Sonntag, 18. November 2018

Das Mecklenbruch – ein Kleinod im Solling

Silberborn (26.07.14). Moore – seit Jahrhunderten rufen sie bei den Menschen zwiespältige Gefühle hervor. Zum einen dienten sie Generationen als Broterwerb und Heizmaterial für Handwerk und Heim. Zum anderen jedoch lösten die oft nebeligen und gefährlichen Gegenden mit den schwankenden Böden unter den Füßen bei vielen Menschen diffuse Ängste aus. Heute üben diese seltenen Lebensräume hauptsächlich auf Grund ihrer ökologischen Einzigartigkeit eine besondere Faszination auf ihre Besucher aus. Der Mecklenbruch, das 63 Hektar große Hochmoor, inmitten des Sollings gelegen, ist dabei ein ganz besonderes Kleinod unter den Mooren in Niedersachsen. Bereits im Jahr 1939 wurde das über 4.300 Jahre alte Hochmoor auf Grund seiner Einzigartigkeit unter Naturschutz gestellt. Dennoch ging der Torfabbau, der 1796 begonnen hatte, noch bis 1948 weiter.

Im Gegensatz zu den Mooren der Niederungen, sind Hochmoore extrem Nährstoffarm, ihr Torf deshalb überwiegend als Heizmaterial begehrt. Da der Heizwert jedoch sehr gering ist, ist der Verbrauch relativ groß. Und so sorgten bereits die Wanderglashütten der vergangenen Jahrhunderte für eine starke Ausbeutung des Mecklenbruchs. Die Torfmoose, Samen und andere Pflanzen, die durch die Verrottung ihrer Biomasse zur Vertorfung beitragen, konnten mit dem Torfabbau nicht Schritt halten. Die Torfschicht eines Hochmoores wächst pro Jahr nur knapp einen Millimeter, was zur Folge hat, das die Torfmächtigkeit des Mecklenbruchs, der Schwarztorf, stellenweise vier Meter aufweist, an anderen Stellen auf Grund des jahrhundertelangen Torfabbaus jedoch sehr gelitten hat.

Erst als Torf seinen Wert als Brennstoff verlor, kehrte Ruhe im Moor ein. Doch viele Dinge waren durch die intensive Nutzung durch den Menschen bereits zum Schlechten hin verändert und eine „Selbstheilung“ des sensiblen Hochmoores kaum noch möglich. Und dadurch stand auch das gesamte, ganz spezielle Ökosystem dieses einzigartigen Lebensraumes auf der Kippe. Die Nährstoffarmen, überwiegend sauren Böden und Gewässer beheimaten Pflanzen und Tiere, die sonst nirgendwo vorkommen und gedeihen. Echsenarten, unterschiedliche Libellen, zahlreiche Falter und spezielle Vogelarten haben sich auf ein Leben im Hochmoor spezialisiert und leben in Symbiose mit zahlreichen an die Bedingungen im Hochmoor angepasste Pflanzen und Früchte.

Als im Jahr 2004 ernste Anzeichen einer völligen Verlandung des Moores festgestellt wurden, wurde gehandelt. Das Niedersächsische Umwelt- und Landwirtschaftsministerium führte dann umfangreiche Wiedervernässungsmaßnahmen durch. Mit dem Einbau von 48 Spundwänden und der Anlage zahlreicher Wasserreservoirs konnte man für das Hochmoor, das keinen Kontakt zum Grundwasser hat, eine gleichbleibende Durchnässung erreichen. Zusätzlich wurden 2.000 Bäume entfernt, und mit einer großen Menge Sägemehl eine zusätzliche Wasserspeicherung erreicht.

All diese Maßnahmen zeigten bereits innerhalb kürzester Zeit große Erfolge. Heute wächst das Hochmoor im Mecklenbruch wieder und das Ökosystem ist intakt. Durch die umfangreichen Renaturierungsmaßnahmen ist das Hochmoor im Solling zu einem Vorzeigemodell Niedersächsischer Moore geworden. Und das Interesse an diesem bedeutsamen Lebensraum wächst kontinuierlich.

Regelmäßig finden Führungen durch das Mecklenbruch statt, die sich einer gleichbleibend hohen Beliebtheit erfreuen. Wolfgang Peter, Vorsitzender des Solling- und Heimatverein Silberborn und gleichzeitig Ortsbürgermeister der Gemeinde im Hochsolling, ist ein ausgewiesener Experte für das Hochmoor. Seine Führungen durch das Moor bieten Gästen einen umfassenden Überblick über die Entstehung, die Geschichte, Nutzung und Renaturierung des Moores. Seine Erläuterungen zu den Pflanzen und Tieren bringen den Exkursionsteilnehmern die Zusammenhänge innerhalb dieses speziellen Lebensraumes näher und tragen somit zu einem besseren Verständnis für die Unterschutzstellung der Hochmoorflächen bei.

Auch außerhalb dieser speziellen Führungen ist das Hochmoor immer einen Besuch wert. Der Holzsteg und der Aussichtsturm bieten einen guten Einblick in den Lebensraum Hochmoor. Es sei darauf hingewiesen, dass ein Betreten der Moorflächen außerhalb der offiziellen Führungen nicht nur verboten, sondern auch mit nicht unerheblichen Gefahren verbunden ist. Ein Moor ist und bleibt für Uneingeweihte gefährlich. Daran hat sich auch in den vergangenen Jahrhunderten nichts geändert. (Jürgen Bommer)

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