Donnerstag, 04. Juni 2020

Das Hochmoor Mecklenbruch

Kreis Holzminden (14.12.19). An den Wochenenden und Feiertagen zieht es häufig zahlreiche Besucher aus Nah und Fern an, unter der Woche und in den Frühstunden bietet es vor allem Einheimischen Gelegenheit zur Erholung in einer Oase der Ruhe abseits des Alltags: Das Naturschutzgebiet Mecklenbruch am Ortsrand von Silberborn ist mit einer Fläche von 63 Hektar eines der am besten erhaltenen Hochmoore des niedersächsischen Berglandes und zugleich das größte außerhalb des Harzes. Es dient verschiedenen vom Aussterben bedrohten Pflanzen und Tieren als Überlebensraum und ist als FFH-Gebiet „Moore und Wälder im Hochsolling, Hellental“ Teil des Europäischen Naturschutznetzwerks „NATURA 2000“.

Vor je nach Quelle etwa 4.300 bis 5.000 Jahren bildeten Torfmoose kleine Hügel, die allmählich zusammenwuchsen und im Zentrum eine etwa fünf Meter dicke Torfschicht bildeten. Der Name soll aus dem Wort „mikil“ (altsächsisch für „groß“) entstanden sein, was „Großer Bruch“ bedeutet. Urkundlich wurde es zuerst 1575 als „Mekelenbroik“ erwähnt. Durch den Abbau des gefragten Brennstoffes Torf, verbunden mit der Anlage von Entwässerungskanälen, trocknete das Hochmoor aus. Die Torfgewinnung begann bereits im Jahr 1799 und dauerte mit Unterbrechungen bis 1948. Bäume und Sträucher hatten sich angesiedelt und die typischen Moorpflanzen verdrängt.

Erste Renaturierungsmaßnahmen führte das Niedersächsische Forstamt Neuhaus als Grundeigentümer ab 1981 durch. Die Wiedervernässung wurde eingeleitet durch das Aufstauen der Gräben und teilweise Entfernung der dem Moor viel Wasser entziehenden Birken und Fichten, „Entkusselung“ genannt. Dazu kam bis 1986 die Errichtung eines Bohlenweges mit Aussichtsturm. Ab 2004 wurden die Schlitzdrainagen mit Eichenbohlen und Holzspäne verschlossen und am alten Hauptabbaugraben große Dämme aus degeneriertem Schwarztorf zum Wasseranstau errichtet. Der Aussichtsturm und der Bohlenweg wurden teilweise erneuert, der Steg zuletzt 2012 mit Holz aus Sollingeichen. Der südliche Bereich kann nicht mehr regeneriert werden, dort werden die artenarmen Pfeifengraswiesen durch eine Beweidung mit Exmoorponys und Rindern („Rotes Höhenvieh“) in artenreichere Lebensräume umgewandelt.

Dank der Renaturierungsmaßnahmen kehren die Torfmoose allmählich zurück, was die verbesserte, nun wieder standorttypische Artenzusammensetzung belegt. Bis sie das Wasser wieder großflächig halten können und die Moorregeneration mit einsetzender Torfbildung komplettiert ist, werden jedoch schätzungsweise noch viele Jahrzehnte vergehen. Typische Pflanzen sind heute Wollgras mit seinen weißen Fruchtständen sowie Glocken- und Rosmarinenheide. Der klimatisch extreme Lebensraum mit starken Temperaturschwankungen im Tagesverlauf ist durch Artenarmut gekennzeichnet, da nur anspruchsarme und gut an das saure, nährstoffarme Milieu angepasste Pflanzen und Tiere hier überleben können. Das Mecklenbruch beherbergt heute verschiedene Libellenarten, Waldeidechsen und Moorfrösche sowie den „fleischfressenden“ Sonnentau.

Egal zu welcher Jahreszeit: Es gibt auch für regelmäßige Besucher immer etwas (Neues) zu entdecken, dazu erläutern zahlreiche Infotafeln ausführlich die Geschichte und Gegenwart des Hochmoors und seine Flora und Fauna. (Jürgen Höneke)