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Montag, 01. Mšrz 2021

Zweikampf zwischen Sommer und Herbst

Der September war nach verhaltenem Start nochmals heiß, trocken und sehr sonnig

Kreis Holzminden (12.10.2020). Bekanntlich ticken die meteorologischen Jahreszeiten etwas anders als die astronomischen: W√§hrend nach der Definition der Wetter- und Klimawissenschaft am 1. September bereits der Herbst Einzug gehalten hat, gew√§hrt der Kalender dem Sommer noch eine dreiw√∂chige Nachspielzeit ‚Äď und zumindest ein Teil davon fiel tats√§chlich ausgesprochen sommerlich aus. Zur Monatsmitte kletterten die Temperaturen in den tieferen Lagen der Region sogar f√ľr drei Tage √ľber die 30-Grad-Marke. Ein leicht unterdurchschnittlich temperiertes erstes Monatsdrittel sowie eine markante Abk√ľhlung im Laufe der letzten Woche sorgten daf√ľr, dass die Monatsmitteltemperatur nicht wesentlich √ľber den langj√§hrigen Mittelwerten landete. Klarer fiel die Bilanz bei Niederschlag und Sonnenschein aus: Es war landkreisweit deutlich zu trocken und au√üergew√∂hnlich sonnig

Mit einer Mitteltemperatur von 14,65 ¬įC war der September 2020 an der DWD-Station in Bevern um 0,7 Kelvin w√§rmer als im Durchschnitt der Jahre 1981-2010. Gegen√ľber dem ab dem kommenden Jahr g√ľltigen 30-Jahres-Mittel ab 1991 betrug die Abweichung noch 0,45 K. Auch in diesem Jahr zeigte sich wieder, dass hohe positive Temperaturanomalien im September im Vergleich zu vielen anderen Monaten nur vereinzelt vorkommen und selbst ein ungew√∂hnlich warmer Witterungsabschnitt, wie wir ihn mit dem H√∂hepunkt der kleinen Hitzewelle zur Monatsmitte erlebt haben, in der Monatsmitteltemperatur kaum wiederzufinden ist. Anschaulich formuliert befand sich diese knapp zweiw√∂chige, sommerlich bis hochsommerlich anmutende Phase in einem ‚ÄěSandwich‚Äú, umgeben von einer fr√ľhherbstlichen ersten Dekade und einer weitgehend vollherbstlichen letzten Pentade. 

Wie ordnet sich dieser Monat in die lokale Klimareihe ab 1934 sowie in die Phase der globalen Erw√§rmung seit Herbst 1987 ein? Schaut man auf die vergangenen 30 Jahre zur√ľck, so f√§llt auf, dass die gro√üe Mehrzahl der September in einem recht engen Korridor um den langj√§hrigen Durchschnittswert pendelt ‚Äď bei allerdings drei markanten Ausrei√üern nach oben: 1999, 2006 und 2016 mit 17,4 bis 17,5 Grad Monatstemperatur. Statistiker sprechen in solchen F√§llen von einer rechtsschiefen Verteilung, der Median (der mittlere Wert der betrachteten Zahlenreihe, wenn man diese nach ihrer Gr√∂√üe sortiert) liegt unter dem arithmetischen Mittelwert, der gerade bei einer geringe Stichprobe anf√§llig ist f√ľr Verzerrungen aufgrund einzelner extremer Ausrei√üer. Allerdings sind solche schiefen Verteilungen gerade beim Wetter nicht ungew√∂hnlich, in den Wintermonaten ist h√§ufig der umgekehrte Effekt zu beobachten: wenige sehr kalte Exemplare dr√ľcken den Mittel- oder Durchschnittswert unter den Median. F√ľr den September bleibt festzuhalten, dass es auf der anderen Seite der Verteilung an sehr k√ľhlen Exemplaren in den letzten 30 Jahren nahezu fehlt ‚Äď sieht man vielleicht einmal von 1996 ab, wobei jenes Jahr in der Zeit nach 1987 insgesamt eine kalte Einzelstellung einnimmt.

Gerade beim September lohnt aber auch der Blick noch weiter zur√ľck in die unmittelbare Nachkriegszeit, genauer: ins Jahr 1947. Schon der meteorologische Sommer damals war au√üergew√∂hnlich hei√ü ausgefallen und belegte bis 2003 den Spitzenplatz seit Aufzeichnungsbeginn ‚Äď doch auch der zum Herbst z√§hlende September schrieb Wetter- und Klimageschichte mit der verbreitet l√§ngsten und intensivsten Hitzewelle in einem September √ľberhaupt. Leider liegen aus jenem Jahr keine Messungen aus dem Oberwesertal vor, in der erweiterten Umgebung wurden zwischen dem 12. und 20.09. aber sechs hei√üe Tage √ľber der 30-Grad-Marke registriert und sogar einer an der fast 500 m hoch gelegenen Station an der Revierf√∂rsterei Torfhaus.  Weiter gen S√ľden und Osten der Republik waren es sogar bis zu zehn hei√üe Tage am St√ľck w√§hrend der gesamten zweiten Dekade ‚Äď wohlgemerkt in einem September in einer deutlich weniger warmen Klimaphase.

