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Montag, 01. März 2021

Himmelsperlen in Pakistan

Annegret DrĂŒke von der Freikirchlichen Gemeinde Holzminden hat mit „Himmelsperlen Int. e.V.“ Arbeitssklaven in Pakistan besucht

Holzminden/Lahore (30.04.2020). Sonntagmorgen, 5 Uhr. Es regnet rote RosenblĂ€tter! Freudige BegrĂŒĂŸung auf pakistanische Art am Flughafen in Lahore, Pakistan. Blumengirlanden und BlumenstrĂ€uße – die Willkommensfreude ist groß. Mein zweiter Besuch in Pakistan. Ich freue mich, wieder hier zu sein!

Unsere siebenköpfige Reisegruppe ist im Auftrag von Himmelsperlen International e.V. nach Pakistan gekommen. Die Leitung hat Margret Meier, Pastorin i. R., Vorsitzende des Vereins und GrĂŒnderin der School of Grace in Lahore. Ich vertrete unsere Gemeinde, die das Schulprojekt unterstĂŒtzt, die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Holzminden. Wir wollen den Menschen hier dienen und die Projekte unserer lokalen Partner vor Ort besuchen.

Die Minibusse der School of Grace bringen uns zu unserer einfachen Unterkunft. Ich nehme den Schmutz auf den Straßen wahr. Die Berge von AbfĂ€llen. Die alles bedeckende, graue Staubschicht. Die rauchige, stinkige Luft, die meine Augen reizt. Den unaufhörlichen StraßenlĂ€rm mit Hupen auf allen Seiten – willkommen in Pakistan!

Unser erster Termin ist eine Premiere! Wir erleben den offiziellen GrĂŒndungsgottesdienst einer Ziegelfabrik-Gemeinde (Kirchengemeinde). Die Menschen auf den Ziegelfeldern haben ein hartes Schicksal. Sie sind Arbeitssklaven, Leibeigene! Sie leben unter menschenunwĂŒrdigen Bedingungen, ausgebeutet, unterdrĂŒckt. Heute sind circa 150 von ihnen gekommen, um mit uns Gottesdienst zu feiern. Mitten im Schmutz der Ziegelei ist ein Zeltdach aufgestellt und ein Teppich ausgerollt – eine Kirche!

In Pakistan werden mehr als zwei Millionen Christen und andere Minderheiten, fern ab von Freiheit, Bildung und ohne Perspektive, wie Leibeigene gehalten. Offiziell ist dies unter Strafe verboten! Doch Politik, Justiz und Polizei decken die Sklavenhalter, die oft zu den reichsten Familien des Landes gehören. Auch die Kinder mĂŒssen mitarbeiten. Kinderarbeit statt Schule! Das Elend der UnterdrĂŒckung ist unermesslich groß.

Es bricht mir jedes Mal wieder das Herz, wenn wir die Menschen in ihren „Drecklöchern“ besuchen. In so einem „Loch“ lebt auch meine kleine Freundin Sara.

Ich freue mich riesig, das MĂ€dchen wiederzusehen. Sie freut sich genauso. Sara ist zehn Jahre alt. Seit vielen Jahren pflegt sie ihre kranke Mutter, kĂŒmmert sich um die kleine Schwester, wĂ€hrend der Vater auf dem Ziegelfeld arbeitet. Schulbildung? Nicht fĂŒr Sara.

Die Kinder auf den Ziegelfeldern haben keine Spielsachen, keine Förderung, keine Perspektive. Wie die meisten ihrer Eltern, sind und bleiben sie Analphabeten. Sobald sie alt genug sind, mĂŒssen sie mithelfen. Den ganzen Tag drehen sie im hockenden Laufen in brĂŒtender Hitze, die Ziegel zum Trocknen um.

Um diese Perspektivlosigkeit und den Teufelskreis der Sklaverei zu brechen, grĂŒndete Margret Meier 2017, gemeinsam mit einem christlichen Lehrerehepaar vor Ort, die School of Grace (Schule der Gnade). Es ist die einzige Schule in Lahore, die ausschließlich Kinder von den Ziegelfeldern aufnimmt.

Morgen werden wir die Schule besuchen. Unser weiteres Programm umfasst auch GesprĂ€che ĂŒber die geplante Fortbildung der LehrkrĂ€fte. Eine Leiterschafts-Schulung. Zwei Elternnachmittage auf den Ziegelfeldern (Bedeutung des Schulunterrichts, Hygiene und ErnĂ€hrung). Zwei Frauenkonferenzen. ZunĂ€chst besuchen wir die „School of Grace“. Die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Holzminden gehört von Anfang an zu den UnterstĂŒtzern dieser Schule.

2018 wurde der Verein „Himmelsperlen International e.V.“ gegrĂŒndet. Seine Einsatzgebiete umfassen Projekte in Pakistan, Libanon und Syrien. Das gesamte Schulprojekt in Pakistan wird ĂŒber diesen Verein aus Deutschland finanziert.

