Freitag, 14. August 2020

Durchschnittlich bei Temperatur, Regen, Sonne

Der September brachte eine unauffällige Mischkost aus Spätsommer und Frühherbst

Kreis Holzminden (07.10.19). Nach dem sehr warmen, trockenen und sonnigen Sommer kehrte mit dem ersten meteorologischen Herbstmonat so etwas wie Normalität beim Wetter ein: Der September 2019 landete in allen drei wesentlichen Kategorien sehr nahe an den langjährigen Durchschnittswerten. Weder ein spätsommerlich stabiles Hoch noch längere herbstliche Abschnitte konnten in diesem sehr wechselhaften Übergangsmonat Fuß fassen, stattdessen dominierte ein Wechsel von einzelnen warmen und sonnigen Tagen und nachfolgender Abkühlung. Dabei blieb es zunächst erneut deutlich zu trocken, bevor in den letzten Tagen ergiebige Regenfälle einsetzten und der Wind mit Tief „Mortimer“ stürmisch auffrischte. Am Ende war es gebietsweise geringfügig wärmer als im vieljährigen Mittel, die Sonnenscheindauer lag ein wenig über und die Niederschlagssumme etwas unter dem Durchschnitt – in Bevern minimal, an anderen Stationen der Region ein Stück deutlicher.

Mit einer Mitteltemperatur von 14,1 °C war der September 2019 an der DWD-Station in Bevern um 0,1 Grad wärmer als im Mittel der Jahre 1981-2010. In Silberborn waren es an der privaten Station im Kurgarten 11,9 °C, was einer hauchdünn negativen Abweichung von -0,1 Grad zum dortigen Klimawert entspricht. Anders als in den meisten anderen Monaten hat sich die Erwärmung im September in den vergangenen 30 Jahren schwer getan, das Mittel der Jahre ab 1991 stieg gegenüber der Referenzperiode der Weltmetorologie-Organisation WMO von 1961-1990  lediglich um 0,45 Grad an, noch schwächer fällt der Anstieg nur noch im Oktober aus. Zum Vergleich: April, Juli und August haben sich im selben Zeitraum um mindestens ein Grad mehr erwärmt, während die letzten Plätze von allen drei Herbstmonaten belegt werden. Ob es in den kommenden Jahren einen Nachzüglereffekt geben wird wie es zuletzt bei den Sommermonaten mit dem Juni der Fall war oder ob sich der Herbst weiterhin ein Stück vom starken Erwärmungstrend abkoppeln kann, bleibt abzuwarten.

Wie schon 2015 und 2017 und anders als 2016 und 2018 verabschiedete sich der Sommer in Sachen Hitze in diesem Jahr sehr pünktlich: Auf den letzten heißen Tag des Jahres mit noch einmal fast 33 Grad am 31.08. folgte ein Temperatursturz um zehn Grad zum Start in den September. Die Spätsommerwärme zog sich in die Südhälfte zurück und schwappte zunächst nur noch einmal kurz ein Stück nordwärts mit einem meteorologischen Sommertag am 4. an der Station in Bevern. Anschließend stellte sich mäßig warmes und leicht wechselhaftes Wetter mit Wolken und Sonne im Wechsel und vereinzelten leichten Niederschlägen ein. Am Wochenende zur Monatsmitte schien die Sonne jeweils über elf Stunden von einem blauen Himmel oder durch dünne Schleierwolken, wie auch das Foto aus dem Nachbarkreis Northeim zeigt, wo der Deutsche Wetterdienst in der Leineniederung Salzderhelden nahe der Ortschaft Stöckheim einen automatischen Windmesser mit Ultraschalltechnologie betreibt. Vertrocknete und verbrannte Rasenflächen dokumentieren zudem die zu diesem Zeitpunkt weiter sehr angespannte Trockenheitssituation.

Daran sollte sich zunächst auch wenig ändern – zwar folgte auf einen warmen Sonntag mit bis zu 24 Grad ein Tief, hinter dessen Kaltfront eine deutlich kühlere Luftmasse aus Nordwesten einfloss und auch ein paar Liter Regen fielen – doch anschließend blieb es unter Hochdruckeinfluss wieder mehrere Tage komplett trocken. Das dritte Wochenende brachte erneut Sonne satt und den letzten spätsommerlichen Warmluftvorstoß des Jahres mit bis zu 26,7 °C am 22.09. in Bevern, zugleich Monatshöchstwert. Im Laufe der Nacht und vor allem zum frühen Morgen hin kühlte es in diesen Tagen jedoch sehr stark ab, so dass die Lufttemperatur in 2 m über dem Boden auf bis zu 2,3 °C in Bevern zurückging und in 5 cm Höhe über dem Erdboden nur wenige Zehntel zum ersten Bodenfrost der Saison fehlten.

