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Montag, 01. März 2021

Wenn der April macht, was er will...

Ein klassischer Aprilwettertag alter Schule / Aprilwetter Teil II

Kreis Holzminden (21.04.2020). Zunehmend sonnig, trocken und warm – das war das Fazit des ersten Teils ĂŒber das Wetter im April und seine Entwicklung der letzten Jahrzehnte. Dabei versteht man unter Aprilwetter ursprĂŒnglich etwas anderes, der Begriff hat sogar einen eigenen Eintrag bei Wikipedia: „Als Aprilwetter wird umgangssprachlich ‚launisches‘, wechselhaftes Wetter mit rascher Abfolge von Sonnenschein, Bewölkung und Regen (mitunter Schnee und Hagel) bezeichnet.“

Bei einem solch schnellen Wechsel zwischen teils krĂ€ftigen Schauern und Sonnenschein ist in der Regel sehr kalte Luft in höheren Schichten in etwa 5.500 Metern, auch Höhenkaltluft genannt, beteiligt. Die Luft in BodennĂ€he wird dagegen von der bereits krĂ€ftigen Sonneneinstrahlung deutlich erwĂ€rmt und steigt auf, es kommt zu konvektiven Umlagerungen und anschließend zur Auslöse von Schauern, teils Gewittern. Solche Wetterereignisse können auch zu anderen Jahreszeiten auftreten, sind aber im FrĂŒhjahr wegen der großen Temperaturunterschiede zwischen Nord und SĂŒd besonders ausgeprĂ€gt. Der Himmel zeigt sich in der höhenkalten Luft abseits der Wolken oft in einem besonders tiefen Blau, auch das macht diese Wetterlagen bei Hobbyfotografen so beliebt. Ein anschauliches Beispiel fĂŒr einen solchen Aprilklassiker bot sich im Raum Holzminden vor vier Jahren am frĂŒhen Nachmittag des 24. April 2016. Anhand einer Reihe von Fotos soll die Abfolge dokumentiert, zudem ein kurzer Blick auf das meteorologische Geschehen geworfen werden:

Am 23. April um 0 Uhr UTC (frĂŒher GMT) befand sich der Kern des Tiefs Theres ĂŒber dem östlichen Alpenraum. Ein von Nordfrankreich bis zum Kern von Tief Stefanie ĂŒber Westrussland befindliches Frontensystem trennte Subpolarluft von den Luftmassen der mittleren Breiten. Nördlich dieser Luftmassengrenze stellte sich fĂŒr die Jahreszeit zu kĂŒhles und wechselhaftes Wetter ein. 24 Stunden spĂ€ter verlagerte sich Tief Theres Richtung Ost/Nordost und bildete einen zweiten Kern aus. In der eingeflossenen labilen Kaltluft entwickelten sich krĂ€ftige Schauer und einzelne Gewitter. In Deutschland blieb es bei meist einstelligen Höchstwerten von 6 bis 9°C. Neben zeitweiligem Sonnenschein zogen immer wieder Schauer in Form von Graupel und Schnee sowie kurze Gewitter durch. Dabei wurden stĂŒrmische Böen von 50 bis 65 km/h registriert.

Vor Ort waren es als Höchstwert an der DWD-Station in Bevern 7,7 °C, in der Umgebung wurden Windböen bis etwa 55 km/h gemessen und die Sonne zeigte sich ĂŒber den Tag verteilt knapp vier Stunden. Auf den Inseln und an den KĂŒsten dagegen bis zu zwölf Stunden, diese Regionen sind bei solchen Wetterlagen im FrĂŒhjahr bevorzugt beim Sonnenschein, weil die noch kalten Meere zur Stabilisierung beitragen, Wolken und Schauer bilden sich meist erst ĂŒber der Landmasse. Die Regenmenge blieb in Bevern mit 3,7 mm ĂŒberschaubar und im Rahmen der bei solchen Höhenkaltluftlagen ĂŒblichen Mengen, fĂŒr ergiebigere Schauer brĂ€uchte es mehr feuchte Warmluft, wie man sie aber meist erst im weiteren Verlauf des Sommerhalbjahres vorfindet.

Aktuell haben wir es in diesem April mit einer sehr stabilen und trockenen Hochdrucklage zu tun, aber vielleicht entwickelt sich ja doch noch eine Phase mit „klassischem“ Aprilwetter? Dann heißt es: Kamera bereithalten und den Auslöser drĂŒcken! (JĂŒrgen Höneke)

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