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Dienstag, 09. März 2021

Hannovers Befreier

300 Jahre Herzog Ferdinand von Braunschweig

Kreis Holzminden (25.01.21). Herzog Ferdinand von Braunschweig wurde am 12. Januar 1721 – vor 300 Jahren also – in Wolfenbüttel als sechstes von vierzehn Kindern von Herzog Ferdinand Albrecht II. und dessen Ehefrau Antoinette Amalie geboren. In seiner Jugend erhielt er eine sorgfältige Erziehung, die ganz dem Ideal der Fürstenerziehung des 18. Jahrhunderts entsprach. Neben Bildung und Religion galt der militärischen Ausbildung ein besonderes Gewicht.

Die familiären Beziehungen zu Preußen führten den Prinzen 1740 in das preußische Heer. Bereits im Ersten (1740 – 1742) und im Zweiten Schlesischen Krieg (1744 – 1745) konnte sich Ferdinand militärisch bewähren, wofür er von Friedrich II. mit dem Schwarzen Adlerorden ausgezeichnet wurde. Schnell machte Herzog Ferdinand in seiner militärischen Laufbahn Karriere, war 1743 bereits Generalmajor, 1750 Generalleutnant, 1752 Gouverneur der Festung Peiz und übernahm am 10. Juni 1755 für 14 Monate das Amt des Gouverneurs von Magdeburg.

Sorgfältig vorbereiteter Feldzug

Entscheidend jedoch für seinen Ruf als militärischer Führer in preußischen Diensten sollte der Siebenjährige Krieg werden. Im August 1756 führte er seine bei Halle stationierten Regimenter über die Grenze nach Sachsen und Böhmen. Auf Wunsch des englischen Königs Georg II. und unter Druck  des preußischen Königs Friedrich II. wurde Ferdinand im November 1757 als Nachfolger des Herzogs von Cumberland die Führung des Heeres in Nordwestdeutschland übertragen, da hier die Franzosen bisher leichtes Spiel hatten und sowohl Hannover als auch Braunschweig besetzt hielten. Die „Observationsarmee“, bestehend aus dem hannoverschen Heer und norddeutschen Soldtruppen, befand sich seit ihrer Kapitulation durch die Konvention von Zeven vom 8. September 1757 im Zustand physischer und moralischer Auflösung. Entsprechend schwierig gestaltete sich die Aufgabe des Herzogs. Ferdinand konnte durch einen sorgfältig vorbereiteten Feldzug der „Alliierten Armee“ im Februar und März 1758 die besetzten Gebiete zunächst räumen.

Er folgte den Franzosen über den Rhein, wo er bei Krefeld am 23. Juni 1758 einen Sieg über die Truppen des Grafen Clermont errang. Allerdings konnte Ferdinand seine Kriegsziele jenseits des Rheines nicht weiter verfolgen, da eine zweite französische Armee nach Hessen vorrückte und er nun in erster Linie die Sicherung Hannovers und des strategisch sowie wirtschaftlich bedeutenden Westfalens vornehmen musste. Mit den Siegen von Minden (1. August 1759), 

Vellinghausen (15./16. Juli 1761) und Wilhelmsthal (24. Juni 1762) gelang ihm nicht nur diese Aufgabe, sondern er schuf günstige Voraussetzungen für die nachfolgenden Friedensverhandlungen. Obwohl Herzog Ferdinand mehrfach gegen ein zahlenmäßig weit überlegenes französisches Heer antreten musste, gelang ihm – dank seiner genialen militärischen Begabung als Taktiker der Erfolg und er konnte das Gebiet um Hannover und Kassel endgültig von den Franzosen räumen. In Erinnerung an diese Leistung als Feldherr fand eine Büste Ferdinands als Nummer 13 Aufnahme in die Walhalla, 1808 geschaffen von Johann Gottfried Schadow. Die Inschrift erinnert an Herzog Ferdinand als „Hannovers Befreier“!

Belastet aber war das persönliche Verhältnis zwischen König und Feldherr. Ferdinands Interesse galt weniger den Sonderinteressen des preußischen Staates als vielmehr dem norddeutschen Raum, den er zu verteidigen dachte und so konnten Spannungen nicht ausbleiben. Herzog Ferdinand von Braunschweig schied im Juni 1766 im Range eines Feldmarschalls überraschend aus dem preußischen Dienst aus und verzichtete auf sämtliche Pensionsansprüche. Er lebte fortan als Privatmann zeitweise in Braunschweig und als „Gutsherr von Vechelde“, wo er sich 1764 einen Sommersitz erworben hatte und am 3. Juli 1792 hoch verschuldet starb.

Nach seiner Militärzeit hatte sich Ferdinand von Braunschweig vielfältigen wissenschaftlichen und kulturellen Aufgaben gewidmet, förderte entsprechende Bestrebungen trotz finanziell bescheidener Mittel auf großzügige Weise und verschaffte seinem Hof zeitweise eine gewisse politische und kulturelle Bedeutung. Sein besonderes Interesse galt der Freimaurerei. Bereits am 21. Dezember 1740 wurde er in die Berliner Freimaurerloge „Aux trois globes“ aufgenommen, drei Jahre später erreichte er in der Breslauer Loge den Meistergrad. 1772 wurde er Großmeister der Vereinigten Schottenlogen Deutschlands und 1782 General-Großmeister. In dieser Aufgabe hatte er 1777 auf Bitte von Joachim Heinrich Campe die Unterstützung der deutschen Freimaurerlogen organisiert, um das Dessauer Philanthropin als Modellschule der Aufklärung zu retten. Herzog Ferdinand war beispielhaft als aufgeklärter Fürst, auch wenn er selbst nie das Regierungsamt persönlich ausgeübt hatte. (Prof. Dr. Gerd Biegel)

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