Doch auch diesem Hochdruckgebiet namens „Inge“ war letztlich kein langes Leben über Mitteleuropa vergönnt, mit einem Aufleben der atlantischen Westdrift wurde es nach Osten verdrängt und musste einer Reihe von Tiefdruckgebieten Platz machen, die sich in der  letzten Septemberwoche die Klinke in die Hand gaben: Klaus, Lysander I und II sowie Mortimer zogen in rascher Folge über uns hinweg, Letzterer sogar mit einem ausgeprägten Sturmfeld, dessen Böen Stärken von 8-9 in der Region erreichten. Angesichts der noch weitgehend voll belaubten und trockenheitsgeschädigten Bäume eine potenziell gefährliche Lage, nach einer ersten Übersicht blieb der Landkreis aber wohl von größeren Schäden verschont.

Diese gemäß des Katalogs der Großwetterlagen über Mitteleuropa zunächst als winkelförmige, in den letzten drei Tagen des Monats dann als glatte zyklonale Westlage einzustufende Witterungsphase war gekennzeichnet durch viele Wolken – wobei es aber nie vollständig trüb blieb, sondern Abschnitte mit Sonnenschein für sehr fotogenes Wettergeschehen sorgten – wieder deutlich mildere Nächte und endlich auch ergiebigere Regenfälle, so dass nach nur rund 20 mm in den ersten dreieinhalb Wochen der langjährige Mittelwert der Jahre 1981-2010 am Standort Bevern doch noch fast erreicht wurde. Die letzten acht Tage brachten dort zusammen 50 mm mit dem höchsten Tageswert von 21,6 mm am 29. September, der auch in Silberborn mit 19,6 mm der regenreichste Tag des Monats war. Insgesamt fielen in Bevern 70,5 mm und in Silberborn 80,4 mm, womit an der Hochsollingstation der langjährige Mittelwert dennoch deutlich um 18% verfehlt wurde.

Auch die anderen DWD-Niederschlagsstationen der Region blieben ein Stück unterhalb der Durchschnittswerte: In Vorwohle wurden 62,9 mm gemessen, in Hehlen 56,1 mm, in Ottenstein 67,8 mm, in Lüchtringen 52,1 mm und in Amelith 90,8 mm. Die Zahlen aus Hellental lagen noch nicht vollständig vor. Man sieht, dass es gerade zwischen Lüchtringen und Bevern trotz geringer Entfernung und ähnlicher Höhenlage recht deutliche Unterschiede von etwas über 18 mm gab, ohne dass wie im Hochsommer sehr eng begrenzte Starkregenschauer bei Gewittern im Spiel waren.  Doch auch dieses Phänomen gab es zu beobachten, und zwar am Freitagmittag (27.09.) kurz nach 14 Uhr in der Bülte in Holzminden: Dort prasselten binnen weniger Minuten mehrere Liter vom Himmel, von denen weder nördlich in Bevern noch südlich in der Stadt etwas gemessen wurde.

Bei allen Unterschieden im Detail lässt sich jedoch mit dem Monatswechsel September/Oktober eine erste Entspannung in Sachen Trockenheit feststellen. Zumindest die oberen Bodenschichten konnten an Feuchte deutlich zulegen. Bis auch die tieferen Schichten erreicht werden, braucht es aber noch Zeit und weiteren Regen, der idealerweise gleichmäßig und nicht in Form kräftiger Schauer fallen sollte, um ein oberflächiges Abfließen zu vermeiden. Und ein Blick in die Wettermodelle für die erste Oktoberdekade stimmt in Sachen Regen durchaus optimistisch, allerdings ist dabei Zweierlei zu berücksichtigen: Generell ist die Fehleranfälligkeit bei der Berechnung von Niederschlagsmengen schon vergleichsweise hoch, zumal bei höherer räumlicher Auflösung, und hinzu kommt zu dieser Jahreszeit noch ein weiterer Faktor: Die Tropensturmsaison vor der amerikanischen Küste beziehungsweise die Umwandlung der Hurricanes in außertropische Tiefdruckgebiete bei ihrer Verlagerung über den Nordatlantik nach Osten. Diese mit hoher Energie gespeisten Zyklonen bereiten den sonst häufig auch in der Mittelfrist bemerkenswert gut aufgestellten Wettermodellen immer wieder großes Kopfzerbrechen und nicht selten wird das Konzept des vorausgegangenen Laufs mit dem nächsten wieder über Bord geworfen. Deshalb kann sich kurzfristig durchaus auch noch ein anderes Szenario ergeben.

Was aber jahreszeitbedingt feststeht: Die Vegetationsphase geht zu Ende und die Verdunstung spielt durch die schwächer werdende Sonneneinstrahlung eine deutlich geringere Rolle als im Sommer.  Im September zeigte sich die Sonne in der Region rund 144 Stunden lang, das sind rund sechs Stunden oder sieben Prozent mehr als im Mittel der Jahre 1981-2010 und zwei Stunden oder gut ein Prozent  mehr als im Mittel seit 1991, in dem eine weitere Zunahme der Sonnenscheindauer registriert wurde. (Jürgen Höneke)