Weiter zum Inhalt
Montag, 01. März 2021

Einem schnell wachsenden Baustoff auf der Spur

HAWK-Professor Wolfgang Rettberg beim World Bamboo Congress in Xalapa/Mexiko

Holzminden (01.10.18). Alle zwei bis drei Jahre treffen sich Fachleute aus allen Erdteilen, um über die Verwendung nachwachsender Rohstoffe bei der Herstellung von Gebrauchsgütern, Baustoffen und vielen anderen Gegenständen des täglichen Bedarfs zu diskutieren. Veranstaltet von der vor etwa 20 Jahren gegründeten World Bamboo Association mit Sitz in San Francisco USA trafen sich rund 500 Teilnehmer aus über 50 Ländern zum 11. World Bamboo Congress in Xalapa in Mexiko. Deutschland wurde dabei von Professor Wolfgang Rettberg aus der Fakultät der HAWK Holzminden vertreten.

„Während meines gesamten Berufslebens beschäftige ich mich mit der Verwendung nachwachsender Rohstoffe in der Architektur. Baustoffe und Bauteile aus Holz, Kork, Kokosfasern, Sisal, Rattan, Schafwolle  und zunehmend Bambus stehen dabei im Fokus – fĂĽr umweltschonendes nachhaltiges ökologisches Bauen.“ Die Frage nach der Energiebilanz eines Gebäudes, also dem Energieverbrauch fĂĽr die Herstellung einer Immobilie (Primärenergie, graue Energie), hat bei dem in Holzminden angebotenen Studiengang „Energiesparendes und nachhaltiges Bauen ENB“ einen hohen Stellenwert. Da ist es Prof. Rettberg nur recht, von weltweiten Erfahrungen berichten zu können.

Beim diesjährigen Kongress in Mexiko stand die umweltschonende Gewinnung des nachwachsenden Rohstoffs Bambus zur Diskussion. Während man sich bislang um den vermehrten Einsatz dieser auf vier Erdteilen vorkommenden Ressource bemühte, wurde diesmal kritisch betrachtet, wo das Material herkommt und wie es geerntet wird. Entwicklungen wie beim Palmöl, wo für die Anpflanzung von Ölpalmen tropischer Regenwald vernichtet wird, müssen strikt vermieden werden. Die Gefahr solcher Entwicklungen ist bei Bambus eher gering, wächst dieser doch auf großen freien Flächen (Waldränder, brachgefallene Reisfelder, für andere landwirtschaftliche Nutzungen weniger geeignete Flächen) im Rekordtempo. Einige Sorten erreichen innerhalb von fünf Jahren Wachstum über zehn Meter Höhe mit einem Rohrdurchmesser von mehr als 15 Zentimeter, der am schnellsten nachwachsende Rohstoff, den die Natur produziert. „Weltweit ein gewaltiges Potenzial eines nachwachsenden Rohstoffs, der naturnah und umweltschonend genutzt werden kann“, so Prof. Rettberg.

Beim diesjährigen WBC wurde wiederum von sich immer mehr erweiternden Einsatzmöglichkeiten dieses Materials berichtet: Vom verleimten Deckenträger bei Baukonstruktionen bis zur Küchenarbeitsplatte, von der Zahnbürste bis zum Fahrrad, Bambus kann in vielfältiger Weise Metalle (Stahl, Aluminium) und Kunststoffe, für deren Herstellung gewaltige Energiemengen nötig sind, ersetzen. „Und wenn man das Produkt nicht mehr braucht, kann man es zerkleinern und kompostieren“, so Prof. Rettberg, in dessen Haushalt Gemüse von Palmblättern gegessen wird, der Kugelschreiber auf dem Schreibtisch hat eine Bambushülle und auf dem Boden des Büros liegt ein Belag aus dem gleichen Material. „Natürlich sind die Folgen des Transports und der Verarbeitung bei der Ökobilanz zu beachten.“

Mit diesen Themen wird sich der für das 2020 geplante WBC beschäftigen, der in Taiwan stattfinden soll. Dabei wird es wohl um Fragen des Verbraucherschutzes gehen, damit nicht die gleichen Fehler wie bei anderen Materialien gemacht werden. „Die Spanplatte mit Formaldehyd wie in den 1980er Jahren muss nicht sein“, so Rettberg.

Kontakt

Telefon: 05531/9304-0
E-Mail: info@tah.de

 

Ă–ffnungszeiten
Montag bis Freitag:
8.00 bis 16.00 Uhr
Samstag:
8.00 bis 11.00 Uhr