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Montag, 01. Mšrz 2021

Sonne, Hitze, D√ľrre: Sommermonat der Extreme

Der Juli 2018 war rekordtrocken, sehr sonnig und heiß

Kreis Holzminden (06.08.18) Ein weiterer Monat f√ľr die lokalen Wettergeschichtsb√ľcher liegt hinter uns: Der Juli 2018 brachte nicht nur die l√§ngste bisher in einem Juli beobachtete Hitzewelle und weit √ľber 300 Stunden Sonnenschein, sondern, bezogen auf die Klimareihe Bevern/Holzminden, auch die geringste Regenmenge seit Messbeginn 1934. Der zweite meteorologische Sommermonat pr√§sentierte sich damit in markantem Kontrast zum Vorjahr, als Rekordregenf√§lle die Schlagzeilen beherrschten und die Sonne sich kaum mehr als halb so lang am Himmel zeigte wie in diesem Jahr. Doch neben Ferien- und Freizeitspa√ü bei Mittelmeerfeeling vor der eigenen Haust√ľr gab es auch Schattenseiten: B√§ume, die unter Trockenheitsstress aussehen wie im Fr√ľhherbst, Ernteeinbu√üen in der Landwirtschaft und gerade zum Monatsende eine zunehmende W√§rmebelastung durch aufgeheizte Arbeitsst√§tten und Wohnr√§ume. Die seit April andauernde W√§rmeanomalie ist regional wie bundesweit ohne Beispiel, es ist mit Abstand der w√§rmste Viermonatsabschnitt von April bis Juli seit Beginn der fl√§chendeckenden Wetterbeobachtungen im Jahr 1881.

2,8 Grad wärmer

Mit einer Mitteltemperatur von 21,0 ¬įC war der Juli 2018 an der Station des Deutschen Wetterdienstes in Bevern um 2,8 Grad w√§rmer als im Mittel der Jahre 1981-2010. Nur 23z006 und 1994 war es im Juli noch w√§rmer. Auch die Anzahl der meteorologischen Sommertage mit mindestens 25 ¬įC H√∂chsttemperatur lag mit 23 deutlich √ľber dem Durchschnitt und wurde ebenfalls nur 2006 (28) und 1994 (25) √ľbertroffen. Bei den hei√üen Tagen mit einem Maximum von mindestens 30 ¬įC wurde der 2006er-Rekord (15) nur um einen Tag verfehlt und noch nie zuvor gab es in einem Juli eine Serie von neun hei√üen Tagen am St√ľck, wie sie vom 23. bis 31. auftraten. An den beiden letzten Tagen des Monats wurden neue Tagesrekorde aufgestellt und am 31. das bisherige Jahresmaximum von 35,2 ¬įC gemessen.

An der privaten Station im Silberborner Kurgarten betrug die Monatstemperatur 18,9 ¬įC, auch im Hochsolling war es der drittw√§rmste Juli seit Messbeginn 1937 mit einer Abweichung von +2,9 Grad vom 30-Jahresmittel 1981-2010. Mit sechs hei√üen Tagen wurde sogar der Rekord aus dem Juli 2006 eingestellt, am hei√üesten war es auch in Silberborn am 31. mit einem H√∂chstwert von 32,2 ¬įC. Der Monatsverlauf l√§sst sich in zwei H√§lften unterteilen: Die erste begann unter Hochdruckeinfluss und trockenem Nordostwind sehr sonnig, bevor die Str√∂mung auf Nordwest drehte und zum Ende der ersten Dekade wolkenreiche Nordseeluft heranf√ľhrte, die am 10. die einzigen etwas ergiebigeren Regenf√§lle des Monats im Gep√§ck hatte und Temperaturen in Bevern nur auf etwas √ľber 16 Grad ansteigen lie√ü. In Silberborn war es mit H√∂chstwerten von 12-14 Grad am 10. und 11. sogar ausgesprochen k√ľhl. Anschlie√üend konnte sich erneut sonniges Hochdruckwetter durchsetzen, wobei die Temperaturen zun√§chst tags√ľber im angenehm sommerlichen Bereich um 25 Grad lagen und es nachts deutlich abk√ľhlte auf teils unter zehn Grad. Bis zum 15. lagen die Temperaturen in der Region im unauff√§lligen Bereich genau auf dem Niveau des Klimamittels der Jahre 1981-2010.

