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Samstag, 15. Mai 2021

Schneeschauer und erstmals über 25 Grad

Der März brachte den frühesten Sommertag seit Aufzeichnungsbeginn

Kreis Holzminden (12.04.2021). Warmer Start, rekordwarmes Ende – und dazwischen oft kühl: So lässt sich der Temperaturverlauf im März 2021 in wenigen Worten zusammenfassen. Auch wenn die Gesamtbilanz aller wichtigen Parameter kaum von den langjährigen Durchschnittswerten abwich, schrieb der Monat dennoch lokale Wettergeschichte: Mit 25,3 °C wurde nicht nur der bisherige Rekord aus dem März 1968 übertroffen, sondern erstmals seit Beginn der Wetterbeobachtungen ein meteorologischer Sommertag im ersten Frühjahrsmonat gemessen. Nach November und Februar gab es damit bereits zum dritten Mal in den letzten fünf Monaten einen neuen Rekord bei den Höchstwerten.
Mit einer Monatstemperatur von 5,39 °C war der März 2021 an der DWD-Station in Bevern geringfügig wärmer als das Mittel der aktuellen Klimaperiode 1991-2020 von 5,22 °C. Gegenüber dem früheren Referenzmittel der Jahre 1961-1990 betrug das Plus deutlichere 1,35 K. Neben dem ersten Sommertag am 31.03. – statistisch wäre dieser bezogen auf die letzten 30 Jahre erst am 9. Mai zu erwarten und im letzten Jahre dauerte es sogar bis zum 2. Juni – schafften noch zwei weitere Tage am Monatsende den Sprung über die 20-Grad-Marke. Doch insgesamt bildeten milde bzw. warme Tage die Ausnahme in diesem Monat, verliefen doch weite Teile der ersten und fast die gesamte zweite Dekade zumindest leicht unterkühlt. Für einen richtig spätwinterlichen Abschnitt reichte es aber in den Niederungen nicht mehr. Die Anzahl von elf Frosttagen an der Station in Bevern entspricht fast genau dem Mittelwert der vergangenen 30 Jahre, Bodenfrost, genauer: Frost in fünf Zentimetern Höhe über dem Erdboden wurde an 21 Tagen gemessen. Es gibt auch Messungen im Erdboden an einem Teil der Stationen des DWD-Netzes, dort werden auch die Temperaturen in 5, 20, 50 und 100 cm Tiefe ermittelt, in Bevern gehören diese Werte aber nicht dazu.
An der fast 320 m höher gelegenen Wetterstation der Stadt Holzminden in Kooperation mit dem Wetterdienstleister DTN in Silberborn liest sich die Klimabilanz sehr ähnlich: Die dort gemessene Mitteltemperatur von 3,44 °C lag um 0,19 K über dem Durchschnitt der Jahre 1991-2020 und um 1,34 K über dem Wert der Periode 1961-1990. Frost gab es an 15 Tagen, das Minimum betrug -6,8 °C, gemessen am 6. März, doch auch zu Beginn des astronomischen Frühjahrs am 20. wurde es mit einem Tiefstwert von -6,1 °C noch einmal winterlich kalt. Schnee- und Schneeregenschauer traten dem Sollingklima entsprechend mehrfach auf, eine messbare Schneedecke am Morgen wurde aber nur noch am 10. mit 4-5 cm vorgefunden.
Ob es am Monatsende auch in Silberborn für einen neuen Wärmerekord reichte, kann leider nicht mit hinreichender Sicherheit ermittelt werden. Der 30.03.1968, bisheriger Spitzenreiter in der Region, fiel in die Zeit der Messlücke zwischen der Beendigung der Wetterbeobachtungen in Torfhaus Ende 1966 und der Einrichtung der Wetterstation in Neuhaus im Jahr 1975. Die Daten der Stationen auf ähnlicher Höhe in der weiteren Umgebung von damals lassen leider keine eindeutigen Rückschlüsse zu. Festzuhalten bleibt aber, dass es sich auch in Silberborn mit bis zu 21,7 °C um ein außergewöhnlich warmes Märzfinale handelte.
