Montag, 13. Juli 2020

Der neue Wonnemonat heißt April

Farbenpracht in der Natur und Rekordsonnenschein, aber lange kaum Regen

Kreis Holzminden (11.05.2020). Über das hohe Tempo, in dem sich der April in den letzten 15 Jahren erwärmt und dabei häufig mehr Sonnenscheinstunden gebracht hat als der Mai, hatten wir ausführlich im TAH vom 20. April berichtet. Zur Monatsmitte zeichnete sich bereits ab, dass sich auch die 2020er-Ausgabe nahtlos in diesen Trend einfügen würde. Am Ende stand sogar der mit Abstand sonnigste April seit Messbeginn sowie ein weiterer sehr warmer, wenn auch im Kontext der rasanten Erwärmung der jüngsten Vergangenheit nicht mehr ungewöhnlich warmer Monat, der zudem lange mit Regen geizte. Erst ein Wechsel der Großwetterlage in den letzten Tagen brachte etwas Linderung der wieder auflebenden Trockenheit.

Mit einer Mitteltemperatur von 10,65 °C war es an der DWD-Station in Bevern im April 2020 um 1,8 Grad (Kelvin) wärmer als im Durchschnitt der Jahre 1981-2010. In der Messreihe Bevern/Holzminden, die seit Juni 1934 besteht, reichte dies dennoch nicht für einen Platz unter den wärmsten zehn, er landet direkt dahinter auf Rang elf. Allein seit 2007 war es im April fünfmal noch wärmer. Erstmals gab es aber drei Aprilmonate in Folge mit einer Mitteltemperatur von über zehn Grad. Mit einem Sprung von einer 30-jährigen Mitteltemperatur von 7,93 °C im Zeitraum 1961-1990 auf 9,51 °C in der Periode 1991-2020 hat sich der April um fast 1,6 Kelvin und damit so stark wie kein anderer Monat erwärmt. Den deutlichen Überschuss in diesem Jahr verdankt er den vielen Hochdruckwetterlagen und der Erwärmung der Luft durch die starke Sonneneinstrahlung.

Wirklich warme Luftmassen waren in dem überwiegend von Nordwest-, Nord- und Ostlagen geprägten Monat kaum einmal im Spiel. Auch deshalb blieben die Nächte oft frisch, zu Monatsbeginn gab es noch Luftfrost bis zu -4,6 °C und Bodenfrost begleitete uns bis kurz vor Schluss immer wieder. Bei den Tageshöchstwerten gab es ein Zickzack-Muster, also keine längere warme Phase mit Werten über 20 Grad über Tage hinweg, wie wir sie zuletzt mehrfach im April erlebt hatten. Auf ein bis zwei warme Tage folgte jeweils eine vorübergehende Abkühlung. Der wärmste Tag war der 8. mit einem Maximum von 24,2 °C. Der erste meteorologische Sommertag, zuletzt häufiger bereits im April anzutreffen, ließ also noch auf sich warten.

Die Wetterstation in Silberborn meldete eine Monatstemperatur von 9,1 °C, was einer Abweichung von +2,4 Grad gegenüber dem dortigen Klimawert der Jahre 1981-2010 entspricht. Im Hochsolling war es also relativ betrachtet über ein halbes Grad wärmer als in Bevern. Wie so häufig wurde es bei Hochdrucklagen dort nachts und am frühen Morgen nicht so kalt wie im Wesertal, die mittlere Tiefsttemperatur lag an der Silberborner Station um ein halbes Grad höher als in Bevern. Am 6. und 8. April wurden die für diese Höhenlage frühen ersten warmen Tage mit einem Höchstwert von etwas über 20 Grad gemessen.

Trotz eines kalten Starts brachte der April erneut eine frühe Obstblüte inklusive der damit verbundenen Gefahr durch Spätfrostschäden. Diesmal ging aber erst einmal alles gut, die in den Wettermodellen gezeigten Fröste zur Monatsmitte traten weiter südlich auf als ursprünglich berechnet und verschonten unsere Region bis auf ganz leichten Frost in der Nacht zum 15. Doch noch sollten Hobbygärtner die Wettervorhersage aufmerksam im Blick behalten und empfindliche Pflanzen nicht draußen stehen lassen, denn zum Zeitpunkt der Entstehung dieses April-Rückblicks deutet sich übereinstimmend in den führenden Wettermodellen ein kräftiger Kälterückfall zu Beginn der zweiten Maidekade beginnend mit der Nacht zum Montag an, also zu dem Zeitpunkt, der immer noch als Start in die „Eisheiligen“ gilt, obwohl – wie in vielen Auswertungen klar gezeigt werden konnte – das Frostrisiko der jahreszeitlichen Entwicklung folgend Anfang Mai am höchsten ist und dann kontinuierlich sinkt. Da es sich dabei aber um Durchschnittswerte handelt, kommen Abweichungen davon natürlich gelegentlich vor, worauf der Mairückblick genauer eingehen wird.

