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Dienstag, 01. Dezember 2020

Zeitreise zurück zu Silberborns Anfang

Drei Stationen mit drei Glashütten in und um Silberborn: Heimatmuseumsverein startet ersten Glasrundweg seiner Art

Holzminden (22.06.2020). Frische Luft tanken und dabei Silberborns Entstehungsgeschichte kennenlernen – eine lohnenswerte Kombination. In den letzten Wochen hat der Heimatmuseumsverein Hochsolling Silberborn einen historischen Glasrundweg ins Leben gerufen – er sei der erste Rundweg dieser Art, verdeutlicht der Vereinsvorsitzende, Wolfgang Peter. Er hat an den jeweiligen drei Standorten in und um Silberborn Schilder mit allen wichtigen Infos aufgestellt.

Erwandert werden auf dem Glasrundweg also die drei historischen Glashüttenstandorte in und um Silberborn. Startpunkt ist das Glas- und Heimatmuseum, Angerstraße 1 in Silberborn – auch das Anna Soecknick-Haus genannt.

Ruhländersche Glashütte

Von hier aus geht es zur Ruhländerschen Glashütte – der ersten Glashütte im Solling. Ohne sie würde es Silberborn heute gar nicht geben. Sie war die erste Siedlung und ist der Ursprung des Dorfes.

Die Kammer in Hannover genehmigte den Glasmeistern Georg und Johann Ruhländer mit einem Vertrag vom 23. Februar 1742, am Dasselschen Mittelberge eine Glashütte anzulegen. Beim damaligen Silberbrunnen wurde sie im selben Jahr errichtet und in Betrieb genommen. Das Gebäude steht heute nicht mehr. Es befand sich hinter dem heute in der Angersraße 8 stehenden Fachwerkhaus. Die 35-köpfige Glasmacherbelegschaft lebte in ganz einfachen Behausungen in der Hüttensiedlung.

Hergestellt wurden in der Ruhländerschen Glashütte Fenster- und Hohlglas. Zum Schmelzen des Glases wurden Quarzsand aus der nahen Sandwäsche und als Flussmittel Pottasche eingesetzt. Versuche, die Glasöfen mit Torf zu heizen, scheiterten. Deswegen kam Buchenholz zum Einsatz.

Sechs Jahre später, am 24. Februar 1748, wurde entschieden, die Glashütte am Dasselschen Mittelberg wegen des zunehmenden Buchenholzverbrauchs und der langen Anfuhrwege des Holzes eingehen zu lassen.

Großer Dank gilt heute der Familie Möller, die in der Angerstraße 8 in Silberborn lebt, „dass wir den Info-Pfahl in ihrem Vorgarten aufstellen durften“, sagt Wolfgang Peter bei der Begehung.

Torfhütte am Mecklenbruch

Bei der nächsten Station des Glasrundwegs geht es für die Teilnehmer entlang des Holzskulpturwegs zur Torfhütte am Mecklenbruch. Im Jahr 1799 rückten die Schorborner Glasmacher noch näher an die damalige Hannoversche Grenze heran. Sie sind zum Jahrhundertwechsel daran interessiert, den Torf im Mecklenbruch als Brennmaterial zu verwerten. Sie bauten zunächst eine Probe-Glashütte. Das Brauchwasser wurde vom nahegelegenen Köhnenborn hergeleitet, der heute noch Wasser führt. Die Probephase war erfolgreich: Gutes grünes Hohlglas wurde hier hergestellt. Somit erfolgte 1802 der Bau und der Betrieb der sogenannten Torfhütte, die als Zweigstelle der Glashütte Schorborn mit Torf und Baumstümpfen betrieben wurde. Später wurden noch zwei Wohnhäuser dazu errichtet.

Schon bald wurde Grün-, Braun-, Bunt- und Weißglas in der Torfhütte hergestellt. Die Produkte waren hauptsächlich Flaschen-, Tinten- und Medizingläser. Zehn Jahre nach dem Start der Glashütte, im Jahre 1812, wurde der Torfstich – nachdem der Torf auf einer Fläche von 17 Hektar bereits abgebaut war – verboten. Nun musste auf Holz zurückgegriffen werden, um die Glasöfen anzufeuern.

Bis 1829 lief der Betrieb in der Torfhütte. Dann musste der Betrieb eingestellt werden. Grund: Alles Buchenholz vom Langenberg, Vogelherd, Hundebruch, Wildenbuchen und Eckenbruch war verbraucht. Die Arbeiter gingen in die Glashütten in Schorborn oder Mühlenberg.

Kraazschen Glashütte

Weiter führt der Silberborner Glasrundweg über den Naturholzsteg des Hochmoores zur Kraazschen Glashütte. Die Gebrüder August und Heinrich Kraaz beantragten 1841 den Bau einer grünen Hohlglashütte am Moosberg bei Silberborn. Ein Jahr später, im Jahre 1842, nimmt sie den Betrieb auf.

Die Glashütte – am heutigen Ortseingang zu Silberborn von Dassel kommend gelegen – bestand aus einem Hüttengebäude mit Öfen und zugehörigem Sandhaus. Außerdem befanden sich an der Stelle eine Einrichtung zum Glasschleifen, ein Glasmacherhaus sowie ein Herrenhaus. In den ersten Jahren wurden die Hüttenöfen mit Torf geheizt. Später wurde Holz verwendet. Das Wasser kam aus dem eigenen Brunnen.

Auch Glasmacher aus den eingegangenen Glashütten in Mühlenberg oder Schorborn fanden in der Kraazschen Glashütte Arbeit. Teilweise waren hier bis zu 47 Mitarbeiter beschäftigt. Überwiegend hergestellt wurden in der Glashütte Medizinflaschen in verschiedenen Größen, Baby-Trinkflaschen, Flaschen für Schnupftabak und Schnaps, Tintenfässer, bunte und geschliffene Gläser sowie Glaskugeln mit bunten Farbeinsprengungen – verwendet als Briefbeschwerer.

67 Jahre lang sorgte die Kraazsche Glashütte für Erwerb und Nahrung der Silberborner. Anfang des 20. Jahrhunderts, im Jahre 1909, geht sie Konkurs.

Die Glaswanderung endet schließlich am Startpunkt, dem Silberborner Glas- und Heimatmuseum. Eine geführte Glaswanderung mit Wolfgang Peter findet am 26. September um 14 Uhr statt. Führungen können aber auch zu jeder anderen Zeit unter 05536/727 gebucht werden. Der Glasrundweg ist ein Projekt in der Glaslandschaft Solling-Vogler-Hils im Weserbergland. (Anika Pfeiffer)

Kontakt

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