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Dienstag, 18. Mai 2021

Zwei Gefangenenlager in Holzminden

„The Tunnelers of Holzminden“ schaffen es auf die Bestsellerliste

Holzminden (12.11.18). Während des Ersten Weltkriegs gab es zwei Gefangenenlager in Holzminden. Auf dem Landübungsplatz des Militärs am Sollingrand wurde kurz nach Beginn des Ersten Weltkriegs ein Internierungslager für zivile Gefangene und Geiseln eingerichtet. Etwa 10.000 Menschen, darunter auch Frauen, wurden dort von etwa 800 Landsturm-Soldaten bewacht und hausten unter schlimmen Bedingungen. Sie lebten in über 100 Baracken, umgeben von einem zwei Meter hohen Stacheldrahtzaun. Französische und russische Kriegsgefangene wurden als Arbeiter in der Landwirtschaft eingesetzt.

Stundenlang an den Pranger gestellt

Fotodokumente und Postkarten aus der Zeit geben noch ein Bild von den Verhältnissen in dem Lager. So wurden Gefangene, die Regeln verletzt hatten, beispielsweise dadurch bestraft, dass sie stundenlang an einen Pfahl gefesselt wurden. Es gab auch Einrichtungen wie eine Ladenzeile, Sportmöglichkeiten oder eine Kapelle. Die Lagerinsassen hatten sogar eine eigene Währung.

1917 wurden englische Offiziere, die bei Kämpfen an der Westfront in Gefangenschaft gerieten, nach Holzminden gebracht. Im Herbst 1916 war die Entscheidung gefallen, die neu errichteten Kasernengebäude als Gefangenenlager zu nutzen. Dort wurde ein Lager für Offiziere eingerichtet, in dem bis zu 600 Soldaten der englischen, australischen und südafrikanischen Armee interniert wurden. Dieses Kriegsgefangenenlager wurde am 24. Juli 1918 zum Schauplatz eines Ereignisses, das heute noch in Großbritannien und Australien unter dem Titel „The Tunnelers of Holzminden“ bekannt ist. Über 100 Offiziere wollten einen Ausbruch wagen, gruben einen Tunnel, um in die Freiheit zu gelangen. 29 von ihnen schafften den Weg durch die Erde, bis der Tunnel einbrach und keiner mehr nachfolgen konnte. Von den 29 erfolgreichen Ausbrechern wurden 19 schnell wieder festgenommen. Teilweise machten auch Bürger aus den umliegenden Orten bei der Fahndung nach den Flüchtigen mit. Zehn schafften aber den Weg an die niederländische Grenze, wo sie sich in das damals neutrale Nachbarland retteten. Einer der Tunnelgräber schrieb zwei Jahre nach Kriegsende ein Buch über den Massenausbruch. „The Tunnelers of Holzminden“ wurde 1920 in England zum Bestseller.

Im November 1918 endete der Erste Weltkrieg. Am 8. November erklärte Herzog Ernst-August in Braunschweig seinen Rücktritt und Thronverzicht, am 9. November folgte Kaiser Wilhelm II. Der SPD-Politiker Philipp Scheidemann rief am gleichen Tag in Berlin die deutsche Republik aus. In Holzminden übernahm ein Arbeiter- und Soldatenrat die Macht und kümmerte sich zunächst die Versorgung der Menschen mit Nahrung und die Rückführung der Gefangenen und Internierten. Am 11. November 1918 unterzeichneten Vertreter der kriegführenden Mächte in Compiègne bei Paris den Waffenstillstand. Die letzten deutschen Truppen ergaben sich am 25. November 1918 in der deutschen Kolonie Ostafrika. (fhm)

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