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Montag, 01. Mšrz 2021

Zwei Gefangenenlager in Holzminden

‚ÄěThe Tunnelers of Holzminden‚Äú schaffen es auf die Bestsellerliste

Holzminden (12.11.18). W√§hrend des Ersten Weltkriegs gab es zwei Gefangenenlager in Holzminden. Auf dem Land√ľbungsplatz des Milit√§rs am Sollingrand wurde kurz nach Beginn des Ersten Weltkriegs ein Internierungslager f√ľr zivile Gefangene und Geiseln eingerichtet. Etwa 10.000 Menschen, darunter auch Frauen, wurden dort von etwa 800 Landsturm-Soldaten bewacht und hausten unter schlimmen Bedingungen. Sie lebten in √ľber 100 Baracken, umgeben von einem zwei Meter hohen Stacheldrahtzaun. Franz√∂sische und russische Kriegsgefangene wurden als Arbeiter in der Landwirtschaft eingesetzt.

Stundenlang an den Pranger gestellt

Fotodokumente und Postkarten aus der Zeit geben noch ein Bild von den Verhältnissen in dem Lager. So wurden Gefangene, die Regeln verletzt hatten, beispielsweise dadurch bestraft, dass sie stundenlang an einen Pfahl gefesselt wurden. Es gab auch Einrichtungen wie eine Ladenzeile, Sportmöglichkeiten oder eine Kapelle. Die Lagerinsassen hatten sogar eine eigene Währung.

1917 wurden englische Offiziere, die bei K√§mpfen an der Westfront in Gefangenschaft gerieten, nach Holzminden gebracht. Im Herbst 1916 war die Entscheidung gefallen, die neu errichteten Kasernengeb√§ude als Gefangenenlager zu nutzen. Dort wurde ein Lager f√ľr Offiziere eingerichtet, in dem bis zu 600 Soldaten der englischen, australischen und s√ľdafrikanischen Armee interniert wurden. Dieses Kriegsgefangenenlager wurde am 24. Juli 1918 zum Schauplatz eines Ereignisses, das heute noch in Gro√übritannien und Australien unter dem Titel ‚ÄěThe Tunnelers of Holzminden‚Äú bekannt ist. √úber 100 Offiziere wollten einen Ausbruch wagen, gruben einen Tunnel, um in die Freiheit zu gelangen. 29 von ihnen schafften den Weg durch die Erde, bis der Tunnel einbrach und keiner mehr nachfolgen konnte. Von den 29 erfolgreichen Ausbrechern wurden 19 schnell wieder festgenommen. Teilweise machten auch B√ľrger aus den umliegenden Orten bei der Fahndung nach den Fl√ľchtigen mit. Zehn schafften aber den Weg an die niederl√§ndische Grenze, wo sie sich in das damals neutrale Nachbarland retteten. Einer der Tunnelgr√§ber schrieb zwei Jahre nach Kriegsende ein Buch √ľber den Massenausbruch. ‚ÄěThe Tunnelers of Holzminden‚Äú wurde 1920 in England zum Bestseller.

Im November 1918 endete der Erste Weltkrieg. Am 8. November erkl√§rte Herzog Ernst-August in Braunschweig seinen R√ľcktritt und Thronverzicht, am 9. November folgte Kaiser Wilhelm II. Der SPD-Politiker Philipp Scheidemann rief am gleichen Tag in Berlin die deutsche Republik aus. In Holzminden √ľbernahm ein Arbeiter- und Soldatenrat die Macht und k√ľmmerte sich zun√§chst die Versorgung der Menschen mit Nahrung und die R√ľckf√ľhrung der Gefangenen und Internierten. Am 11. November 1918 unterzeichneten Vertreter der kriegf√ľhrenden M√§chte in Compi√®gne bei Paris den Waffenstillstand. Die letzten deutschen Truppen ergaben sich am 25. November 1918 in der deutschen Kolonie Ostafrika. (fhm)

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