Mittlerweile beschĂ€ftigt die School of Grace 30 LehrkrĂ€fte, Hausmeister, Fahrer und Security-Mitarbeiter. Seit letztem Jahr wird ein zweites GebĂ€ude angemietet, um die inzwischen 250 SchĂŒler unterzubringen. Es ist uns eine große Freude, die Schule zu besuchen!

Als wir nach langer Fahrt durch den chaotischen, lĂ€rmenden Verkehr, endlich ankommen, werden wir mit noch mehr LĂ€rm freudestrahlend begrĂŒĂŸt. Die pakistanische Willkommenskultur ist unglaublich, ĂŒberschwĂ€nglich, herzlich! Mit lautem Trommelwirbel, fröhlichen TĂ€nzen, RosenblĂ€ttern, Girlanden und Geschenken werden wir willkommen geheißen.

Ich bin begeistert von dem, was ich sehe! FĂŒr die Kinder eröffnet sich eine neue Welt! Ich freue mich so, dass diese Kinder eine Chance auf ein besseres Leben haben. Eine Chance, der Sklaverei zu entfliehen, den Teufelskreis zu durchbrechen.

Am Dienstag haben wir zu einer Frauenkonferenz eingeladen. Circa 250 Frauen von den Ziegelfabriken erwarten uns bereits, als wir den großen Raum betreten. Lauter, pakistanischer Lobpreis, herzliche BegrĂŒĂŸung und große Freude erfĂŒllen den Saal. Diese Frauen genießen es, einmal dem harten, schmutzigen Alltag auf den Ziegelfeldern entfliehen zu können. Eine höchst seltene Gelegenheit. Diese Frauen brauchen Ermutigung und innere StĂ€rkung. Margret Meier predigt zum Thema: „Glaube ist gelebte Beziehung zu Jesus“. Viele kommen anschließend mit ihren Nöten zum persönlichen Gebet.

Die Leiterschafts-Schulung ist gut besucht. Auch die Elternschulungen auf den Ziegelfeldern werden gut angenommen. Wir ermutigen die Eltern, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Wir unterweisen sie in Sachen Hygiene und ErnÀhrung. Wir zeigen, wie man ZÀhne putzt und verteilen Zahnputzzeug.

Sehr berĂŒhrend sind unsere Besuche in zwei christlichen WaisenhĂ€usern. Diese Kinder sind zum Teil durch BombenanschlĂ€ge auf Kirchen elternlos geworden. Sie werden unter einfachsten Bedingungen betreut und versorgt. Ihre Lebensfreude ist ansteckend! Und natĂŒrlich haben wir SĂŒĂŸigkeiten, Spielzeug und Kleidung fĂŒr die Kinder dabei.

Ein besonderes Erlebnis ist auch der offene Markt in Lahore. Unsere Betreuer haben alle HĂ€nde voll zu tun, uns zu „bewachen“. Wir dĂŒrfen uns nie alleine in der Öffentlichkeit bewegen. Es ist zu gefĂ€hrlich, zumal wir Christen sind. Pakistan steht im Weltverfolgungsindex fĂŒr Christen auf Platz fĂŒnf. In Pakistan gilt das Recht der Scharia.

Mit einer zweiten Frauenkonferenz geht eine volle, intensive Woche zu Ende. FĂŒr mich persönlich war es eine sehr erfĂŒllende Zeit. Die EindrĂŒcke aus dieser „anderen Welt“ werden mich noch lange begleiten.

Wer NĂ€heres ĂŒber diese Arbeit erfahren möchte, darf sich gerne an mich wenden unter a.drueke@t-online.de. Auch neue UnterstĂŒtzer sind immer willkommen. (Annegret DrĂŒke)

 

Pakistan in der Corona-Krise

Von Pakistan hören wir in den Medien ja gar nichts, aber wie man sich denken kann, leiden die Armen und speziell die Arbeitssklaven ganz besonders unter den momentanen Restriktionen. Die Tagelöhner, die zurzeit nicht arbeiten dĂŒrfen, sind mit ihren Familien nicht versorgt und leiden großen Hunger.

Der Verein Himmelsperlen hat Spendengelder ĂŒberwiesen und unsere Partner vor Ort haben auf sechs Ziegelfeldern viele Nahrungsmittelpakete verteilt (Mehl, Reis, Öl und Seife). Das ist natĂŒrlich nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Zudem haben sie die Menschen ĂŒber das Virus und nötige Maßnahmen unterrichtet. Auch außerhalb der Ziegelfelder stehen tĂ€glich Menschen an der HaustĂŒr und betteln um Nahrung fĂŒr sich und ihre Kinder.

Die Situation ist fĂŒr uns unvorstellbar. Die Menschen dort leiden wirklich!  A. DrĂŒke

Kontakt

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E-Mail: info@tah.de

 

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