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Dienstag, 20. April 2021

Aus den Historischen Bibliotheken im Schloss Bevern: Die Akten der Paulskirche

In farbig bezogener Pappe gebunden: Die Akten der Paulskirche. Foto: Wellmann

Bevern.  „Meine Herren! Das sehr zweideutige Glück, einer der Aeltesten in dieser Versammlung zu sein, verschafft mir die Ehre, an diesem Tage das Präsidium einer Versammlung zu führen, wie sie Deutschland noch nie gesehen, einer Versammlung, deren Beruf es ist, ein bedeutendes Stück der Weltgeschichte zu machen, einen Abschnitt in unserer Zeit, der, so Gott will, Segen bringend von der fernsten Zukunft begrüßt wird. Ich wünsche, daß der Himmel uns stärken möge, diesen hohen Beruf, der uns geworden ist, würdig zu erfüllen. Sie aber, meine Herren, bitte ich, beizutragen, was in ihren Kräften steht, daß wir ihn auf keine Weise verfehlen, indem wir uns überstürzen in Ideen, die einer Zeit angehören, die noch nicht da ist; aber noch weniger, indem wir festhalten an Dingen, die untergegangen sind.“

Mit diesen beeindruckenden Worten eröffnete Dr. Friedrich Lang als Alterspräsident am 18. Mai 1848 in der Paulskirche in Frankfurt die erste konstituierende Nationalversammlung des entstehenden Deutschen Reichs.  Man spürt die Bedeutung, die er dem Tage zumisst, aber auch schon Anflüge der Sorge, zwischen den Ansprüchen von Zukunft und Vergangenheit zerrissen zu werden.

384 Abgeordnete hatten sich in dem demokratisch gewählten Parlament eingefunden, für das die revolutionären Vorgänge im März den Weg bereitet hatten. Wissenschaftler wie Jacob Grimm und Johann Gustav Droysen, Literaten wie Ludwig Uhland und Arnold Ruge, politische Aktivisten wie Ernst Moritz Arndt und „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn zählten dazu. Insgesamt prägten Gelehrte, höhere Beamte, Juristen und Adlige die Versammlung, die schon bald als Professorenparlament verunglimpft wurde. 

Die Stenographischen Berichte über die Verhandlungen der deutschen constituirenden Nationalversammlung zu Frankfurt am Main  sind in neun Bänden von Franz Wigard herausgegeben worden.  Sie stehen in den Historischen Bibliotheken im Schloss Bevern, Abteilung Campe-Gymnasium.

Wigard war Arzt in Dresden, Professor für Stenographie und sächsischer Abgeordneter. Er hat selbst protokolliert  und die Ergebnisse Abonnenten angeboten. Sie wurden 1848 und 1849 zeitnah zu den Tagungen gedruckt und veröffentlicht, manchmal innerhalb eines Tages. Die Sammlung gibt auf 6.886 Seiten einen umfassenden Einblick in die parlamentarische Arbeit dieser Monate.  (Werner Wellmann)

Mehr lesen Sie im TAH am 1. März 2021

 

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