Die Ursachen für die Temperaturgegensätze lagen in einem Wechsel zwischen warmen Hochdrucklagen zu Monatsbeginn und -ende und kalten oder zumindest kühlen Nordlagen dazwischen, unterbrochen durch eine kurze Westlage zu Beginn der zweiten Dekade.  Ein überwiegend meridionales Zirkulationsmuster, bei der die dominierenden Luftströmungen längengradparallel ausgerichtet sind, ist im Frühjahr keine Seltenheit. Der Abfluss kalter Arktikluft nach Süden und die Verfrachtung subtropischer Luftmassen nach Norden ist vielmehr eine notwendige Voraussetzung dafür, dass es im hohen Norden Europas überhaupt Frühling werden kann. Deshalb finden sich trotz der grundsätzlichen Erwärmung aller Jahreszeiten gerade im Frühjahr immer wieder auch kalte Abschnitte deutlich unter den langjährigen Durchschnittswerten – der typische mitteleuropäische Frühling bleibt auch in Zeiten zunehmender Erwärmung von zwischenzeitlichen Kälterückfällen geprägt, das gilt ebenso und in den letzten Jahren sogar noch eher verstärkt für den April. Gleichzeitig haben die deutlich zu warmen Monate im Frühjahr ebenfalls zugenommen, mit anderen Worten: Die Gegensätze binnen kurzer Zeitabstände sind größer geworden.
Schlecht für die Natur: Niederschlagsreiche Phasen nehmen in solch einem Szenario ab. Dafür steht auch der März 2021 exemplarisch: Nennenswerte Regenmengen brachten lediglich die Tage mit West- und Nordwestströmung vor Monatsmitte, auf die fast der gesamte Niederschlag entfiel. An der Station in Bevern reichte das immerhin sogar fast zum Erreichen des Klimamittels der Jahre 1991-2020 von 61,3 mm – dazu fehlte am Ende nur ein halber Millimeter. Doch an den anderen Stationen in der Region war das Defizit teilweise größer: In Silberborn fielen mit 68,4 mm nur knapp 80%, in Amelith mit 58,7 mm gut 85%. Der höchste Messwert stammt aus Hellental, wo die schmale Tallage Stauniederschläge begünstigt und sich der nasseste Standort im Kreis befinden dürfte, wobei die Messungen über viele Jahre in Dassel stattfanden und erst seit Herbst 2018 in Hellental. Deshalb gibt es dort noch keine langjährigen Klimawerte, die man belastbar in Bezug zu den aktuellen Messwerten setzen kann. Im März jedenfalls holte der Beobachter insgesamt 87,5 mm aus dem Sammelbecher.
Die weiteren Werte: Vorwohle 57,0 mm, Hehlen 56,9 mm, Ottenstein 51,2 mm und Polle 56,0 mm. In Amelith und Silberborn reichte es am Morgen des 10. mit drei bzw. vier bis fünf Zentimetern zum einzigen Schneedeckentag des Monats, in den tieferen Lagen reichte es nur für die Meldung „Schneeflecken“, die einen Bedeckungsgrad von mehr 10, aber weniger als 50% der betrachteten Fläche beschreibt.
Die Sonne konnte sich nur an wenigen Tagen lange am Himmel zeigen, erst die Hochdruckphase zum Monatsende führte zum Erreichen bzw. leichten Überschreiten des 30-Jahres-Mittels von rund 117 Stunden. Umgekehrt gab es kaum richtig trübe Tage mit nur sehr wenig oder gar keinem Sonnenschein – auch das ist typisch für Nordlagen: Der schnelle Wechsel von dichter Bewölkung mit Schauern, teils mit Schnee und Graupel, und zwischenzeitlichen Aufheiterungen. Solche von höhenkalter Luft in ca. 5.500 m Höhe geprägte Wetterlagen gelten als typisches Aprilwetter, treten aber auch in anderen Monaten auf, am häufigsten jedoch im Frühjahr. Und da will der April in diesem Jahr, wie wir nun zum Erscheinen dieses Märzrückblicks bereits wissen, keine Ausnahme machen. (Jürgen Höneke)

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