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Samstag, 24. Juli 2021

Gesoffen wird in der eigenen Kellerbar

Der Angeklagte und sein Anwalt Dietlef Bitterberg. Foto: ue

Hildesheim/Kreis Holzminden. Lange hat es gedauert, bis die Hauptverhandlung gegen einen mittlerweile 61-jährigen Mann aus dem Kreis Holzminden vor dem Landgericht Hildesheim eröffnet werden konnte, immerhin liegen die ihm vorgeworfenen Taten schon zwischen vier und sieben Jahre zurück. Und was dem Mann vorgeworfen wird, ist kaum vorstellbar, reicht von Gefährlicher Körperverletzung, besonders schwerer Vergewaltigung bis hin zu schwerer Freiheitsberaubung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Aber das lange Warten hat sich zumindest für die Zuschauer gelohnt, denn die Performance, die die Prozessbeteiligten abliefern, hat bestes RTL-II-Talkshow-Format. Da ist zunächst der Angeklagte, der mit Platzwunde an der Stirn und dickem blauen Auge im Gerichtssaal erscheint. Dann die Geschädigte, die Ex-Frau des Angeklagten, die per ärztlichem Attest auf absehbare Zeit nicht vernehmungsfähig ist, der man durchaus einen Suizid zutraut, die in der Verhandlungspause aber trotzdem im Gerichtsgebäude gesichtet wird. Skurril auch der Auftritt der Adoptivtochter der beiden, die noch nicht im Zeugenstand Platz genommen hat und da schon allen Beteiligten mitteilt, sowieso nicht aussagen zu wollen, und somit auch nach Hause fahren könne, und in der Folge wild schimpfend wieder auf den Flur zurückgeschickt wird, und am Ende noch die Zeugen: Ein Polizist ist ebenfalls nicht vernehmungsfähig laut Attest und schon gar nicht mehr im Polizeidienst, der andere Polizist lässt sich ebenfalls entschuldigen, er schippert mit einem Segelboot über die Ostsee, genießt seinen Ruhestand und lässt ausrichten, wohl nicht vor September wieder da zu sein. Und zuletzt ist da noch eine Zeugin, die sich, durchaus nachvollziehbar, an viele Dinge aufgrund der langen Zeit nicht mehr erinnert und stattdessen in ihrer zweieinhalbstündigen Vernehmung eher mit Gegenfragen antwortet oder schon antwortet, bevor sie überhaupt gefragt wurde. Diese Zeugin, die vom Amtsgericht Holzminden bestellte Familienhilfe, wird vom Anwalt des Angeklagten, Dietlef Bitterberg, schließlich in die Schranken gewiesen... (ue)

Mehr über diesen turbulenten Prozess lesen Sie im TAH am 17. Juni 2021

 

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