Montag, 10. August 2020
Sonntag, 09. August 2020

Erneut protestieren tausende Israelis gegen Netanjahu

In Israel wird seit Wochen gegen Netanjahu demonstriert
In Israel haben erneut tausende Menschen den Rücktritt von Regierungschef Benjamin Netanjahu gefordert. Diesmal fanden die Proteste nach einer Drohung eines rechtsradikalen Aktivisten unter besonderem Polizeischutz statt. - (AFP / AFP )

In Israel haben erneut tausende Menschen den Rücktritt von Regierungschef Benjamin Netanjahu gefordert, der wegen Korruption angeklagt ist und wegen seiner Corona-Politik in der Kritik steht. Die Demonstration am Samstagabend fand unter besonderem Polizeischutz statt, nachdem ein rechtsradikaler Aktivist, der wegen der Tötung eines Demonstranten 27 Jahre im Gefängnis saß, die Netanjahu-Gegner indirekt bedroht und als "Bazillen" beschimpft hatte.

Jona Avruschmi hatte 1983 bei einer Demonstration gegen den Libanon-Krieg in Jerusalem eine Handgranate in die Menge geworfen. Er tötete den Lehrer und Friedensaktivisten Emil Grünzweig und verletzte neun weitere Demonstranten.

Am Freitag hatte Avruschmi im privaten Fernsehsender Channel 12 gesagt, die Demonstranten müssten sich am Samstag auf gewaltbereite Gegendemonstranten gefasst machen. Er selbst werde zwar nicht zu der Protestaktion gehen, sagte Avruschmi. Er kenne aber junge Männer, "die wissen, was zu tun ist". Die Demonstranten seien "einfach nur Bazillen" und "schlechte Menschen".

Die Veranstalter warfen Avruschmi Anstiftung zu Gewalt vor und wandten sich an die Polizei. Der Jerusalemer Einsatzleiter Schlomi Baschar kündigte daraufhin an, die Protestaktion nahe der offiziellen Residenz Netanjahus in Jerusalem mit uniformierten und zivilen Beamten sowie "technischen Mitteln" abzusichern. Die Polizei werde "absolut keine Gewalt tolerieren", sagte er im Sender Kan 11.

Auch bei Protesten vor Netanjahus Privatresidenz im Küstenort Caesarea waren nach Angaben von Demonstranten mehr Polizisten als sonst im Einsatz.

In Israel gibt es seit Wochen Proteste gegen den Regierungschef. Dieser muss sich seit Mai wegen des Vorwurfs der Bestechlichkeit, des Betrugs und der Untreue vor Gericht verantworten, weshalb viele Israelis seinen Rücktritt fordern. Sie kritisieren zudem Netanjahus Krisenmanagement in der Corona-Pandemie, die in Israel zu einer massiven Wirtschaftskrise und hoher Arbeitslosigkeit geführt hat.

Jerusalem (AFP) / © 2020 AFP

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