Montag, 21. Oktober 2019

Ein Übergangsmonat mit zwei Gesichtern

Der März 2019 war sehr mild, zunächst nass und stürmisch, später trocken und sonnig

Kreis Holzminden (08.04.19). Der erste meteorologische Frühlingsmonat brachte nach dem sehr trockenen und sonnigen Februar deutlich mehr Abwechslung in der Wetterküche. In der ersten Monatshälfte dominierten Tiefs vom Atlantik mit mehreren Stürmen, viel Regen und so wenig Sonne wie noch nie seit Messbeginn. Deutlich ruhiger verlief die zweite Hälfte, in der sich wieder vermehrt Hochdruckeinfluss durchsetzen konnte. Regen fiel kaum noch, dafür zeigte sich die Sonne häufiger und brachte die ersten beiden warmen Tage mit Höchstwerten von über 20 Grad. Unterm Strich war es in der Region deutlich milder als im langjährigen Mittel bei unterdurchschnittlicher Sonnenscheindauer. Beim Niederschlag ergab sich kein klares Bild: Mehrere Stationen meldeten eine positive Abweichung, in Silberborn hingegen fehlten mehrere Liter im Vergleich zum Klimamittel.

Mit einer Mitteltemperatur von 7,2 Grad war es an der DWD-Station in Bevern im März 2019 um 2,3 Grad wärmer als im Durchschnitt der Jahre 1981 bis 2010. Nur sechsmal war es seit Beginn der lokalen Messungen im Jahr 1935 in einem März noch wärmer. Erst zehn Märze schafften bisher eine Monatstemperatur von über sieben Grad, davon entfallen fast die Hälfte (vier) auf die Jahre ab 2012. Allerdings finden sich in der jüngsten Historie auch zwei sehr kalte Vertreter – 2013 und 2018 gab es jeweils noch Dauerfrost in der zweiten Monatshälfte und im vergangenen Jahr in den ersten Tagen sogar dickes Treibeis auf der Weser. Davon blieben wir in diesem März weit entfernt, der über weite Strecken deutlich überdurchschnittlich temperiert war und nur an wenigen Tagen und dann nur geringfügig unter die langjährigen Mittelwerte rutschte. Frost gab es nur an drei Tagen, das Minium lag gerade einmal bei -2 Grad, nachdem es 2018 noch bis auf fast -11 Grad in den Keller gegangen war.

Während die hohen Temperaturen eine Konstante waren, zeigte sich in den beiden Monatshälften ein sehr unterschiedlicher Wettercharakter. Die ersten zweieinhalb Wochen standen ganz im Zeichen kräftiger Tiefdruckgebiete aus Westen und Nordwesten, die mit feuchter Luft viel Regen brachten, so dass das Monatsmittel bereits zur Halbzeit erreicht war und die Weser vorübergehend über die Ufer trat. Aufgrund der überwiegend trockenen letzten zwei Wochen lag die Niederschlagssumme in Bevern mit 79,2 Millimetern dennoch nur gut 6 Millimetern oder 8,8 Prozent über dem Mittelwert von 1981 bis 2010. Die Sonne fand zunächst kaum Lücken in der dichten Wolkendecke und schaffte nach über zwei Wochen gerade einmal 16 Stunden in Summe – weniger als je zuvor in der lokalen Wettergeschichte, die für diesen Messwert bis 1951 zurückgeht. Anschließend gab es zwar eine Aufholjagd in der zweiten Monatshälfte, die aber weniger markant ausfiel als im Februar, so dass die Sonnenscheinsumme am Ende mit 91 Stunden rund zwölf Stunden oder 11,5 Prozent niedriger ausfiel als im Klimamittel.

Dafür spielte der Wind eine deutlich größere Rolle als zuletzt: Bis Monatsmitte zogen mehrere Stürme über die Region hinweg – am heftigsten schlug „Eberhard“ am 10. März zu und sorgte für eine Reihe von Einsätzen von Feuerwehr und Polizei im Landkreis Holzminden. Mehrere Straßen, darunter die B497 in den Solling, mussten vorübergehend gesperrt werden. Das Hauptsturmfeld zog aber südlich durch (die DWD-Stationen Göttingen und Warburg meldeten mit 117 und 109 km/h orkanartige Böen, nach Norden hin waren es „nur“ Sturmböen), so dass sich die Schäden im Solling im Vergleich zu Orkan „Friederike“ im Januar 2018 zum Glück in Grenzen hielten.  Mehrere kurze Gewitter rundeten diese turbulente Witterungsphase ab.

In den höheren Lagen, vor allem im Hochsolling um Silberborn, schaute hinter der Kaltfront des Sturmtiefs „Eberhard“ noch einmal der Winter vorbei. Zwar gingen die Niederschläge sogar bis in die Niederungen in Schnee über, eine Schneedecke konnte sich im Wesertal auf den warmen Böden und bei Temperaturen von drei bis vier Grad aber nicht ausbilden. Anders im Solling, der sich nach wiederholten Schneefällen am Montag, 11. März, bei Werten um den Gefrierpunkt in eine weiße Winterlandschaft verwandelt hatte. In Silberborn lagen zum Mittag verbreitet zwölf Zentimeter und damit mehr als im Winter, der maximal acht Zentimeter zu bieten hatte. Bereits am Dienstag setzte Tauwetter ein und brachte den Schnee rasch wieder zum Verschwinden. Somit fiel auch dort der überwiegende Teil der Niederschläge als Regen, doch im Gegensatz zum Standort Bevern gab es in Silberborn sogar ein Defizit: Im Kurgarten wurden 85,5 Millimeter gemessen und damit knapp 12 Prozent weniger als im Mittel der Jahre 1981 bis 2010. Auch die Temperaturbilanz fiel diesmal im Vergleich ein Stück niedriger aus: Mit einer Mitteltemperatur von 4,9 Grad war es zwar auch im Hochsolling deutlich wärmer als im Durchschnitt, der dortige Klimawert wurde nur um 2,0 Grad übertroffen – in Relation zur Abweichung in Bevern also um ein halbes Grad weniger. Im Februar war noch der umgekehrte Effekt beobachtet worden, weil höhenwarme Hochdruckgebiete für Inversionslagen gesorgt hatten. Im März dominierten aber vor allem in den ersten Wochen in der Höhe und mittleren Lagen kältere Luftmassen mit kräftigerer Durchmischung und entsprechend stärker ausgeprägtem vertikalen Temperaturgradienten.

Deutlich ruhiger ging es nach Monatsmitte zu. Die zyklonale Westlage wurde abgelöst durch eine Hochdruckbrücke über Mitteleuropa mit mehreren trockenen Tagen in Folge und zunehmendem Sonnenschein sowie erstmaligem Überschreiten der 20-Grad-Marke in Bevern am 22. März. Anschließend verlagerte sich der Hochdruckschwerpunkt nach Westen Richtung Britische Inseln und machte den Weg frei für kühlere und feuchtere Nordseeluft mit etwas Regen, bevor sich der Hochdruck erneut über dem Kontinent ausbreiten konnte und für einen sonnigen und trockenwarmen Start ins letzte Wochenende sorgte, an dem die Vegetation sichtbare Fortschritte machte. So öffneten die Magnolienbäume ihre Blüten und die Zierkirsche stand in Vollblüte – zumindest in den tieferen Lagen. Bis der Frühling auch weiter oben richtig durchstartet, wird es noch etwas dauern und ein plötzlicher Übergang zu frühsommerlichen Temperaturen in der zweiten Aprilwoche ist – anders als im Vorjahr – diesmal nicht in Sicht. (Jürgen Höneke)