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Samstag, 28. November 2020

Wenn der April macht, was er will...

Ein klassischer Aprilwettertag alter Schule / Aprilwetter Teil II

Kreis Holzminden (21.04.2020). Zunehmend sonnig, trocken und warm – das war das Fazit des ersten Teils über das Wetter im April und seine Entwicklung der letzten Jahrzehnte. Dabei versteht man unter Aprilwetter ursprünglich etwas anderes, der Begriff hat sogar einen eigenen Eintrag bei Wikipedia: „Als Aprilwetter wird umgangssprachlich ‚launisches‘, wechselhaftes Wetter mit rascher Abfolge von Sonnenschein, Bewölkung und Regen (mitunter Schnee und Hagel) bezeichnet.“

Bei einem solch schnellen Wechsel zwischen teils kräftigen Schauern und Sonnenschein ist in der Regel sehr kalte Luft in höheren Schichten in etwa 5.500 Metern, auch Höhenkaltluft genannt, beteiligt. Die Luft in Bodennähe wird dagegen von der bereits kräftigen Sonneneinstrahlung deutlich erwärmt und steigt auf, es kommt zu konvektiven Umlagerungen und anschließend zur Auslöse von Schauern, teils Gewittern. Solche Wetterereignisse können auch zu anderen Jahreszeiten auftreten, sind aber im Frühjahr wegen der großen Temperaturunterschiede zwischen Nord und Süd besonders ausgeprägt. Der Himmel zeigt sich in der höhenkalten Luft abseits der Wolken oft in einem besonders tiefen Blau, auch das macht diese Wetterlagen bei Hobbyfotografen so beliebt. Ein anschauliches Beispiel für einen solchen Aprilklassiker bot sich im Raum Holzminden vor vier Jahren am frühen Nachmittag des 24. April 2016. Anhand einer Reihe von Fotos soll die Abfolge dokumentiert, zudem ein kurzer Blick auf das meteorologische Geschehen geworfen werden:

Am 23. April um 0 Uhr UTC (früher GMT) befand sich der Kern des Tiefs Theres über dem östlichen Alpenraum. Ein von Nordfrankreich bis zum Kern von Tief Stefanie über Westrussland befindliches Frontensystem trennte Subpolarluft von den Luftmassen der mittleren Breiten. Nördlich dieser Luftmassengrenze stellte sich für die Jahreszeit zu kühles und wechselhaftes Wetter ein. 24 Stunden später verlagerte sich Tief Theres Richtung Ost/Nordost und bildete einen zweiten Kern aus. In der eingeflossenen labilen Kaltluft entwickelten sich kräftige Schauer und einzelne Gewitter. In Deutschland blieb es bei meist einstelligen Höchstwerten von 6 bis 9°C. Neben zeitweiligem Sonnenschein zogen immer wieder Schauer in Form von Graupel und Schnee sowie kurze Gewitter durch. Dabei wurden stürmische Böen von 50 bis 65 km/h registriert.

Vor Ort waren es als Höchstwert an der DWD-Station in Bevern 7,7 °C, in der Umgebung wurden Windböen bis etwa 55 km/h gemessen und die Sonne zeigte sich über den Tag verteilt knapp vier Stunden. Auf den Inseln und an den Küsten dagegen bis zu zwölf Stunden, diese Regionen sind bei solchen Wetterlagen im Frühjahr bevorzugt beim Sonnenschein, weil die noch kalten Meere zur Stabilisierung beitragen, Wolken und Schauer bilden sich meist erst über der Landmasse. Die Regenmenge blieb in Bevern mit 3,7 mm überschaubar und im Rahmen der bei solchen Höhenkaltluftlagen üblichen Mengen, für ergiebigere Schauer bräuchte es mehr feuchte Warmluft, wie man sie aber meist erst im weiteren Verlauf des Sommerhalbjahres vorfindet.

Aktuell haben wir es in diesem April mit einer sehr stabilen und trockenen Hochdrucklage zu tun, aber vielleicht entwickelt sich ja doch noch eine Phase mit „klassischem“ Aprilwetter? Dann heißt es: Kamera bereithalten und den Auslöser drücken! (Jürgen Höneke)

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