da die Cross Country Saison bevorsteht.

Mit den Kindern unseres Nachmittagsprojektes in Mondplaas (Nachbarort von Jeffrey’s Bay) haben wir nun schon einige Male Ausflüge zu dem nahegelegenen Gamtoos-Fluss unternommen, mit Grillen und Stockbrot, was allen viel Spaß brachte. Im August ist noch ein Ausflug nach Port Elizabeth in eine Trampolinhalle geplant.

Im März haben mich vier Freundinnen aus Deutschland besucht. Die Wiedersehensfreude war riesig und gemeinsam sind wir nach Kapstadt gereist. In Kapstadt habe ich zwei Wochen später meine Eltern in Empfang genommen und mit ihnen die gleiche Strecke zurück nach Jeffrey’s Bay unternommen. Es war großartig, meinen Freundinnen und meinen Eltern einen Teil meines Lebens hier in Südafrika zeigen zu können, da mir so oft die Worte gefehlt haben, um meinen Alltag hier authentisch zu beschreiben.

Im Mai fand ich auf dem Schulgelände einen etwa sechs Wochen alten Hundewelpen, schwer verletzt und halb verhungert und verdurstet, jemand hatte ihm den Schwanz abgeschnitten. Als Tierliebhaber, der sich stets mit Hunden umgab, sammelte ich das kleine Hundemädchen  entgegen aller Bedenken der Lehrer und Schüler auf und brachte es in die Tierklinik, mit der geringen Hoffnung, sein Leben zu retten. Ich bezahlte die Operationskosten im Voraus und fuhr nach Hause, das Handy immer dabei, um auf dem Laufenden zu bleiben. Am nächsten Tag wurde ich richtig nervös, und am Nachmittag erhielt ich endlich einen Anruf, in dem man mir sagte, es komme einem Wunder nahe, dass der Hund überlebt habe und dass ich meinen Welpen jetzt abholen könne.

Plötzlich war ich also auf den Hund gekommen. Ich taufte sie Arya Stark, kaufte Futter und eine Kaninchenleine und nahm das ein Kilogramm leichte Wesen mit in die Wohnung, wohl wissend, dass ich gegen sämtliche Regeln meiner Organisation verstieß und in unserer Gated Area namens „Marina Sands“ Tiere strengstens verboten sind. Meine Priorität lag jedoch darin, den kleinen Welpen aufzupäppeln. Also kochte ich täglich Hähnchen und verwöhnte Arya nach Strich und Faden. Arya schlief stets mit mir in meinem Bett und begleitete mich auch sonst überall hin, sie entwickelte sich prächtig. Und auch ich konnte mir meinen Alltag ohne sie schnell nicht mehr vorstellen.

Das klingt alles sehr nach einem Happy End, da sogar meine Eltern einwilligten, dem Hund in Deutschland ein Zuhause zu geben. Die Enttäuschung war riesig, als ich von meinem Vater erfuhr, dass eine Einfuhr des Hundes nach Deutschland an den zeitlichen Fristen der Einfuhrbestimmungen scheitern wird. Gott sei Dank fand ich mit viel Glück eine Familie, die meine Ayra gerne bei sich aufnahm. Es war eine sehr schmerzliche Trennung. Zwischenzeitlich habe ich Ayra schon besucht; es geht ihr blendend.

Zu allem Überfluss verpetzte uns ein Mieter bei der Hausverwaltung, und uns wurde die Wohnung fristlos gekündigt. Mittlerweile haben wir eine neue schöne Bleibe gefunden.

Die letzten Ferien habe ich teils in Kapstadt bei Freunden verbracht und teils in Jeffrey‘s Bay, um mir das Corona Open, die Surfweltmeisterschaften, anzusehen. Das war sehr faszinierend. Nun hat die Schule wieder begonnen, und ich arbeite am Realisieren der letzten Projekte, einem Ausflug mit den Mädchen des Fußballteams und einigen Abschlussaktionen.

Liebe Grüße und bis bald, Eure Paula

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