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Dienstag, 01. Dezember 2020

Die Bauschule – vor langer Zeit und heute

Eine kleine Holzmindener Geschichte in drei Teilen zum Nachdenken

Holzminden (27.01.2020). Teil 1: Vor langer Zeit, im 18. Jahrhundert, lagen östlich vor dem Oberen Tor von Holzminden wohl nur Wiesen oder Äcker. Dann kam die Industrie nach Holzminden, nachdem man im Solling Eisenerz gefunden hatte; Holz stand ja ausreichend zur Verfügung. Eine Eisenhütte mit mehreren Feuern entstand und brauchte Gebäude für Arbeiter, Tiere, als Lagerraum und ständig verfügbares Kühlwasser. Ein Wasserspeicher musste her, weil die Bäche aus dem Solling nicht ständig ausreichend Wasser liefern konnten. In Verbindung mit den Schleif- und Ölmühlen wurden so drei Teiche geschaffen.

Das Erz war schlecht, die Fabrik wurde nur knapp 100 Jahre alt und 1840 geschlossen. Die Gebäude verfielen langsam. Die Teiche blieben. Sie sind heute ein Wahrzeichen am Rande der Kernstadt. Mitglieder der Haarmann-Familien übernahmen das Wohnhaus des Hüttenmeisters mit großem Garten (dieser wurde später für das Eckhaus Haarmannplatz/Obere Straße bebaut).

Dann änderten sich die Zeiten.

Etwa ab 1821, begann Friedrich Ludwig Haarmann die Defizite der Bauleute zu erkennen und gründete 1831/32 die Baugewerkschule in Holzminden. Er benutzte zuerst die teilweise vernachlässigten Neben-Gebäude im Norden der ehemaligen Hütte, an der Nord-West-Ecke des Unteren Teiches. Neben der bestehenden Steinschleiferei im alten Hüttenwerk wurden einige Gebäude errichtet („Wohnkaserne“ mit entsprechenden Nebenräumen, teilweise auf der heutigen Fläche der Böntalstraße. Die westliche Gebäudeseite begann etwas östlich des Eingangs zum Darvinschen Haus; Baubeginn und Abriss bisher nicht bekannt geworden). Die Villen liegen näher am Ufer als die südliche Seite der „Wohnkaserne“.

1838 konnte das Darvinsche Haus für die schulischen Zwecke gemietet und 1871 aufgestockt werden.

Im Lauf der Jahre war die Stadt seit 1830 erweitert worden. Diese geplanten Neubauflächen für das Wohnen entstanden entlang der radialen Feldwegerschließung. In der Folge gab es viele dreieckige Grundstücksflächen für vielerlei Gebäudetypen.

Wieder einmal änderten sich die Zeiten und neue Trends kamen.

Die Teiche hatten nun keine gewerbliche Funktion mehr. Sie ermöglichten einen Luftaustausch in der wachsenden Stadt, nun unbelastet durch Industrie; trotz Dammlage der Bahnlinie. Oder?

Was Wunder, wenn mehrere Haarmann-Familien in der Mitte des 19. Jahrhunderts am Unteren Teich, entlang des Nordufers, ihre hochherrschaftlichen Villen errichteten (der Bauschuldirektoren, des Arztes – später Villa Rose – und der Administration der Solling Steinbrüche/Kauffmanns Villa). Zugänglich wurden diese Häuser durch die Straße „An den Teichen“ zwischen Zaun und Ufer. Die heutige Böntalstraße diente der rückwärtigen Versorgung. Die Hausnummern aus den alten Adressbüchern sind heute noch zu erkennen.

Die Ufer des Unteren Teiches waren frei zugänglich –eine interessante Wohn- und Freizeitlage!

Bald reichten der „Bauschule“ die Räume im Darvinschen Haus nicht mehr. So entstand 1898/99, nach Abriss der Gebäude am und im alten Hütten/Schleifmühlengelände, das heutige Hauptgebäude der damaligen „Bauschule“. Es wurde 1902 eingeweiht – natürlich in gehörigem Abstand zu den Villen und in einem, der damaligen Zeit entsprechendem Baustil. Man sollte nicht übersehen, dass im Jahr 1902, dem Zeitpunkt des repräsentativen Neubaus der Baugewerkschule, rund um das Gebäude ein wie üblich sehr repräsentativ gestalteter Freiraum geschaffen wurde. Das Gebäude sollte ja auch einen Blickfang bieten, bewundert werden.

Spätestens bei der Einrichtung der Baustelle „Neubau der Baugewerkschule“ müssen die Gebäude der „Wohnkaserne“ an der Schule abgebrochen worden sein.

Der Platz und das Umfeld für das 1869 geweihten Denkmals für Friedrich-Ludwig Haarmann stand mal wieder in Frage. Mehr als 100 Jahre war der Stadtraum zwischen der westlichsten Haarmann-Villa und dem heutigen Haarmannplatz unbebaut geblieben.

Teil 2: Wieder änderten sich Bauaufgaben und Zeittrends.

Im neuen Jahrtausend wird seitens der Bundes-, der Landes- und Fachpolitik gefordert, schonend mit dem wenigen verfügbaren Boden umzugehen, eher eine Verdichtung in den Siedlungsflächen anzustreben. Die zunehmend zugepflasterten Grundflächen um Wohn- und sonstige Gebäude müssten eigentlich verhindert werden.

Es beginnt die bauliche Ausnutzung der in der Stadt Holzminden vorhandenen Dreiecksflächen, um eine Verdichtung auf diesen Flächen zu erreichen und die Inanspruchnahme neuer Ackerflächen am Stadtrand zu vermeiden.

Eine Verdichtung erfolgt bis hin zum Beispiel zu mehrgeschossigen Gebäuden in eigentlich großzügig bebauten stadtnahen Wohngegenden, oft nur mit dem geringsten, zulässigen Abstand zwischen neuem Wohngebäude und alten Grundstücksgrenzen, mit negativer sozialräumlicher Beeinflussung der vorhandenen bebauten Grundstücke.

Rund ums Haus wird gepflastert, Gärten werden aufgegeben und immer mehr bisher offene, „grüne“ Flächen dem Auto als Parkplatz gewidmet. So vermehrt sich die Menge der Wasser undurchlässigen Oberflächen, nicht nur in der Nähe der großen Firmen oder in der Nähe der Kernstadt. Da fragt sich doch, ob nicht eine machbare Verdichtung gerade von großen Parkplätzen durch Überbauung Sinn macht, auch wenn dies teurer wird. So könnte in der neuen Zeit die bisher unangefochtene, offene Fläche rund um das Haarmann-Denkmal ebenfalls frei von Bebauung als Luftaustauschfläche bleiben, auch wenn dort erst kürzlich ein eigentlich unsinniger Parallelweg zum Ufer angelegt wurde.

Teil 3: Nach Auflösung der lokalen Dienststelle der Landwirtschaftskammer in Holzminden, im ehemaligen Krankenhaus der Stadt, übernahm 2008 die HAWK das Gebäude und sanierte es. Es gab aber Schwierigkeiten.

Spätestens nach 2015 entstanden wieder Erweiterungspläne der HAWK in Holzminden, für ein öffentliches Gebäude (!), und führen jetzt zu heißen Diskussionen über den angedachten Standort eines Neubaus. (Dr. Wolfram Grohs)

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