Aber zurück zum April und seiner Niederschlagsbilanz, die lange Zeit kaum mehr als nichts betrug, bevor die Umstellung auf eine Westlage kurz vor Monatsende doch noch Regen brachte, zunächst nur ein paar Liter pro Quadratmeter, zum Ultimo am 30. sogar ergiebige Mengen von verbreitet um 17 mm an den verschiedenen Messstellen des Kreises, der sich genau innerhalb eines recht schmalen Korridors befand, in dem ein intensives Regengebiet vom Saarland bis zur Wismarbucht zog. Die Monatssumme in Bevern blieb mit 29,7 mm dennoch deutlich unter den langjährigen Mittelwerten, bezogen auf den Zeitraum 1981-2010 fielen nur knapp 60%, wobei der Trend weiterhin nach unten zeigt: Das neue Klimamittel der Jahre 1991-2020 beträgt nur noch 45,7 mm, von 1961-1990 waren es noch 55,2 mm. Betrachtet man nur die letzten 15 Jahre seit 2006, sind es sogar nur noch 37,8 mm. Der April ist damit in der Region wie auch im deutschen Gebietsmittel zum trockensten Monat des Jahres geworden. Das gilt auch für den Standort Silberborn, wo die elektronische Messung der Station 31 mm ergab, was sogar nur 45% des dortigen Mittels der Jahre 1981-2010 entspricht. Dieser Wert ist aber als vorläufig und erfahrungsgemäß etwas zu niedrig einzustufen, die genaueren handgemessenen Werte werden im Mairückblick nachgereicht, da die Aufzeichnungen aufgrund der Corona-Verordnungen noch nicht aus dem Dorfgemeinschaftshaus abgeholt werden konnten.

Auch ohne einen offiziellen Sonnenscheinmesser vor Ort kann zweifelsfrei festgestellt werden: So sonnig war es in einem April noch nie und selbst von Mai bis Juli nur ganz selten. Mit fast 294 Stunden wurde der alte Rekord aus dem Jahr 2007 um 32 Stunden übertroffen und damit war unsere Region sogar – was eine weitere Seltenheit ist – noch etwas sonniger als das bundesdeutsche Gebietsmittel, das mit 292,4 Stunden nach Angaben des DWD ebenfalls einen neuen Rekordwert erreichte.

Eine Auswertung des Meteorologen Michael Theusner (der die sehr empfehlenswerte Seite mtwetter.de mit aktuellen und historischen Werten aller DWD-Stationen betreibt) ergab, dass der April 2020 bezogen auf die astronomisch mögliche Sonnenscheindauer sogar der sonnigste Monat überhaupt seit Messbeginn war – ebenfalls bundesweit wie lokal.

Um die Besonderheit der letzten Wochen in Gänze zu erfassen, lohnt es sich, auch die sehr hochdrucklastige und sonnige zweite Märzhälfte einzubeziehen. Betrachtet man die sechseinhalb Wochen vom 14. März bis zum 27. April, ergeben sich vor Ort rund 429 Stunden Sonnenschein in diesen 45 Tagen, ein zuvor nicht annähernd erreichter Wert. Zum Vergleich: Die Sommer 1977 und 1980 schafften an 92 Tagen mit zusätzlich längerer astronomisch möglicher Sonnenscheindauer nur 410 beziehungsweise 423 Stunden.

Und wo wir gerade beim Blick in die Vergangenheit sind, soll abschließend der April von 1970 kurz in Erinnerung gerufen werden: Vor 50 Jahren war es selbst für die damaligen klimatischen Verhältnisse ausgesprochen kalt und trüb. In Holzminden wurde mit 6,2 °C der sechstkälteste April der Messreihe registriert, er war damit über 1,7 K kälter als das Mittel 1961-1990 und sogar fast 4 K kälter als der Schnitt der letzten 15 Jahre. Bundesweit wie lokal war es der zweitkälteste April der letzten 50 Jahre hinter 1973. Die 20-Grad-Marke wurde hier an keinem Tag erreicht, dafür hatte jener April andere „Qualitäten“: Mit gerade einmal 82 Stunden Sonnenschein ist er der trübste in der Region seit Messbeginn und damit der Gegenpol zum rekordsonnigen 2020er. Dafür regnete es mit 82,3 mm sehr ergiebig und es gab an der Holzmindener Station sogar noch eine dünne Schneedecke am 3. April, in Höxter auch noch einmal am 5. Im Solling wurde damals leider nicht gemessen, doch deuten Werte anderer Stationen auf etwa 400 m Höhe darauf hin, dass es im Solling 14-15 Schneedeckentage gegeben haben dürfte mit Schneehöhen bis über 20 cm. 1970 war zudem eines der kältesten Frühjahre der lokalen Klimareihe, nachdem es zuvor bereits den zweitkältesten Nachkriegswinter hinter 1962/63 gegeben hatte. Erst im Mai endete die Serie von fünf außergewöhnlich kalten Monaten vor 50 Jahren. (Jürgen Höneke)