Mittwoch, 03. Juni 2020

Charakterhunde, Prachtkeiler und Lebenshirsche

„Mit Jägers Blick“: Jürgen Borris’ neues Buch ist voller Fotos, Erzählungen und Impressionen rund um wilde Tiere und das Waidwerk

Neuhaus (21.12.19). Das Konzept zu seinem neuen Buch stammt von ihm selbst. Es ist inspiriert von unzähligen Erlebnissen auf der Pirsch – sowohl mit Kamera als auch mit Gewehr, allerdings stets strikt getrennt voneinander – und den geselligen Runden mit Jagdfreunden in der Jagdhütte im Revier Mühlenberg. „Davon sollte etwas bewahrt werden, das sonst verloren wäre – ohne in Jägerlatein abzudriften“, beschreibt Jürgen Borris die Idee. Er wollte „etwas erzählen, was über das Jagdliche hinaus geht.“ Es ist ihm mit einem Ausrufezeichen gelungen! Entstanden ist, mit vielen Borris-Fotos von Natur und wilden Tieren und Texten der Journalistin und Buchautorin Iris Schaper, das Buch „Mit Jägers Blick“, erschienen im Verlag Müller-Rüschlikon.

Typisch Borris und doch ganz neu und einzigartig – so könnte man das neue Buchprojekt des Neuhäusers bezeichnen. Die Fotos des prämierten Tier- und Naturfotografen, Buchautors und Protagonisten in Naturfilmproduktionen und die Artikel von Iris Schaper, die in Uslar lebt, bilden eine Symbiose. Ihrem gemeinsamen Buch, 160 Seiten stark, gelingt die Gratwanderung zwischen dem Respekt vor der Kreatur des wilden Tieres und dem blutigen Werk des Jägers. Mehr noch: beide schaffen es, das Thema auch für Nichtjäger äußerst interessant und spannend zu transportieren und eine Welt zugänglich zu machen, die nicht für jeden offensteht. Nebenbei lernt der Leser viel über die Jägersprache, die nicht Latein ist.

Die Vielfalt der Blickwinkel, die nacherzählten so unterschiedlichen Jagderlebnisse von Jägern und Förstern und die Aussagekraft der Fotos fügen sich zu etwas Besonderem. Angesprochen fühlen dürfen sich natürlich Jäger und jagdlich Interessierte, aber auch sonstige Natur- und Tierfreunde und jene, die es lieben, draußen zu sein. Das Buch wirft durchaus auch einen kritischen Blick auf Abarten der Jagd – etwa den Jagdtourismus in Polen – und regt zum Nachdenken über den Umgang mit der Natur an.

Iris Schaper hat mit Jägern und Förstern Interviews geführt und ihre Geschichten zum Schmunzeln, Staunen und Sinnen behutsam in Form gebracht. Es sind Freunde und gute Bekannte von Jürgen Borris, die hier zu Wort kommen und die in der Region bekannt sein dürften: Andreas Helms berichtet da von seinen Erlebnissen mit Jagdterrier Theo und der Entenjagd auf Fünen. Jean-Marc Molard sinniert über die Jagd auf ein „Tiefbauschwein“ und erzählt die Geschichte des dreibeinigen Hirschen. Kirsten Gerberding, selbst Jägerin, verfällt mit Verve ins Fabel- und Märchenhafte. Jürgen Seckelmann beschreibt bedrückend den Konflikt des Jägers zwischen jagdlichem Auftrag und totbringender Mission am Beispiel eines Alttieres und eines Kalbes. Jürgen Borris selbst erzählt vom „Stummel-“ und vom „Hakelhirsch“.

Borris’ Frau hatte die gute Idee, ins Buch auch Wildrezepte aufzunehmen. So erschließt sich vielleicht noch eine ganz andere Leserschaft. Neben bodenständiger Waidmannskost wie „Solling-Hirsch nach Mackes Art“ oder „Rehrücken auf Wirsingkohl mit Steinpilzen“ finden sich auch augenzwinkernde Exoten-Gerichte wie „Nutriakeule mit gebackenen Süßkartoffeln“ und „Gegrillte Krähenbrust mit Fenchel und Apfel“.

Das Buch „Mit Jägers Blick“, ISBN 978-3-275-02178-9, ist erschienen in einer Startauflage von 2.500 Exemplaren und weckte erstes Interesse bei seiner Vorstellung auf der Leipziger Buchmesse. Es ist erhältlich im örtlichen Buchhandel und direkt beim Autor. (Thomas Specht)