Nach Monatsmitte konnte sich der hohe Luftdruck weiter nach Norden ausdehnen, Mitteleuropa lag nun wieder h√§ufiger in einer √∂stlichen Str√∂mung und die Temperaturen stiegen deutlich an auf H√∂chstwerte von regelm√§√üig 30 Grad und mehr. Die sonst oft im Hochsommer bei hei√üen Lagen auftretenden Gewitter blieben weitgehend aus und streiften die Region lediglich am letzten Samstag des Monats. Der n√§chtliche Temperaturr√ľckgang fiel zum Monatsende zunehmend schw√§cher aus, die Nacht zum 28 war sogar tropisch mit einem Tiefstwert von √ľber 20 Grad ‚Äď ein in Bevern sehr seltenes Ereignis. Ein Luftmassenwechsel mit Abk√ľhlung lie√ü auch zum Monatswechsel weiter auf sich warten, da uns atlantische Tiefausl√§ufer wie schon seit Monaten nicht erreichen konnten: Die blockierende Gro√üwetterlage regenerierte sich immer wieder und verhinderte einen Durchbruch der Weststr√∂mung, die h√§ufig das wechselhafte Sommerklima in Deutschland pr√§gt.

Am deutlichsten zeigen sich die Auswirkungen dieser anhaltenden Hochdruckdominanz beim Blick auf die Niederschlagsbilanz: Nur ein Jahr nach dem nassesten Juli seit Messbeginn 1934 mit 209,9 mm Regen folgte in der Reihe Bevern/Holzminden der trockenste mit ganzen 11,4 mm ‚Äď dies entspricht nur 15% des langj√§hrigen Mittelwerts. Damit wurde der Juli 1983 als Rekordhalter abgel√∂st, damals waren am Holzmindener Stationsstandort am Bergblick 15,7 mm gemessen worden. Auch die Anzahl der trockenen Tage lag mit 26 auf Rekordniveau.

An den anderen Messstellen im Kreis kam zwar etwas mehr Regen zusammen, doch auch dort fiel der Monat deutlich zu trocken aus. So wurden an der neuen Station in Hehlen 21,6 mm gemessen (dort gibt es noch keine langj√§hrigen Vergleichswerte), in Ottenstein immerhin 34,9 mm (dort brachten die Gewitter am 28.07. fast 20 mm), in Vorwohle 18,0 mm und in Silberborn 30,8 mm (31% vom Klimamittel). An den beiden letztgenannten Standorten war es jeweils der zweittrockenste Juli nach 1983. Im benachbarten L√ľchtringen fielen 22,4 mm, dort war es der vierttrockenste Juli in der seit 1947 bestehenden Messreihe.

Sonnenscheinrekord nur knapp verfehlt

Die Sonne zeigte sich in der Region rund 320 Stunden am Himmel und damit fast doppelt so lang wie im tr√ľben und nassen Vorjahresjuli (163 Stunden). Das √úberschreiten der 300er-Marke hat anders als im Nordosten und S√ľdwesten des Landes im vergleichsweise sonnenscheinarmen Weserbergland absoluten Seltenheitswert und war zuvor nur zweimal seit Beginn fl√§chendeckender Sonnenscheinmessungen 1951 dokumentiert worden: Erstmals im Mai 1989 mit 314 Stunden in Holzminden bzw. 317 Stunden in Silberborn und dann noch einmal im Juli 2006, als mit knapp 330 Stunden der Rekordwert erzielt wurde.

An 20 Tagen schien die Sonne √ľber zehn Stunden lang, zu Monatsbeginn waren es bei wolkenlosem Himmel sogar 15,5 Stunden ‚Äď mehr ist aufgrund der Horizonteinschr√§nkungen weder im Wesertal noch im Solling messbar.

Das Jahr 2018 ist damit auf dem besten Wege, ein sehr sonnenscheinreiches zu werden. Bereits per Ende Juli sind mit 1.232 Stunden rund 85% des Jahresmittels erreicht, w√§hrend das sehr tr√ľbe Jahr 2017 auf gerade einmal 1.310 Stunden nach zw√∂lf Monaten kam. Zum Schluss noch eine Zwischenbilanz: Nach 2/3 liegt der Sommer 2018 mit einer Temperatur von 19,5 ¬įC per Ende Juli sogar 0,2 Grad √ľber dem Rekordsommer 2003, der damals als Jahrhundertereignis eingestuft wurde. Vor 15 Jahren kam die gro√üe Hitze allerdings erst in der ersten Augusth√§lfte. (J√ľrgen H√∂neke)

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