Doch auch die drei hei√üen Tage zur Monatsmitte in diesem Jahr stellen trotz der Erw√§rmung der letzten Jahrzehnte immer noch ein au√üergew√∂hnliches Ereignis dar: Selbst im aktuellsten Klimadurchschnitt seit 1991 liegt die mittlere Anzahl hei√üer Tage im September bei nur 0,4 ‚Äď und drei davon am St√ľck gab es seit Tageswerte vor Ort vorliegen (1951) lediglich einmal vor vier Jahren. 2016 lag der absolute H√∂chstwert mit 32,8 ¬įC noch ein St√ľck h√∂her, dennoch reichte es in diesem Jahr am 15. und 16.09. f√ľr zwei neue Tagesrekorde der Klimareihe Holzminden/Bevern.

Nicht mehr hei√ü, aber ebenfalls ungew√∂hnlich warm verlief die sonnige Hochdruckphase im Hochsolling. An der Station in Silberborn wurden zur Monatsmitte noch einmal drei Sommertage mit bis zu 27,3 ¬įC gemessen. Die Monatsmitteltemperatur lag mit 13,0 ¬įC um 1,0 Kelvin √ľber dem dortigen Klimamittel der Jahre 1981-2010. Die etwas h√∂here positive Abweichung gegen√ľber Bevern lag an den nur wenig tieferen Minima, die im Schnitt trotz der um 320 Meter h√∂heren Stationslage nur ein halbes Grad niedriger lagen, in manchen N√§chten k√ľhlte es im Wesertal sogar st√§rker ab als im Solling. Bei den H√∂chstwerten hingegen war es in Bevern im Schnitt um 3,5 K w√§rmer als in Silberborn (21,7 zu 18,2 ¬įC).

Auch 1947 gab es √ľbrigens einen markanten Absturz in der dritten Dekade, und so erging es auch dem aktuellen September. Nach der Hitze zur Monatsmitte kam es zwar schon zu einer ersten deutlichen Abk√ľhlung um √ľber 12 K binnen eines Tages, diese war allerdings nicht von Bestand: Nach Durchzug der Kaltfront wurde rasch neue Warmluft herangef√ľhrt, die gro√ür√§umige Str√∂mung drehte von vor√ľbergehend Nord auf S√ľdost und sp√§ter S√ľdwest, so dass sich weitere sechs Tage mit H√∂chstwerten zwischen 22 und fast 27 Grad anschlossen. Erst das √úbergreifen eines kr√§ftigen Tiefs von Westen im Laufe des 24.09. beendete die sp√§tsommerliche Witterung nachhaltig und brachte zumindest f√ľr einen Tag den dringend ben√∂tigten Landregen mit.

Doch dieser eine verregnete Tag am 26. mit verbreitet etwas √ľber 20 mm in 24 Stunden konnte nicht verhindern, dass der September deutlich zu trocken ausfiel. An nur elf Tagen fiel messbarer Niederschlag, davon nur f√ľnfmal mehr als ein Millimeter ‚Äď so lauten die Zahlen aus Bevern, aber an den anderen Stationen der Region sah es kaum anders aus. Die Summe von 45,0 mm lag in Bevern rund 38% unter dem langj√§hrigen Mittel von 1981-2010. Noch trockener war es in Silberborn, wo nur 42,7 mm gemessen wurden ‚Äď bei einem deutlich h√∂heren Klimawert von 98 mm, der um √ľber 55% verfehlt wurde. Die weiteren Monatssummen: L√ľchtringen 36,7 mm, Polle 40,6 mm, Ottenstein 43,4 mm, Hehlen 45,3 mm, Vorwohle 42,1 mm, Hellental 42,7 mm. Anders als im Sommer gab es im September kaum Unterschiede zwischen den Stationsstandorten, so dass es in der Fl√§che deutlich zu trocken war. Zwischenzeitlich hatte sich der Pegel der Weser sogar den Rekordtiefstst√§nden aus dem Jahr 1959 angen√§hert, wie vor zwei Jahren gab das Flussbett zunehmend die Hungersteine frei, obwohl es in diesem Sommerhalbjahr insgesamt deutlich mehr regnete als 2018. Doch der fast trocken gefallene Ederstausee konnte schon l√§ngere Zeit kein Wasser mehr abgeben, was den Pegel weiter fallen lie√ü.

Alles andere als defizit√§r fiel die Sonnenscheinbilanz aus. Mit fast 202 Stunden lag sie um gut 50% √ľber dem langj√§hrigen Durchschnitt und damit so hoch wie seit 2006 nicht mehr in einem September. Allein die 12 Tage zwischen dem 11. und 22.09. brachten mit 10,6 Stunden im t√§glichen Durchschnitt fast ein ganzes Monatsmittel der Jahre 1981-2010 zusammen. Damit war der September in diesem Jahr sogar in absoluten Zahlen sonniger als Juli und August ‚Äď trotz der fortschreitenden Jahreszeit. Ber√ľcksichtigt man die Aussch√∂pfung der jeweiligen astronomisch m√∂glichen Sonnenscheindauer der einzelnen Monate, landet der September in diesem Jahr sogar auf Platz zwei hinter dem April. Auff√§llig in der kurzfristigen Betrachtung ist, dass es bereits der dritte sehr sonnige September in den letzten f√ľnf Jahren war. Und bereits vor dem Schlussquartal steht fest, dass das Jahr 2020 als √ľberdurchschnittlich sonniges Jahr abschlie√üen wird, da selbst das Jahresmittel der j√ľngsten und sonnenscheinreichsten 30-Jahres-Phase ab 1991 schon per 30.09. um 70 Stunden √ľbertroffen ist. (J√ľrgen H√∂neke)

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